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Überbiker gegen Laufspezialisten

Seine Laufstärke brachte Patrick Lange im vergangenen Jahr den Sieg. Doch bei der 40. Austragung des Ironman auf Hawaii (Samstag ab 18.25 Uhr MESZ im Livestream) könnte eine besonders starke Radgruppe schon vor dem letzten Wechsel für eine Vorentscheidung sorgen.

Patrick Lange beim Hawaii-Triathlon 2017
Patrick Lange beim Hawaii-Triathlon 2017

Lionel Sanders hat die Schmach von 2017 nicht vergessen. Im Gegenteil. Er hat die Erinnerung wach gehalten mit einem Foto von Patrick Lange. Das hing in den vergangenen zwölf Monaten am Laufband des Kanadiers. Als Mahnung und als Motivation. Denn im Interview mit dem ZDF sagt er auch: "Es war die beste Leistung meines Lebens."

Auf Revanche aus

Unermüdlich jagte Sanders das Abbild seines deutschen Widersachers - und nun hat er am Samstag bei der 40. Austragung des legendären Ironman auf Hawaii endlich die Möglichkeit, Revanche zu üben und den Titelverteidiger zu entthronen.

Im vergangenen Jahr hatte Sanders den prestigeträchtigen Sieg über 3,86 Kilometer Schwimmen, 180,2 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen auf der Pazifikinsel bereits vor Augen. Doch nach 37 Kilometern des Marathons, fünf Kilometer vor dem Ziel, rannte Lange an ihm vorbei wie ein junger Gepard an einem altersschwachen Trampeltier.

Eine ähnliche Assoziation will Sanders in diesem Jahr auf keinen Fall hervorrufen, so viel steht fest. Der 30-Jährige hat seine Saison voll auf Hawaii ausgerichtet, er hat im Sommer einige Rennen ausgelassen und sich ganz auf den Showdown im Paradies konzentriert.

Ganz andere Philosophie

Und er hat sich in den vergangenen Jahren vom Druck des Gewinnenmüssens befreit: "Ich hatte gemerkt, dass Triathlon eine Last wird, wenn ich verliere. Ich war der Überzeugung, wenn ich nicht gewinne, ist das schlimm." 2014 habe er begonnen umzudenken: "Seitdem ist das einzige, was ich will, mein Bestes geben."

Für den Kölner Triathleten Till Schramm - ebenfalls Profi auf der Langdistanz, aber in Hawaii nicht am Start - ist Sanders nach dem Ausfall des zweimaligen Siegers Jan Frodeno wegen einer Stressfraktur im Becken in diesem Jahr ganz klar der Favorit auf den WM-Titel über die Triathlon-Langdistanz.

"Sanders ist ein Killer, er hat vor niemandem Angst, er will alle fressen", sagt Schramm. Und fügt auch noch eine etwas faktenlastigere Erklärung an: "Mit Sanders, Cameron Wurf und Sebastian Kienle wird es die schnellste Radgruppe aller Zeiten geben, Laufspezialisten wie Lange oder Javier Gomez werden ackern müssen, um halbwegs dran zu bleiben - und das wird sie ihre Laufbeine kosten."

Wurf auch ein guter Schwimmer

Der australische Ex-Radprofi Cameron Wurf knackte im vergangenen Jahr bei seinem Debüt auf Hawaii den Rekord auf der Radstrecke. Da er ähnlich gut schwimmt wie Kienle (Sieger 2014, Zweiter 2016 und Dritter 2013) und Sanders, kann er den ohnehin ebenfalls radstarken Kollegen dazu verhelfen, über sich hinaus zu wachsen.

Windschattenfahren ist zwar verboten beim Triathlon, aber auch der vorgeschriebene Abstand von zehn Metern spart den hinteren Fahrern einige Watt an Kraft. Und der Faktor gegenseitige Motivation sei nicht zu unterschätzen, betont Till Schramm.

Starke Läufer: Kienle und Sanders

Läuferisch dürfte Wurf (noch) keine Chance haben gegen Kienle und Sanders. Und anders als der Kanadier hat der Deutsche seinen Leistungshöhepunkt in dieser Saison möglicherweise schon bei seinem beeindruckenden Sieg in Roth im Juli gehabt.

"Ich denke, er ist nicht mehr ganz so frisch", sagt Schramm. Verläuft das Rennen so, wie es der Kölner prognostiziert, wird am Ende die große Frage sein, wie viel Rückstand die Überläufer Patrick Lange und der hoch gehandelte spanische Debütant Javier Gomez (fünffacher Kurzdistanz-Weltmeister) zum Beginn des Marathons haben.

Neuling Gomez

Zwischen ihnen liegt der Vorteil dann wohl bei Lange, denn er weiß, wie es geht, während Gomez bei seinem ersten Hawaii-Start noch Lehrgeld wird zahlen müssen.

In den vergangenen Jahren gewann hier kein Athlet auf Anhieb, Lange, Frodeno, Kienle und auch der Belgier Frederik Van Lierde (Sieger 2013) waren alle im Jahr vor ihrem ersten Triumph zunächst Dritter geworden.

Das wiederum spricht für den Vorjahresdritten David McNamee. Auch er ist einer dieser Überläufer, im vergangenen Jahr erzielte der 30-Jährige hinter Lange die zweitbeste Laufzeit des Tages.

Es könnte also auch passieren, dass Lionel Sanders künftig ein Bild des Briten an seinem Laufband aufhängen muss.

Sport | SPORTreportage - Patrick Lange: Hawaii-Setup für den Körper und fürs Rad

Höhentraining, stundenlange Radtouren und die richtige Regeneration: Patrick Langes Vorbereitung auf den Ironman ist eine Ochsentour - und auch eine Frage des technischen Know-Hows: Die Radabstimmung kann über wichtige Sekunden entscheiden.

Videolänge:
7 min
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