Sie sind hier:

Russland vor Herkulesaufgabe

Handball-WM | Der Gegner der Deutschen hat Olympia im Visier

Russland, bei der Handball-WM am Montag (18 Uhr/ARD) Gegner der deutschen Mannschaft, peilt Olympia 2020 an, obwohl die Substanz dünn ist. Schlüsselspieler bei diesem ehrgeizigen Vorhaben ist Flügelspieler Timur Dibirow.

Timur Dibirow beim 30:30 der russischen Mannschaft gegen Serbien
Timur Dibirow beim 30:30 der russischen Mannschaft gegen Serbien
Quelle: dpa
26. Februar 1982: Wladimir Below (UdSSR, Mitte) gegen Peter Meisinger, Thomas Krokowski (2.v.li.) und Thomas Springel (alle BRD)
Wladimir Below (UdSSR, Mitte) gegen Peter Meisinger, Thomas Krokowski (2.v.li.) und Thomas Springel (alle BRD)
Quelle: Imago

Es gab Zeiten, da konnte der russische Handball aus dem Vollem schöpfen. Zwischen 1960 und 1990 produzierte der Leistungssport sowjetischer Prägung eine ganze Galerie großer Stars: Wladimir Maximow, Alexandr Karschakewitsch, Wladimir Below, Alexander Anpilogow oder der Torhüter Andrei Lawrow - um nur einige zu nennen, die Weltmeister oder Oympiasieger wurden.

Aber diese Zeiten sind längst vorbei. Das handballerische Erbe des sowjetischen Reiches war mit den WM-Titeln 1993 und 1997 sowie dem Olympiasieg 2000 in Sydney aufgebraucht.

Verletzt im Einsatz

Wie groß die Not der Russen ist, belegt auch eine Personalie zu Beginn dieser WM: Keeper Victor Kirejew kam in den ersten beiden Partien gegen Serbien (30:30) und gegen Korea (34:27) zum Einsatz, obwohl Nationaltrainer Eduard Kokscharow vor dem Turnier noch angekündigt hatte, sein Keeper werde wegen dessen Handverletzung die ersten Spiele aussetzen.

Der 31-jährige Torwart von Motor Saporoschje wird also wohl auch gegen Deutschland gemeinsam mit seinem langjährigen Partner Oleg Grams auflaufen, der in Dünkirchen sein Geld verdient.

Trainer Kokscharow, der sich als Linksaußen einst den Ehrennamen "der Eiserne" erwarb, baut bei seinem ehrgeizigen Vorhaben auf das Duo. "Wir haben ein Hauptziel - die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio", hat Kokscharow kürzlich bekräftigt.

Dafür müsste seine Mannschaft bei der WM mindestens Platz 8 erreichen.

Rückraum ist die Crux

Damit stellt sich der Coach allerdings einer wahren Herkulesaufgabe. Denn im Rückraum steht ihm mit Dimitri Schitnikow (Pick Szeged) nur ein Spieler zur Verfügung, der allerhöchstes Niveau darstellen kann - aber allzu oft schöpft der Rechtshänder sein großes Potenzial nicht aus.

Der zweite Akteur im Rückraum mit internationaler Klasse ist Pavel Atman (Hannover). Doch der spielintelligente Regisseur, der in den vergangenen 17 Monaten schon sage und schreibe fünf Verletzungen auskurieren musste, verletzte sich vor der WM erneut und musste passen.

Die bisherige WM-Statistik der Russen demonstriert, wo die größten Probleme ihres Spiels liegen. Im Auftaktspiel gegen Serbien warfen die Flügelspieler Timur Dibirow, Daniil Schischkarew und Dmitrii Kowalew allein 18 der 30 russischen Tore. Mit anderen Worten: Es fehlt an der nötigen Wucht aus dem Rückraum. Allein der Halblinke Alexander Schkurinski (Meschkow Brest), den man aus der Champions League kennt, strahlt hier neben Schitnikow Torgefahr aus.

Obwohl die vergangenen Turniere für die Russen oft desaströs verliefen, können sie doch ein gefährlicher Gegner sein. Das liegt in erster Linie an Timur Dibirow, der zweifellos Weltklasse verkörpert und in der Liga der abgezocktesten Spieler Europas ganz oben mitspielt.

Meister des Stellungsspiels

Der Linksaußen ist als vorgezogener "Indianer" in einer 5:1-Deckung ein Meister des Stellungsspiels, auch beherrscht er alle Tricks und ist vor dem Tor eiskalt. An die Weltklasse Dibirows reicht sein Pendant auf Rechtsaußen, Daniil Schischkarew, zwar nicht ganz heran. Aber beide haben, das spricht für sie, mit Vardar Skopje 2017 die Champions League gewonnen.

Dibirow war es auch, der die Deutschen im letzten Pflichtspiel mit seiner Cleverness an den Rand einer Niederlage trieb: In der EM-Hauptrunde 2016 (30:29) hätten die Russen den deutschen Traum vom EM-Titel fast platzen lassen. Hätten alle Spieler das Niveau der beiden Flügelspieler - die Russen würden um den Titel mitspielen können. Aber der Welthandball ist bekanntlich kein Konjunktiv, das weiß "der Eiserne" auf der Bank am besten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.