Der Kampf um gerechten Lohn

Dänemarks Fußballerinnen fahren eine harte Linie

Dänemarks Frauen-Nationalteam hat das WM-Qualifikationsspiel in Schweden abgesagt, weil der Streit um mehr finanzielle Unterstützung mit dem Verband eskaliert ist. Wie weit soll die Gleichstellung von Männern und Frauen im Fußball bezüglich der Entlohnung gehen? Eine schwierige Debatte.

Pernille Harder
Pernille Harder Quelle: imago

Es ist nicht so lange her, da schwelgte die dänische Frauen-Nationalmannschaft im Glück. Sie lieferte bei der EM 2017 mit Gastgeber Niederlande ein furioses Finale - mit den Holländerinnen als verdiente Sieger. Die 30.000 Zuschauer in Enschede spendeten auch den Däninnen aufrichtig Applaus für ihren tollen Auftritt.

Schweden-Spiel abgesagt

Mittlerweile aber steckt Dänemarks Frauenfußball in der Krise. Dem Team von Trainer Nils Nielsen droht das WM-Aus, ehe die Qualifikation für die Endrunde 2019 so richtig angelaufen ist.

Zwei Tage vor dem für diesen Freitag angesetzten WM-Qualifikationsspiel in Göteborg gegen Schweden sagte der dänische Verbandspräsident Jacob Wadland die Partie ab. Grund: Der seit Wochen schwelende Streit mit der Spielerinnenvereinigung um mehr finanzielle Unterstützung ist eskaliert.

Bereits zuvor war eine vereinbarte Revanche des EM-Endspiels gegen die Niederlande aus denselben Gründen abgesagt worden. Und zum ersten Qualifikationsspiel in Ungarn (6:1) traten die Däninnen nur an, nachdem mühsam eine vorübergehende Einigung erzielt worden war.

Teil-Einigung vor Partie gegen Kroatien

Auch für das nächste WM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien am kommenden Dienstag konnte der dänische Verband (DBU) erst nach einer Teil-Einigung mit den Spielerinnen grünes Licht geben: Die Verhandlungen würden nach dem Spiel forgesetzt, teilten Verband und die Spielerinnenvereinigung am Freitag gemeinsam mit.

Seit Wochen wird über die Bezahlung der Däninnen gestritten. Sie fordern ein höheres Gehalt und wollen die gleichen Rechte wie das Männerteam. Schon vor einem Monat hatte der dänische Fußballverband sein Bedauern über die verhärteten Fronten geäußert. "Zutiefst problematisch für den Frauenfußball", sei das alles, klagte die DBU: "Sowohl sportlich, als auch ökonomisch."

Anders als deutsche Nationalspielerinnen sind viele Däninnen in ihren Vereinen Amateure, die nur einen Bruchteil dessen bekommen, was beispielsweise Torjägerin Pernille Harder beim VfL Wolfsburg verdienen soll. Zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel.

330 Euro pro Länderspiel

Daher sind die Zuwendungen von Verbandsseite viel wichtiger. Bislang soll eine dänische Fußballerin für ein Länderspiel umgerechnet 330 Euro erhalten haben. Für die Vize-Europameisterschaft gab es - mit wochenlanger Verzögerung - letztlich eine Prämie von 10.700 Euro.

Zum Vergleich: Die deutschen Spielerinnen - die durch den Viertelfinal-K.-o. komplett leer ausgingen - hätten 20.000 Euro erhalten. Woran sich die dänischen Fußballerinnen störten: dass die Männer alein für die EM-Teilnahme 2012 das Zehnfache erhielten.

Geldmaschine Männerfußball

Nationalspielerin Sanne Troelsgaard als eine der Wortführerinnen begründete den Vorstoß so: "Wir wissen auch, dass die Männer die Geldmaschine für die DBU sind." Aber aus dem Topf, aus dem Prämien und Stipendien bezahlt werden, solle es bitte mehr geben.

Die DBU bot rund 50 Prozent Aufstockung an. Und die Männer-Auswahl wollte umgerechnet auf rund 67.000 Euro zugunsten des Frauen-Teams verzichten.

Vorbild Norwegen

Zwischenzeitlich unternahm eine andere skandinavische Nation einen großen Schritt in Richtung Gleichberechtigung: In Norwegen beschloss der Verband, das Honorar für die Nationalspielerinnen an das der männlichen Kollegen anzugleichen.

Norwegens Nationalspielerinnen, bei der EM kurioserweise in der Vorrunde an den Niederlanden und Dänemark gescheitert, bekommen als Mannschaft für ihre Auftritte im Nationaltrikot ab dem nächsten Jahr umgerechnet  640.000 Euro, wobei 58.500 Euro von den Männern umgeschichtet werden.

"Ein großer Schritt"

Nationalspielerin Caroline Graham Hansen schrieb daraufhin: "Das war vielleicht für euch eine kleine Sache, aber für uns und den gesamten Frauenfußball ein großer Schritt." Verbandschef Joachim Waltin wertete die historische Vereinbarung als Investition, um das Niveau im Frauenfußball zu steigern.

Beim deutschen Team werden die Debatten übrigens nicht geführt. Alexandra Popp berichtete, von entsprechenden Artikeln habe sie nur die Überschrift gelesen. Das Thema interessiere sie auch nicht sonderlich, weil sie sich gut gefördert sieht.

DFB-Frauen gut gefördert

Der DFB bezuschusst den Frauen- und Mädchenfußball in siebenstelliger Höhe. Zudem gibt es zahlreiche Privilegien für die Nationalspielerinnen: eine wirtschaftliche Beteiligung an den Länderspiel-Maßnahmen, Charterflüge, um Reisestrapazen zu minimieren, exzellente medizinische Betreuung, beste Ernährung mit einem eigenen Koch, Nutzung der DOSB-Einrichtungen auch außerhalb der Lehrgänge, Förderung der dualen Karriere.

Das gibt es anderswo kaum. Die genauen Beträge, die eine Nationalspielerin zufließen, will der Verband zwar nicht preisgeben, dennoch scheint niemand unzufrieden zu sein. "Wir sind uns voll bewusst, dass man im Frauenfußball nicht so viel verdienen kann wie bei den Männern. Aber wir sind trotzdem glücklich, dass uns die Vereine und der DFB im Vergleich zu früher nun so viel mehr bieten können", sagte Mittelstürmerin Mandy Islacker bei der EM. Diese Meinung ist bis heute mehrheitsfähig im deutschen Team.

DFB-Frauen in der WM-Quali

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