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Holstein Kiel: Neue Chance nach 53 Jahren

Erstmals könnte mit Holstein Kiel ein Fußball-Klub aus Schleswig-Holstein in die Bundesliga aufsteigen. Mit Selbstbewusstsein und dem offensivstärksten Angriff der 2. Liga wollen die Störche den VFL Wolfsburg aus dem Oberhaus schicken.

Holstein Kiel, aufgenommen am 29.04.2018 in Ingolstadt
Quelle: dpa

Selbst wenn ein Zauberer das Hamburger Volksparkstadion für einen Tag nach Kiel beamen würde, hätten nicht alle 60.000 Menschen Platz, die am kommenden Montag das zweite und entscheidende Relegationsspiel für die 1. Fußball-Bundesliga zwischen Holstein Kiel und dem VFL Wolfsburg hautnah erleben möchten.

Endlos-Schlange an der Kasse

Da das altehrwürdige Holsteinstadion nur gut 10.000 Besucher fasst, sah man am Montag in der Endlos-Schlange vor den Kassenhäuschen am Stadion jede Menge enttäuschte Gesichter. Die dürften sich allerdings bald wieder aufgeheitert haben - zu groß ist die Begeisterung in der Förde-Stadt darüber, dass die Störche nach 53 Jahren wieder an die Tür zum Fußball-Oberhaus klopfen.

Bislang ist Schleswig-Holstein das einzige Bundesland Deutschlands, das noch nie einen Erstligisten stellte. Hier, in der Nähe zu Skandinavien, stand der Profi-Fußball jahrzehntelang im Schatten des Handballs, der nicht nur in den Städten Kiel und Flensburg zwei der erfolgreichsten Klubs der Welt beherbergt, sondern auch in den Dörfern eine lange Tradition hat.

An Netzer und Heynckes gescheitert

Doch auch der Fußball hatte in der Landeshauptstadt Kiel seine großen Zeiten. Gleich im ersten Jahr nach dem Bau des Holstein-Stadions wurde der gleichnamige Klub 1912 Deutscher Meister – und spielte bis zur Einführung der Bundesliga 1963 immer in der höchsten Klasse, der Oberliga. Zwei Jahre später wären die Kieler um ein Haar auch in die Bundesliga aufgestiegen.

"Wir waren Meister in der Regionalliga-Nord, sind aber schwach in die Aufstiegsrunde gestartet", erinnert sich das damalige Aushängeschild Franz-Josef "Bubi" Hönig im Gespräch mit zdfsport.de. "Entscheidend war das erste Spiel bei Borussia Mönchengladbach, die mit Netzer, Heynckes, Vogts und allen Stars antraten. In der 92. Minute kassierten wir das 0:1." Hönig wechselte wenig später zum HSV und Holstein Kiel pendelte nach dem Abstieg aus der Regionalliga 1974 über vierzig Jahre zwischen dritter und vierter Liga.

Aufschwung mit Anfang

Das änderte sich erst, als Markus Anfang 2016 Cheftrainer wurde und die Mannschaft gleich im ersten Jahr wieder in die 2. Liga führte. Mit der Aufstiegseuphorie im Rücken gelang es dem offensivstarken Team dann trotz eines kleinen Durchhängers nach der Herbstmeisterschaft, den Relegationsplatz hinter den Aufsteigern Düsseldorf und Nürnberg klar zu erreichen. Obwohl der Abgang von Trainer Anfang zum 1. FC Köln seit Wochen feststeht, verloren die Kieler nur eines der letzten zehn Spiele.

Im Gegensatz dazu zeigte die Form-Kurve der Wolfsburger bis zum Sieg gegen den Absteiger 1. FC Köln im Saisonfinale steil nach unten. Der geschätzte Marktwert der Wölfe liegt mit 140 Millionen Euro zwar zehnmal höher als der der Kieler – dafür bringt der Außenseiter am Donnerstag neben dem offensivstärksten Angriff der Zeiten Liga (71 Tore) jede Menge Selbstbewusstsein mit nach Wolfsburg.

Kiel muss bei Aufstieg nun doch nicht umziehen

"Wir sind überzeugt davon, dass wir guten Fußball spielen", sagt Markus Anfang. "Wir wollen mutig sein, wir wollen nach vorne spielen. Wir sind bislang in jedes Spiel gegangen, um es zu gewinnen. Und das wollen wir gegen Wolfsburg auch." Dazu bekommen die Kieler Schützenhilfe von unerwarteter Seite.

Die ursprüngliche Weigerung der DFL, die Kieler auch in der 1. Liga weiter mit einer Sondergenehmigung in Holstein-Stadion spielen zu lassen, hatte zu einer großen Solidarisierung weit über die Vereinsgrenzen geführt. Eine Unterschriftenkampagne mit dem Slogan "In den Farben getrennt, in der Sache vereint", hatte schon Anfang der Woche weit über 20.000 Unterstützer. In dem Aufruf heißt es: "Es muss auch kleineren Vereinen ohne großen Investor im Rücken möglich sein, ihr eigenes Fußballmärchen weiter zu schreiben!"

Am Tag vor dem Hinspiel dann die Wende: Am Mittwochabend teilte die DFL mit, dass Holstein im Aufstiegsfall nun doch in der heimischen Arena spielen darf. Kurzfristig hatte der Verein neue Pläne eingereicht. Demnach soll bis Ende Oktober eine zusätzliche Tribüne enstehen, mit der das Stadion die geforderte Kapazität von 15.000 Zuschauern erreiche.

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