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Mächtiger Angriff mit einem echten Starspieler

Handball-WM | Deutschlands Halbfinalgegner Norwegen

Deutschland gegen Norwegen - das WM-Halbfinale von Hamburg (heute, 20.30 Uhr ARD) ist das Duell der besten Abwehr (Deutschland) gegen den besten Angriff (Norwegen). Eine Hauptrolle spielt dabei Sander Sagosen, der neue Star des Welthandballs.

Handball-WM: Sander Sagosen (Norwegen) gegen Adrian Sipos (Ungarn)
Sander Sagosen, hier im Spiel gegen Adrian Sipos (Ungarn)
Quelle: imago/Bildbyran

Der große Wurf von Krakau - Kai Häfner hat ihn selbstverständlich noch gut in Erinnerung. Der Rückraum-Linkshänder war der gefeierte Mann, als er im EM-Halbfinale 2016 in den Schlusssekunden der Verlängerung das entscheidende Tor zum 34:33 gegen Norwegen warf. "Natürlich erinnere ich mich daran, das war ein großartiger Moment", sagt Häfner: "Aber das Halbfinale, das uns jetzt bevorsteht, ist ein neuer Tag. Krakau ist Geschichte."

Der Gegner Norwegen weckt also positive Assoziationen bei den deutschen Handballern. Überhaupt geht das Team von Christian Prokop, da es bei der WM bislang ungeschlagen ist, mit viel Selbstbewusstsein ins Halbfinale gegen die Skandinavier (Freitag, 20.30 Uhr, live in der ARD).

Nicht unterschätzen

Unterschätzen werde man Norwegen jedoch keinesfalls, versichert Abwehr-Heros Patrick Wiencek: "Wir wissen, wie stark der Gegner ist. Die sind nicht aus Zufall ins WM-Halbfinale gekommen", sagte der Kieler nach dem Sieg über Spanien.

Der Respekt ist groß, weil die Norweger mit Sander Sagosen den überragenden Spieler dieser WM in ihren Reihen wissen. Der 23-jährige Rückraumstar von Paris St. Germain hat vor der WM nicht weniger als die Goldmedaille als Ziel ausgegeben - und sagt, er wolle der beste Spieler der Welt werden. Den nötigen Willen dafür hat er: Im EM-Halbfinale 2016 spielte er, eine unfassbare Geschichte, trotz gebrochener Wurfhand.

"Von der Veranlagung her ist er wie der junge Karabatic", sagt Norwegens Nationalcoach Christian Berge über seinen Musterschützling, der wie er aus Trondheim stammt. "Er hat ein unglaubliches Auge für seinen Mitspieler, einen herausragenden Wurf - und spielt unberechenbar."

Vize-Weltmeister 2017

Sagosen war es auch, der sein Team, das nur per Wildcard an der WM 2017 teilnehmen durfte, mit seinen Würfen in das Finale gegen Frankreich führte - dieses WM-Silber war der bisher größte Erfolg der norwegischen Männer.

Sagosen allein aber ist nicht ausreichend, um den rasanten Aufstieg in die Weltspitze zu erklären. Das Team ist gespickt mit hochkarätigen Bundesligaprofis, die vom Torhüter-Duo Espen Christensen (Minden) und Torbjörn Bergerud (Flensburg) angeführt werden.

Nicht nur Sagosen

Eine wichtige Rolle kommt auch den beiden weiteren Rückraum-Rechtshändern zu: Christian O’Sullivan (Magdeburg) ist extrem spielintelligent und daher so etwas wie das Gehirn des norwegischen Angriffs. Und auch Göran Johannesson (Flensburg) ist außerordentlich zweikampfstark und torgefährlich.

Am besten besetzt sind die Norweger indes auf der Linkshänder-Position im Rückraum. Dort spielt derzeit der 21-jährige Flensburger Magnus Röd in großer Form auf, aber auch Harald Reinkind (Kiel) und Eivind Tangen (Skjern) sind kaum weniger torgefährlich. Die deutsche Abwehr bekommt es in Hamburg, kurzum, mit dem individuell stärksten Rückraum dieses Turniers zu tun. 

Gewaltiger Rückraum

Von dem enormen Druck, den Norwegen im Rückraum entwickelt, profitieren selbstverständlich auch die Flügelspieler, die ebenfalls in großer Form sind. Magnus Jöndal (Flensburg) trifft rund 90 Prozent seiner Würfe, Linkshänder Kristian Björnsen (HSG Wetzlar) steht dieser Topquote kaum nach. Und am Kreis ackern der ehemalige Löwen-Profi Bjarte Myrhol und Magnus Gullerud mit viel Körpereinsatz um den nötigen Raum.

Angesichts des Arsenals, das Norwegen im Angriff zur Verfügung hat, läuft es für das WM-Halbfinale vor allem auf diese Fragen hinaus: Ist die beste Abwehr des Turniers dazu in der Lage, die norwegischen Schützen zu bremsen? Kann das Trio im deutschen Mittelblock, Patrick Wiencek, Hendrik Pekeler und Finn Lemke, den großen Sagosen stoppen? Abwehr oder Angriff, das ist in Hamburg die Frage.

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