Ein Ritt in die Vergangenheit

Spring-Derby in Klein Flottbek - live im ZDF

Pulvermanns Grab, der Große Wall, die Planke - das Deutsche Spring-Derby, das am Sonntag in Hamburg Klein Flottbek zum 88. Mal stattfindet, ist ein Klassiker, dessen Parcours mit den 17 Naturhindernissen seit 1920 kaum verändert wurde. Für die Springreiter ist es ein Ausflug in die Vergangenheit, für den sie nicht nur Mut, sondern auch spezielle Pferde benötigen.

Deutsches Spring und Dressur Derby in 2016 Hamburg
Anspruchsvoller Parcours beim Spring-Derby in Hamburg. Quelle: imago/Jacques Toffi

Als der Kaufmann und begeisterte Jagdreiter Eduard F. Pulvermann den Derby-Parcours 1920 schuf, wagte er eine Innovation. Er holte 17 Geländehindernisse mit Gräben und Wällen, wie man sie in der holsteinischen Landschaft findet, in ein Stadion und präsentierte sie dem großen Publikum. Seitdem wurden weder Linienführung noch Hindernisse entscheidend verändert, die Springreiter von heute werden beansprucht wie ihre Vorfahren vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Wer sich nicht speziell vorbereitet, hat auch an diesem Sonntag, wenn das Derby in Klein Flottbek zum 88. Mal stattfindet, keine Chance.

88. Deutsches Spring-Derby: Geländeplan
88. Deutsches Spring-Derby: Geländeplan Quelle: kincsem grafik 5/17

24 Sprünge auf 1230 Metern

Es gibt 24 Sprünge von bis zu 1,65 Meter Höhe. Der Derby-Parcours geht über 1230 Meter - und damit ungefähr doppelt so lang wie der eines gängigen Großen Preises. Das heißt: Die Pferde müssen nicht nur mutig sein, sondern auch Kondition haben. Viele Starter trainieren vorher in Ahrensburg in Schleswig-Holstein, dort ist praktisch der komplette Derby-Parcours nachgebaut worden. Es braucht Zeit, bis sich die Pferde an die Bedingungen gewöhnt und Derby-Reife erlangt haben, ihre Einsatzmöglichkeiten sind aber begrenzt. Die meisten Spitzenreiter leisten sich deshalb inzwischen keinen Spezialisten mehr fürs Derby.

Frank Rothenberger, seit 1995 Parcourschef in Hamburg, erklärt: "Der ganz große Unterschied zu normalen Hindernissen besteht darin, dass die Stangen auf den Pfosten oben drauf liegen. Ein normales Hindernis ist heute so gebaut, dass es an der Seite Fangständer oder Türme gibt, also Seitenteile, und die Stangen dazwischen hängen.“ Eine weitere Besonderheit des Derby-Parcours besteht darin, dass in Klein Flottbek nur drei Oxer übersprungen werden müssen. Und sonst nur Steilsprünge - außerdem: "Es gibt im Derby nur einen Handwechsel im ganzen Parcours, sie fangen mit rechts an, gehen irgendwann nach links - und sie hören mit links auf“, berichtet Rothenberger. Normal sind heute vier bis fünf Handwechsel.

Das Hindernis Nummer 14

Der Große Wall in Klein-Flottbek
Der Große Wall in Klein Flottbek 2009 - inzwischen etwas entschärft. Quelle: imago

Das berühmteste Derby-Hindernis ist nicht zuletzt wegen seines martialischen Namens das 14. - Pulvermanns Grab: Zwei Steilsprünge sind zu bewältigen, dazwischen ein Wassergraben, in dem sein Erfinder Pulvermann einst selbst landete. Nach dem ersten Sprung geht es nicht flach weiter wie in einem modernen Parcours, sondern zwei Galoppsprünge hinab zum Graben, danach hinauf zum zweiten Sprung. Bei den Vielseitigkeitsreitern findet man im Gelände ähnliche Hindernisse, man nennt sie dort schlicht: Coffin, Sarg.

Weltbekannt ist auch Hindernis Nummer sechs, der große Wall: Ein Steilsprung von 1,15 Meter muss oben absolviert werden, dann geht es drei Meter hinunter. Danach folgt die 1,65 Meter hohe Planke, eine tückische Angelegenheit. Selbst Hans-Günter Winkler flog hier einst von seinem Pferd. Der Große Wall wurde zwar 2015 leicht entschärft, dennoch passieren an dieser Stelle immer noch die meisten Fehler.

Apropos Fehler: Nachdem Pulvermann den Derby-Parcours 1920 erfunden hatte, vergingen 13 Jahre, bis ihn der erste Reiter ohne Fehler bewältigte. Bis heute werden insgesamt nur 151 Nullfehler-Runden gezählt. Im vergangenen Jahr, in dem der Ire Billy Twomey gewann, gab es keine einzige. 2015 siegte Christian Glienewinkel mit einem Nullfehlerritt. Wird es wohl in diesem Jahr einen geben? "Das weiß man nie“, sagt Rothenberger, "es ist ganz viel Glückssache. Wenn man aber Wall und Planke meistert, dann hat man schon Chancen.“

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