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Der letzte Grand Prix in Deutschland?

Formel 1 - GP in Hockenheim

Die Tribünen im Motodrom von Hockenheim werden am Sonntag voll sein - dennoch ist die Zukunft des Grand Prix von Deutschland mehr als ungewiss. Vor allem wegen der Finanzen. Aber auch, weil Liberty Media andere Präferenzen hat.

Hockenheimring aus der Luft
Wohl bald ohne Königsklasse: Hockenheimring
Quelle: Daniel Roland; ap

Georg Seiler, der Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH, ist nicht zu beneiden: Wenn am Sonntagnachmittag im Motodrom die Zielflagge fällt, könnte der Grand Prix von Deutschland in Hockenheim nach 36 Rennen dort endgültig Geschichte sein. Trotz in diesem Jahr recht voller Tribünen.

Guter Vorverkauf

Denn der Vorverkauf lief gut, auch dank der holländischen Verstappen-Fans, die ihrem Idol in Europa überall hin nachreisen. 66.000 Karten sind bereits abgesetzt, das ist deutlich mehr als die 57.000 Fans, die bei der letzten Auflage 2016 kamen. Insgesamt erwartet Seiler am Sonntag 70.000 Zuschauer, sogar eine lange nicht benötigte Zusatztribüne wurde wieder aufgebaut. Wobei mehr Zuschauer angesichts der komplizierten Vertragsstrukturen auch nicht unbedingt die ersehnte Rettung sind.

Denn neben den zwölf Millionen Euro Antrittsgebühr an die Formel 1 sind, zumindest im bestehenden Vertrag, 100 Euro zusätzlich für jedes verkaufte Ticket über 50.000 zu entrichten. Dieser Vertrag, noch mit Bernie Ecclestone geschlossen, läuft nun aus - ein neuer müsste mit den neuen Formel-1-Besitzern, Liberty Media, verhandelt werden. Und die scheinen bis jetzt nicht nicht allzu entgegenkommend - das ein oder andere Gespräch scheiterte bereits. Obwohl das amerikanische Medienunternehmen ja eigentlich immer betont, der deutsche Markt sei wichtig. Aber die - offiziell nicht ausgesprochene - Wahrheit ist auch, dass es dann nicht unbedingt Hockenheim sein sollte oder müsste.

Liberty Media: Lieber Glamour als Provinz

Für die amerikanischen Marketing-Profis ist der Ort im Badischen, nicht nur die Strecke, auch das ganze Umfeld, eigentlich zu provinziell. Sie wollen in die großen Städte, oder zumindest in deren unmittelbare Nähe, sehen dort mehr Glamour. Und auch als Verhandlungspartner wünschen sie sich am liebsten smarte Business-Profis, die perfekt zu ihrer Vorstellung von "Geschäfte machen" passen. Und werden da eben in Miami, Kopenhagen oder Amsterdam, alles potenzielle Kandidaten für ein Rennen, eher fündig.

Einen deutschen Grand Prix im Ruhrgebiet, oder noch besser, in Düsseldorf - ja so etwas könne man sich mittelfristig schon eher vorstellen bei den Bossen aus den USA. Wenn dort Interesse bestünde und das Projekt auch politisch durchsetzbar wäre.

Hockenheim muss sich selbst finanzieren

Unter diesem Aspekt ist es nicht wirklich verwunderlich, dass man Hockenheim anscheinend nicht groß entgegen kommen will. Genauso, wie die Position von Seiler aus seiner Sicht absolut nachvollziehbar ist. Der sagt sehr deutlich: "Ich weiß nicht, wie es weitergeht. Wir werden keinen Vertrag mehr abschließen, der ein wirtschaftliches Risiko beinhaltet. Wir sind eine Rennstrecke, die keine Zuschüsse von Region, Land oder Bund erhält. Der Hockenheimring ist wohl die einzige Strecke auf der Welt, die sich wirtschaftlich selbst tragen muss."

Ich weiß nicht, wie es weitergeht.
Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH

Das Risiko ist der entscheidende Punkt für Seiler, der ja auch noch einen über die Jahre - vor allem aus der Umbauzeit des Rings - existierenden zweistelligen Millionen-Schuldenberg abzutragen hat. "Und dann spielen bei der ganzen Kalkulation ja auch noch immer einige so unberechenbare Faktoren wie zum Beispiel der Dollarkurs, zu dem alle Zahlungen abgewickelt werden, eine Rolle."

Öffentliche Gelder - in Deutschland ein Tabu

In anderen Ländern gibt es andere Möglichkeiten. Der Frankreich-GP, der zuletzt den Weg zurück in den Formel-1-Kalender fand, hat die Politik hinter sich. Der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi war es, der in komplizierter Kleinarbeit über Jahre hinweg vor allem Regionalpolitiker verschiedener französischer Departements in der Umgebung der Rennstrecke von Paul Ricard davon überzeugte, öffentliche Gelder in das Rennen zu investieren, man spricht von etwa 14 bis 15 Millionen Euro jährlich.

In Hockenheim würde man auf derartige Unterstützung wie in Frankreich natürlich auch gern bauen können. Doch das sind nur Träume - öffentliche Gelder für den Motorsport sind nun mal in Deutschland derzeit ein mehr als schwieriges Thema, speziell nach den Skandalen rund um den Nürburgring, den massiven Vorwürfen der Verschwendung von einer halben Milliarde Euro an Steuergeldern dort an die Landesregierung von Rheinland-Pfalz. Die Affäre belastete 2009 die Regierung um Ministerpräsident Kurt Beck - und kostete den SPD-Finanzminister Ingo Deubel das Amt.

Keine Unterstützung von Mercedes

Und privat-wirtschaftliche Finanzierung oder zumindest Risiko-Absicherung im Hintergrund, wie in Österreich durch Red Bull und Dietrich Mateschitz? Diejenigen, die von der Formel 1, gerade von der Formel 1 in Deutschland, profitierten, die sieht Seiler schon eher in der Verantwortung, etwas für den Erhalt des deutschen Grand Prix zu tun. Wen er damit meint, ist auch klar - auch ohne direkte Namensnennung: Mercedes.

Wer jedes Jahr 350 Millionen Euro in die Formel 1 steckt, für den sollte es doch eigentlich kein Problem sein, eine Garantie von vielleicht maximal drei oder vier Millionen für ein eventuelles Defizit zu übernehmen. Aber da beißt er auf Granit. "Wir mischen uns in die Verhandlungen zwischen Hockenheim und Liberty Media nicht ein", heißt es bei den Silber-Verantwortlichen immer wieder. Daher steht es um Zukunft der Formel 1 auf der traditionsreichen Strecke in der Kurpfalz eher schlecht.

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