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Höhenflug nach Herz-OP

Trotz eines implantierten Defibrillators hat Katharina Bauer ihren Traum von einer EM-Teilnahme noch nicht aufgegeben. Am Sonntag will die Stabhochspringerin bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg (Sonntag, 16 Uhr im ZDF) die Norm knacken.

Katharina Bauer
Katharina Bauer
Quelle: dpa

Es ist gerade einmal drei Monate her, da lag Katharina Bauer auf dem OP-Tisch und wusste nicht, ob sie weiter Leistungssportlerin würde sein können. Auf ihr Herz, das der Leverkusener Stabhochspringerin Probleme bereitet seit sie sieben Jahre alt ist, war plötzlich kein Verlass mehr. Die 27-Jährige bekam einen Defibrillator unter dem linken großen Rückenmuskel implantiert. Ein kleiner Kasten, der Bauer das Leben retten soll, wenn ihr Herz mal nicht nur stolpert, wie sie das seit Jahren kennt, sondern in Kammerflimmern übergeht oder gar stehen bleibt.

Aus dem Rhythmus

Bis April wusste Bauer nicht, dass diese Gefahr besteht. Sie leidet seit ihrer Kindheit an Extrasystolen. Diese Herzschläge außerhalb des normalen Rhythmus’ nahm sie als Herzstolperer wahr, manchmal wurde ihr etwas schwindelig. „Ich habe mich dann mental immer runter gefahren, habe mir gesagt: Du bist gesund, du wirst lange leben, dein Herz ist fabelhaft“, erzählt Bauer. „Ich fühle mich nicht krank. Ich fühle nicht, dass da lebensbedrohliche Schläge in meinem Herzen drin sind.“

Bauer wurde regelmäßig untersucht, mit 19 erstmals operiert und Anfang 2017 mittels einer so genannten „Katheter-Ablation“ erneut am Herzen behandelt. Ihr Trainer Lezek Klima wusste von dem Problem, schließlich hatte sich Bauer als sie 2014 zu Bayer 04 wechselte direkt erkundigt, ob es einen Defibrillator auf dem Trainingsgelände gibt. Gibt es, und damit war die Sache erledigt. „Ich habe das nicht so ernst genommen“, erinnert sich Klima. „Katharina war voll austrainiert und im Training immer absolut dabei, sie war eine Athletin wie jede andere auch.“

Doch im April entdeckten die Ärzte dann doch etwas Lebensbedrohliches in Bauers EKG und rieten ihr, sich umgehend einen Defibrillator einsetzen zu lassen. Der plötzliche Herztod war nicht mehr nur eine wage Möglichkeit, sondern eine ernsthafte Bedrohung. „Mir wurde der Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt die Athletin. „Mein ganzes Leben wackelte. Ich hatte dieses Problem ja seit Jahren. Dass es so schlimm hätte enden können, das war gruselig.“

Viele offene Fragen

In der Hallensaison war Bauer noch Deutsche Meisterin geworden. Nach einigen Rückschlägen durch zunächst eine Fuß- und dann eine Handverletzung schien sie wieder in Form und bereit für die EM im August in Berlin und den Traum von Olympia 2020 in Tokio zu sein. Ihre Bestleistung steht seit 2015 bei 4,65 Meter, nun sollte es endlich höher hinaus gehen. Doch was waren all diese Pläne nach der Hiobs-Diagnose noch wert? Leistungssport? Mit Defibrillator? „Ich konnte niemandem fragen“, sagt Bauer. „So weit ich weiß, gibt es keinen Stabhochspringer mit Defi.“

Würde sie den Stab noch korrekt halten und nutzen können? Würde der Defibrillator die Landung auf der Matte aushalten? Würde ihr Herz dem Spitzensport-Training weiter standhalten? Bauer musste selbst Antworten finden. Und nun, drei Monate später, kann sie all die Fragen mit „Ja“ beantworten. Am Sonntag wird sie bei den deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Nürnberg um ein EM-Ticket kämpfen. 4,30 Meter hat sie schon wieder geschafft, die Norm für die Titelkämpfe im August in Berlin liegt bei 4,45 Metern. Drei Tickets gibt es, drei Athletinnen haben den Richtwert bereits geknackt, weitere wollen es wie Bauer in Nürnberg noch schaffen. Es wird also spannend.

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