Projekt Staffelmedaille

DLV-Frauen wollen am Samstag vorne mitmischen

Die deutsche 4x100-Meter-Staffel der Frauen liebäugelt am Samstag (live im ZDF) bei der Leichtathletik-WM in London mit einer Medaille. Den Magen-Darm-Virus, der im Team-Hotel umging, haben die Athletinnen gut überstanden.

Tatjana Pinto, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase
Tatjana Pinto, Lisa Mayer, Gina Lückenkemper und Rebekka Haase Quelle: dpa

Am Mittwoch klang Idriss Gonschinska noch verzweifelt. „Ich weiß nicht, ob wir überhaupt eine Staffel an den Start schicken können“, sagte der Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV). Da hatte die Infektion mit einem Magen-Darm-Virus, teilweise zurückzuführen auf den hoch ansteckenden Norovirus, in den Team-Hotels der Leichtathletik-WM in London gerade ihren Höhepunkt erreicht. Auch 13 deutsche Athleten und Betreuer waren unter den rund 40 insgesamt Betroffenen. Die deutschen Mediziner und Verantwortlichen hatten einiges zu tun, um die Ausbreitung einzudämmen und neu ankommende Athleten in sicheren Hotels unterzubringen.

Pinto wieder im Training

Am Freitag hatte sich die Lage entspannt. Seit zwei Tagen gab es im deutschen Lager keine Neuinfizierungen mehr. Und Sprint-Bundestrainer Ronald Stein sagte: „Tatjana Pinto konnte gestern und heute wieder trainieren, alle anderen sind sowieso gut durch die Woche gekommen.“ Die 25-Jährige vom LC Paderborn, die am vergangenen Samstag im 100-Meter-Vorlauf nach einem Fehlstart ausgeschieden war, hatte das Virus von Montag bis Mittwoch ausgeschaltet. Aber alle anderen Sprinter blieben verschont. „Die medizinischen Maßnahmen scheinen ganz gut funktioniert zu haben“, sagt Stein. So waren Händewaschen und Händedesinfizieren zur Pflicht geworden, die Aufenthaltszeiten an den Wettkampf- und Trainingsstätten wurden auf ein Minimum reduziert, Händeschütteln, Umarmungen oder High Five waren verboten.

Damit haben die deutschen Sprinterinnen ihre Chancen auf eine Staffel-Medaille gewahrt. Das ist das große Ziel für diese WM, deswegen hat der DLV pro Athletin nur einen Einzelstart über entweder 100 oder 200 Meter erlaubt. „Wir sind nicht nur hier, um Erfahrungen zu sammeln“, verteidigt Stein diese Maßnahme. „Nicht, wenn wir mit der Staffel im Kampf um die Medaillenpositionen mitmischen können.“ Ein Doppelstart über 100 und 200 Meter wäre ohnehin nur für Rebekka Haase infrage gekommen. Der „hervorragende“ zwölfte Platz der 25-Jährigen vom LV 90 Erzgebirge über 200 Meter habe jedoch gezeigt, dass es richtig war, sich zu schonen, so Stein.

Projekt Staffelmedaille

Gina Lückenkemper, über 100 Meter Deutschlands neue Unter-elf-Sekunden-Sprinterin, war in dieser Saison auf ihrer Paradestrecke, den 200 Metern, ohnehin nicht recht in Schwung gekommen. Und die 20-jährige Dortmunderin treibt das Projekt Staffelmedaille besonders forsch voran: „Diesmal wollen wir uns nicht die Butter vom Brot nehmen lassen“, sagt sie. Diesmal soll mehr als der vierte Platz herausspringen, den das Quartett bei Olympia in Rio erreichte.

Bundestrainer Stein ist guter Dinge. Das Staffeltraining im Vorfeld der WM in Kienbaum sei sehr gut gelaufen. Das virusbedingt reduzierte Üben vor Ort in London daher kein Problem. Im Frühjahr haben die deutschen Läuferinnen die inoffizielle Staffel-WM auf den Bahamas vor Jamaika und den USA gewonnen. Das hat dem Selbstbewusstsein einen gehörigen Schub gegeben. Allerdings haben die beiden Top-Sprintnationen in London zwei „Granaten“, wie Stein sagt, für Position vier: Die USA werden wohl ihre 100-Meter-Weltmeisterin Tori Bowie um den Sieg rennen lassen, und Jamaika seine 100-Meter-Olympiasiegerin Elaine Thompson. Beide waren beim Sieg der Deutschen in Nassau nicht dabei. Die deutsche Besetzung stand am Freitag noch nicht fest.

Potenzial noch gestiegen

„Wenn wir unseren Job ordentlich und keine eigenen Fehler machen, können wir vorn mitlaufen“, betont Ronald Stein. Das läuferische Potenzial sei im deutschen Team seit Olympia noch gestiegen. Ebenso das Selbstbewusstsein und der Spaß, woran Frohnatur Gina Lückenkemper mit ihrer fulminanten Steigerung auf 10,95 Sekunden einen entscheidenden Anteil hat. Sie sagte nach ihrem Coup: „Ich habe ein Zeichen gesetzt: Deutscher Sprint ist geil. Deutscher Sprint kann auch was.“ Die Fortsetzung soll am Samstag folgen.

Sport | ZDF SPORTextra - Samstag., 10:45 Uhr: Leichtathletik-WM im Livestream

Leichtathletik-WM in London, u.a. mit Zehnkampf und Staffelläufen, dazu ein Bericht vom Weltcup im Bogenschießen in Berlin.

Videolänge:
193 min
Datum:

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