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Die Väter des Hallenhandballs

Taktik und Positionsspiel entwickelten sich nachhaltig im ehemaligen Jugoslawien

In der Vorrunde der bevorstehenden Handball-EM in Kroatien (12. - 28. Januar) bekommt es Titelverteidiger Deutschland mit Montenegro, Slowenien und Mazedonien zu tun. Woher rührt die Spielstärke der Mannschaften vom Balkan?

Veselin Vujovic
Früher Weltklassespieler, heute Trainerfuchs in Slowenien: Veselin Vujovic

Zlatko Feric, Bundesligamanager beim TuS N-Lübbecke, hatte nicht viel auf die überschwänglichen Lobeshymnen gegeben. „Einen solchen Handballer hast Du noch nie gesehen“, schwärmte ein Freund über einen 16-Jährigen aus Split. Nun werden auf dem Balkan jeden Tag neue Sportgenies geboren, jedenfalls aus Sicht der Fans. Aber in diesem Sommer 1995 erfüllte sich die Prophezeihung. Auch Feric konnte kaum glauben, mit welch brillanter Technik und Leichtigkeit dieser Teenager namens Ivano Balic den Ball führte: „Es war damals bei ihm ein bisschen so, Gott bei der Arbeit zuzusehen, nur dass es nicht wie Arbeit aussah.“

Große Tradition auf dem Balkan

Ivano Balic
Ivano Balic gilt für viele Experten als bester Handballer aller Zeiten.

Dieser Balic, der seine Karriere schließlich 2015 bei der HSG Wetzlar beendete, wurde später als der beste Handballer des Planeten eingestuft. Er setzte damit eine große Tradition fort. Vor ihm wurden begnadete Spieler wie Hrvoje Horvat (Olympiasieger 1972) oder Veselin Vujovic (Olympiasieger 1984) gefeiert, der massige Torwart Abas Arslanagic, Olympiasieger 1972, entwickelte die erste Torwartschule des Hallenhandballs. „Er war damals ein Vorbild für mich“, sagt Andreas Thiel, der als deutscher Nationaltorwart zum „Hexer“ avancierte. Vlado Stenzel, Trainer der deutschen Weltmeister von 1978, schließlich gilt als einer der Väter des modernen Hallenhandballs, unter anderen erfand er die berühmte „jugoslawische“ 3:2:1-Deckung.

Von dieser Tradition und intensiven Beschäftigung mit dem Hallenhandball profitieren die Mannschaften aus den Ländern, die sich 1990 nach dem Untergang des Staates Jugoslawien formierten, bis heute. Die beiden stärksten Nachfolger sind von jeher Kroatien, das mit Balic 2003 (Weltmeister) und 2004 (Olympiasieg) die größten Erfolge feierte, und Serbien, das 2012 im eigenen Land Vize-Europameister wurde. Auch Slowenien, der WM-Dritte von 2017 und Vize-Europameister von 2004, verfügt über traditionell spielstarke Mannschaften.

Zwergstaat produziert viele Stars

Insbesondere das Niveau des ersten deutschen Gegners bei der Handball-EM, Montenegro, ist extrem bemerkenswert. Auch dieses Land, in dem nur rund 650.000 Menschen leben, produziert eine Fülle von Handballstars, aktuell machen Torwart Nebojsa Simic (MT Melsungen) und Rückraum-Shooter Vuko Borozan (Vardar Skopje) Furore. Im Frauenhandball zählt Budocnost Podgorica gar seit Jahren zu den stärksten Teams Europas.

In Mazedonien ist Handball gar Volkssport. Als das Team Vardars im Frühjahr 2017 nach dem Sieg in der Champions League in die Hauptstadt zurückkehrte, feierten Tausende auf den Straßen. Die Heimspiele Vardars zählen zu den stimmungsvollsten in Europa, nirgendwo wird eine größere Lautstärke produziert als in der Halle „Jane Sandanski“. Der beste Profi der mazedonischen Handballgeschichte, der inzwischen 37jährige Rückraum-Linkshänder Kiril Lazarov, wird als Volksheld gefeiert.

Angeborenes Spielverständnis

Zum Erbe des jugoslawischen Handballs gehören ungewöhnlich starke individuelle Fähigkeiten und ein hohes Spielverständnis, das wie angeboren scheint. „Der jugoslawische Handball hat von jeher die besten Spieler produziert“, sagt Thiel bewundernd. Aber nicht nur das macht jeden Gegner vom Balkan bei der bevorstehenden Europameisterschaft gefährlich.

Auch die lautstarken Fans werden in der deutschen Vorrundengruppe in Zagreb eine große Rolle spielen. „Ich bin sicher, dass wir einen lautstarken Fanblock haben werden“, sagt Lazarov. Und solange diese Hingabe der Fans an den Handball besteht, wird diese Gegend weiterhin außergewöhnliche Handballer hervorbringen.

Alles zur Handball-EM

SPORTextra am 13. Januar

Sport | ZDF SPORTextra - Handball-EM: Deutschland - Montenegro

Zum Auftakt der Handball-EM in Kroatien trifft Titelverteidiger Deutschland auf Montenegro. Martin Schneider kommentiert das Spiel für Sie.

Videolänge:
108 min
Datum:

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