Kräftemessen unter Brüdern

Leichtathletik-DM in Erfurt

Bei den Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten geht es am Wochenende in Erfurt (Sonntag ab 16 Uhr im ZDF) nicht nur um Titel, sondern auch um WM-Fahrkarten. Bei den Hartings stehen zudem die innerfamiliären Machtverhältnisse im Fokus.

Christoph und Robert Harting
Christoph und Robert Harting 2016 in Berlin Quelle: dpa

Der eine befindet sich auf der Zielgeraden seiner Karriere, der andere hat noch viel vor. Der eine will aus seinem geschundenen Körper irgendwie noch Leistung herausholen, in dieser WM-Saison und im nächsten Jahr mit der Heim-EM in seiner Heimatstadt Berlin. Dann soll Schluss sein mit dem Spitzensport. Der andere schont sich nach seinem überraschenden Olympiasieg im vergangenen Jahr in dieser Saison ein wenig, auf dass sein Körper ihm noch ein paar mehr gute Jahre im Sport liefert. Der eine, Robert Harting, ist 32 Jahre alt, Olympiasieger 2012 und dreimaliger Weltmeister. Der andere, Christoph Harting, ist sechs Jahre jünger und sechs Zentimeter größer, Olympiasieger 2016 und der Bruder von Robert.

Schwieriges Verhältnis

Im vergangenen Jahr lieferten die Hartings den Stoff für eine der großen Geschichten der Olympia-Saison. Robert Harting war nach langer Verletzungspause ins Wettkampfgeschehen zurückgekehrt und fand dort in Christoph plötzlich einen seiner härtesten Rivalen. Schöne Sache, wenn der kleine Bruder sich anschickt, in die Fußstapfen des Großen zu treten, könnte man meinen. Doch irgendetwas war vorgefallen, was haben die Hartings bis heute nicht öffentlich gemacht. Und so sprachen die Berliner Brüder im vergangenen Jahr nicht mit- und nicht übereinander. Und so war der jüngere Harting nicht dabei, als der ältere im September seine Freundin und Diskuswurfkollegin Julia Fischer heiratete.

Bei den Deutschen Meisterschaften vor einem Jahr hatte Robert Harting noch seine sportliche Vormachtstellung gewahrt – doch beim olympischen Showdown in Rio musste er passen, weil er sich kurz vor dem Wettkampf beim Lichtausschalten im Bett einen Hexenschuss zugezogen hatte. Ohne den großen Bruder als Konkurrenten schaffte Christoph Harting die Sensation und hielt das olympische Gold in der Familie. Nur um sich schon bei der Siegerehrung mit ungewöhnlichem Gehampel einen Entrüstungssturm der Öffentlichkeit einzuhandeln. Was ihm aber offenbar nicht geschadet hat. Dem Sport Informations Dienst sagte er zuletzt: "Dass sich dieser Negativhype verläuft und man dadurch nur noch bekannter ist, nehme ich mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.“

Nur Robert hat WM-Norm schon geknackt

Allerdings ist der Olympiasieger sportlich in diesem Jahr noch nicht wieder so recht in Schwung gekommen. Anders als Robert hat Christoph die geforderte WM-Norm von 65 Metern noch nicht geknackt. Er habe seinen Trainingsumfang um 15 bis 20 Prozent reduziert, "um dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich nach der harten Olympia-Saison zu regenerieren“, sagte der 27-Jährige kürzlich der "Sport Bild“. 64,13 Meter – so weit flog sein Diskus bei seinem besten Wurf des Jahres. Viel fehlt also nicht mehr zur Norm und Harting ist zuversichtlich, sie bei den nationalen Titelkämpfen in Erfurt zu knacken. Robert Hartings Jahresbestleistung steht bei 66,20 Metern. Außerdem wollen und könnten noch Martin Wierig (30, Magdeburg, 65,56 Meter), David Wrobel (26, Magdeburg, 64,66 Meter) und Markus Münch (31, Potsdam, 63,78 Meter) ein Wörtchen bei der Vergabe der WM-Tickets im Diskuswurf mitreden.

Am Wochenende geht es somit nicht nur um ein innerfamiliäres Kräftemessen der Hartings, es geht nicht nur um dieses spannungsgeladene Bruder-Duell, das Robert Harting in diesem Jahr bereits zweimal für sich entscheiden konnte, es geht vor allem um die Frage: Schafft der Olympiasieger noch den Sprung auf den WM-Zug? Kann er so gut, wie er in Rio ohne den Bruder als Konkurrenten war, auch mit ihm im Feld sein? Spielt keine Rolle, meint Christoph Harting. Er sagt: "Er ist ein Gegner wie jeder andere auch. Ob da jetzt meine Großmutter im Ring steht, mein Bruder oder mein bester Freund – das ist egal. Es geht darum, die optimale Leistung zu generieren.“

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