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Die jungen Wilden aus Island

Handball-WM | Hauptrunde

Island, am Samstag erster deutscher Gegner in der Hauptrunde (20.30 Uhr, ARD), zählt zu den Überraschungen der 26. Handball-Weltmeisterschaft. Denn Trainer Gudmundsson baut um Superstar Aron Pálmarsson eine stark verjüngte Mannschaft auf.

Gisli Kristjansson
Gisli Kristjansson (re.) im Zweikampf mit dem Spanier Eduardo Gurbindo
Quelle: dpa

Überraschungserfolg in München

Als die letzten Sekunden in der Münchner Olympiahalle verrannen, lagen sie sich die Wikinger in den Armen. Denn mit dem 24:22-Sieg im letzten Gruppenspiel gegen Mazedonien, der ihnen den Einzug in die Hauptrunde verschaffte, hatten nur die größten Optimisten in der isländischen Handballgemeinde gerechnet.

Zu radikal erschien vor der WM der Neuanfang, den Trainer Gudmundur Gudmundsson im letzten Jahr eingeleitet hatte. Der Coach hatte im Jahr 2008 das Team um den genialen Olafur Stefansson zur olympischen Silbermedaille geführt, zwei Jahre später auch zu EM-Bronze. Aber die Realität der großen Handballnation Island, weiß Gudmundsson, war in der jüngeren Vergangenheit trostlos. "Wenn man ehrlich ist, sind wir seit 2015 nicht mehr unter die besten zehn Teams gekommen." 

Drei-Jahres-Projekt nimmt Formen an

Wir haben uns entschlossen, unsere junge Generation, die sehr vielversprechend ist, in den nächsten Jahren in der Nationalmannschaft aufzubauen
Gudmundur Gudmundsson

In der Tat hatte Island, obwohl es mit Aron Pálmarsson (28, FC Barcelona), der mit dem THW Kiel zweimal die Champions League gewann (2010, 2012), über einen Ausnahmespieler im Rückraum verfügt, zuletzt die entscheidenden Partien verloren. Bei den letzten Weltmeisterschaften war Island jeweils im Achtelfinale gegen Dänemark (2015) und Frankreich (2017) chancenlos. 

Deswegen hat der isländische Verband einen radikalen Verjüngungsprozess eingeläutet. "Wir haben uns entschlossen, unsere junge Generation, die sehr vielversprechend ist, in den nächsten Jahren in der Nationalmannschaft aufzubauen", sagt Gudmundsson. "Das ist ein Drei-Jahres-Projekt. Danach wollen wir wieder unter besten acht Nationen sein." Die WM in Deutschland und Dänemark stellt die erste Etappe dar.

 Jugendstil statt Routine

Wie radikal die Zäsur ist, wird deutlich im Rückraum. Dort vertraut Gudmundsson auf den 19-jährigen Spielmacher Gisli Kristjansson, der seit dem Sommer in Kiel unter Vertrag steht, und auf den 21-jährigen Elvar Örn Jonsson (Jg.1997), der noch in der heimischen Liga in Selfoss spielt. Auch auf anderen zentralen Positionen hat der Coach junge Spieler eingebaut, etwa den Kreisläufer Arnar Freyr Arnarsson (Jg. 1996) und den Halbrechten Omar Ingi Magnusson (Jg. 1997). Diese "jungen Wilden" hatten großen Anteil am Sieg gegen Mazedonien. Immer wieder faszinierend, wie viele starke Nachwuchsspieler der isländische Handball produziert, obwohl dort nur rund 330.000 Menschen leben, so viele wie in Bielefeld.

Vor der WM musste Gudmundsson gezwungenermaßen auf Routine verzichten: Der abgezockte Linksaußen Gudjon Valur Sigurdsson (Löwen), der mit 1.816 Toren erfolgreichste Länderspieltorschütze aller Zeiten, musste wegen einer Knieverletzung passen. So ist mit dem gegen Mazedonien formstarken Keeper Björgvin Gustavsson, der früher beim Bergischen HC sein Geld verdiente, nur noch ein Mann aus der Silbernen Generation von 2008 übrig. In famoser Form befindet sich auch Arnor Thor Gunnarsson (Bergischer HC), der gegen Mazedonien zehn Mal traf und gemeinsam mit Uwe Gensheimer den zweiten Platz in der WM-Torjägerliste belegt.

Prokop warnt vor Island

 Obwohl Island mit einer Hypothek von 0:4-Punkten in die Hauptrunde startet, ist der Gastgeber also gewarnt: "Sie spielen in der Abwehr ein sehr aggressives, mannbezogenes System, mit dem sie den Gegner schnell unter Druck setzen und versuchen, leichte Tempotore zu machen“, sagte Bundestrainer Christian Prokop, der freilich die individuelle Klasse von Star Pàlmarsson noch hervorhob.

Islands Coach Gudmundsson freute sich über den Einzug in die Hauptrunde, kritisierte aber zugleich den Terminplan, der vorsieht, dass die Island in fünf Tagen vier Spiele zu absolvieren hat – und der freie Freitag zudem für den Umzug von München nach Köln benötigt wurde. „Das ist gefährlich für die Gesundheit der Spieler“, klagte Gudmundsson. „Wie kann man so etwas planen?“ Aber das wird den Kampfgeist der Wikinger aus dem Nordatlantik eher noch erhöhen.

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