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Max Kruse: Auf den Spuren von Christoph Daum

Turnier des FC Bayern | Fenerbahçe Istanbul

Als "interessantes Projekt" sieht Max Kruse seinen neuen Klub Fenerbahçe Istanbul, mit dem er im Halbfinale des Audi-Cups gegen Bayern München antritt. Der Verein will nach turbulenten Jahren wieder zurück zu altem Glanz, spielt in der kommenden Saison allerdings nicht in Europa mit.

22.7.2019: Max Kruse (Fenerbahce) beim Freundschaftsspiel gegen den VfL Wolfsburg in Kapfenberg
Max Kruse will mit Fener zurück auf die große Bühne.
Quelle: Imago / Seskim Photo

Lange hatten die Werder-Fans in der vergangenen Saison gehofft, dass Max Kruse – ihr Kapitän, Torjäger und Spielgestalter in Personalunion - trotz auslaufenden Vertrages an der Weser bleibt. Bei aller Unsicherheit schien eines klar: um diese Chance zu erhalten, müsse der Klub sich für die Europa qualifizieren, denn den 31igjährigen dränge es nochmal auf die große internationale Bühne.

Süper Lig statt Premier League

Namen wie FC Liverpool oder Bayern München geisterte durch die Gazetten, ein Regal darunter immerhin noch die von Eintracht Frankfurt oder Borussia Mönchengladbach. Als dann Wochen nach dem Saisonfinale die Katze aus dem Sack kroch und Fenerbahçe Istanbul hieß, war die Häme groß. Sollte sich Poker-Fan Kruse, der doch "sehr gefragt auf dem Markt" war, wie Eintracht Frankfurts Sportchef Fredi Bobic nach seinem vergeblichen Werben gesagt hatte, verzockt haben?

Süper Lig statt Premier League - das allein klang schon nicht ganz so glamourös, wie man sich Kruses Zukunft vorgestellt hatte. Zudem hat der Klub aus dem hippen Stadtteil Kadiköy von den großen Dreien der türkischen Metropole Istanbul - Galatasaray, Besiktas und Fenerbahçe - das turbulentestes Jahrzehnt hinter sich. Und eine Saison ohne europäischen Wettbewerb vor sich.

Folgen eines Skandals

Ältere Fußballfans erinnern ich zwar noch an die Bilder vom deutschen Trainer Christoph Daum, der auf den Schultern durch die jubelnde Menge getragen wurde, nachdem er Fenerbahçe 2004 und 2005 zu zweien seiner insgesamt 19 Meistertiteln führte. Die ewige Rangliste der Süper Lig führt der Klub von der asiatischen Seite Istanbuls auch immer noch an.

Doch die Folgen des Manipulationsskandals von 2011, in dessen Folge Funktionäre wie der langjährige Präsident Aziz Yildirim in Untersuchungshaft landeten, wirken noch in die Gegenwart. Der Klub wurde nach der Enthüllung aus der laufenden Champions League-Runde ausgeschlossen. 2013 verfügte die UEFA zusätzlich den Ausschluss aus allen europäischen Wettbewerben für die folgenden drei Jahre.

Führungswechsel mit Symbolcharakter

Der Klub verlor nicht nur Ansehen und Zuschauer, sondern häufte angeblich auch 600 Millionen Euro Schulden an.  Dennoch hielt er  sich immer unter den Top 3 der Liga und wurde 2014 sogar noch einmal Meister. Der tabellarische Absturz auf Platz sechs in der zurückliegenden Saison erfolgte erst unter dem neuen Präsidenten Ali Koc, der Yildirim im letzten Jahr nach 20jähriger Amtsdauer in einer demokratischen Wahl ablöste.

Politisch haben viele Menschen in der Türkei laut einem Bericht von "Spiegel Online" den Führungswechsel als Vorboten einer Zeitenwende gesehen. "Yildirim ist ein Vertrauter von Präsident Recep Tayyip Erdogan", schrieb das Magazin. "Die Koc-Familie, säkular, elitär, ist dagegen immer mal wieder vorsichtig auf Distanz zur Regierung gegangen." Während der regierungskritischen Proteste im Istanbuler Gezi-Park 2013, an der auch viele der sonst untereinander zerstrittenen Fans der großen Istanbuler Fußballklubs teilnahmen, habe ein Hotel, das zur Koc-Gruppe gehört, den Demonstranten Zuflucht gewährt.  

Transferoffensive trotz Schulden

Während die Zuschauerzahlen schon in der vergangenen Saison wieder nach oben gingen, zeigte die sportliche Entwicklung nach unten. Der neue Trainer Phillip Cocu musste schon nach gut drei Monaten seinen Posten wieder räumen.  Unter Nachfolger Ersun Yanal, der Fener 2014 zum Titel gecoacht hatte, wurde immerhin der zeitweise drohende Abstieg vermieden. In der kommenden Saison will das Duo Koc/Yanal wieder voll angreifen. Acht neue Spieler wurden inklusive Kruse schon verpflichtet. Weitere sollen folgen, wie Koc Samstag auf einer Klub-Versammlung mitteilte.

Diese Transfer-Offensive ist nur möglich, weil der bei Fener ausgebildete 19-jährige Jungstar Eljif Elmas durch den Wechsel zum SSC Neapel 16 Millionen Euro in die Kasse spülte. Außerdem sind nach Angaben von Koc schon jetzt 32.000 Dauerkarten und 25.000 Trikots verkauft worden. Vor allem aber sieht die UEFA trotz Verstößen gegen das Financial Fair Play von einer Europapokal- und Transfersperre ab und begnügt sich mit einer Gelstrafe, einer Kaderbegrenzung sowie der Forderung nach einer positiven Transferbilanz.

Stammplatz für Kruse

Max Kruse jedenfalls scheint sicher zu sein, im kommenden Jahr mit Fener auf die große Bühne zurückkehren zu können - und zwar in tragender Rolle und nicht als Nebendarsteller, wie er es wohl in Liverpool gewesen wäre. "Ich habe mich für Fenerbahçe entschieden, weil ich das Gefühl hatte, dass das der nächste Karriereschritt ist. Es ist ein interessantes Projekt für mich", so Kruse, der eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen haben soll.

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