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Der "ewige" Schuster oder doch etwas Neues?

Skiflug-Weltcup in Planica

Gold und Silber bei Olympia - Werner Schuster hat die deutschen Skispringer zu einem weiteren erfolgreichen Winter geführt. Wie es nach 2019 weitergeht, ist noch offen.

Der deutsche Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster am 19.2.2018 in Südkorea
Werner Schuster würde gerne noch einen Tournee-Gesamtsieg mit den DSV-Adlern erreichen. Quelle: dpa

Nach Olympia ist den deutschen Skispringern ein wenig "der Flow" verlorengegangen, wie Bundestrainer Werner Schuster das nennt. Deshalb werden beim Weltcup-Finale auf der gigantischen Flugschanze von Planica an diesem Wochenende Flieger aus anderen Nationen gefeiert werden: Der Pole Kamil Stoch bekommt nach dem Grand-Slam-Erfolg bei der Vierschanzentournee und seinem dritten Olympia-Sieg in diesem Winter auch noch die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup-Sieg überreicht.

Norwegen dominiert die Saison

Als beste Nation des Weltcup-Winters wird Norwegen gekrönt. Die deutschen Flieger haben trotzdem allen Grund, zufrieden zu sein: Beim Saisonhöhepunkt, den Olympischen Spielen von Pyeongchang, räumten die von Andreas Wellinger angeführten Schuster-Jungs einmal Gold und zweimal Silber ab. Richard Freitag holte mit Bronze zudem die anvisierte Medaille bei der Skiflug-Heim-WM in Oberstdorf.

Die beiden deutschen Vorflieger sind das beste Beispiel für die Qualitäten von Werner Schuster als Trainer. Der Österreicher führte Wellinger nach einem schweren Sturz vor gut drei Jahren behutsam an die Weltspitze. Auch bei dem schon als ewiges Talent bezeichneten Freitag zeigte Schuster Geduld, die sich in diesem Winter auszahlte.

Die beiden deutschen Topflieger "haben noch ihre besten Jahre vor sich", davon ist Werner Schuster überzeugt. Aber wird er ihren Weg in den nächsten Jahren auch weiter begleiten? Bis nach der WM 2019 in Seefeld in seiner österreichischen Heimat läuft der Vertrag beim Deutschen Skiverband (DSV) noch, danach scheint alles offen.

Meeting im Herbst

Silber für deutsche Skispringer
Die DSV-Skispringer waren bei Olympia 2018 erfolgreich. Quelle: kai pfaffenbach/ reuters

Berichte über einen anstehenden Abschied des Skisprung-Cheftrainers nach 2019 werden vom DSV als "kompletter Blödsinn" abgetan. Horst Hüttel, Sportlicher Leiter Skispringen und Nordische Kombination im DSV sagt dazu: "Wir haben bei Olympia in Pyeongchang schon die Trainerklausur im April vorbereitet und Werner hat neue Ideen eingebracht. Wir werden uns im Herbst zusammensetzen und entscheiden, wie es nach 2019 weitergeht."

Werner Schuster will sich gut überlegen, ob und wie es weitergeht. Genau das Gleiche hat der nach den Olympischen Spielen 2014 auch schon gesagt und ein paar Monate danach seinen Vertrag um vier Jahre verlängert. Inzwischen sind es zehn Jahre, in denen der Österreicher Bundestrainer der DSV-Adler ist. Auch in der Fliegerszene ist das fast ein Ewigkeit (Schuster: "Im Fußball wäre ich längst abgesägt").

Ziel: Vierschanzentournee-Sieg

Trotz aller Erfolge über die Jahre mit seinem deutschen Team - unter anderem zweimal Olympiagold und vier WM-Titel - hat er aber immer noch Träume, die er sich mit seinen Springern erfüllen will. Schuster hat aber noch ein großes Ziel mit den DSV-Adlern: "Wir haben die Vierschanzentournee noch nicht gewonnen", sagte der Trainer vor dem Weltcupfinale in Planica (Freitag bis Sonntag live im ZDF) und ergänzte: "Es ist ein Ziel, dass für die aktuelle Generation noch ein Sieg bei der Tournee herausspringt. Wenn ich es noch begleiten kann, würde es mich freuen." Der Bundestrainer kann sich durchaus vorstellen, "dass es auch nach 2019 in Deutschland als Trainer weitergeht."

Aber Schuster hätte sicherlich auch andere Optionen: In seinem Heimatland Österreich haben die erfolgsverwöhnten ÖSV-Springer gerade einen der schlechtesten Winter der Historie hinter sich. Schuster gilt in der Szene als der Trainer, der die im Skispringen wichtigsten Komponenten Trainingslehre, Wissenschaft, Material und Psychologie am besten zusammenbringt.

Außerdem kann er als Öffentlichkeitsarbeiter die Sportart perfekt verkaufen. "Alles, was er tut, hat einen roten Faden. Er sorgt für einen guten Spirit in der Mannschaft und schafft es, alle Sportler, Trainer, Physios und Materialexperten zu einem guten Team zusammenzufügen", lobt der momentan verletzte Severin Freund.

"Ein Wagnis"

Der einst als Skispringer eher mittelmäßige Schuster hatte im März 2008 als Nachfolger von Peter Rohwein eine verunsicherte Mannschaft übernommen, in der erfahrene Flieger wie Martin Schmitt oder Michael Uhrmann die Hauptrolle spielten. "Es war damals ein Wagnis, zum ersten Mal keinen Deutschen als Bundestrainer zu verpflichten. Aber es hat sich mehr als gelohnt", sagt Hüttel.

Schuster machte sich als einstiger Lehrer am berühmten österreichischen Skigymnasium Stams als erstes daran, die verkrusteten Strukturen im deutschen Skispringen zu verändern und bessere Bedingungen für die Ausbildung von Talenten zu schaffen. So führte Schuster den viermaligen Weltmeister Martin Schmitt noch einmal an die Weltspitze zurück – bei der WM 2009 in Liberec gewann Schmitt Silber – vor allem aber baute er Schritt für Schritt immer mehr junge Springer ins deutsche Team ein.

"Hochsensible Sportart"

Als am 17. Februar 2014 die deutsche Skisprung-Mannschaft in Sotschi Olympiagold holte, war keiner der vier Springer älter als 25 Jahre alt und damit ein Produkt der Aufbauarbeit von Schuster. Bei den Olympischen Spielen 2018 toppte der ausgebildete Psychologe diesen Erfolg mit seinem erneut verjüngten Team noch einmal. Dem verheirateten Vater von zwei Kindern ist es gelungen, trotz aller Konkurrenz eine familiäre Atmosphäre im Team zu schaffen. "In dieser hochsensiblen Sportart entscheiden Nuancen. Meine Philosophie ist, dass der emotionale Wohlfühlfaktor sehr wichtig ist. Es macht keinen Sinn, seine Kraft in Grabenkämpfen im Team zu vergeuden. Nur zusammen sind wir stark", ist Schuster überzeugt.

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