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Sarah Köhler - kühle Poetin

Schwimm-WM 2019 | 800 Meter Freistil, Frauen

Zwei Medaillen hat Sarah Köhler bei der WM in Südkorea schon gewonnen: eine im Freiwasser, eine im Becken. Über 800 Meter Freistil (Endlauf am Samstag, 14.58 Uhr) plant die 25-Jährige nun ihren dritten Coup - und freut sich dabei auf die diesmal etwas kürzere Distanz.

24.07.2019, Schwimm-WM in Gwangju: Sarah Köhler zeigt vor den Maskottchen ihre Medaillen
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Quelle: Bernd Thissen/dpa

Sarah Köhler weiß genau, was sie will - entsprechend gestaltete sich bei ihr auch der Dienstagabend in Gwangju. Als Zweitschnellste über 1500 Meter Freistil hatte die gebürtige Hanauerin für die Beckenschwimmer des DSV die erste Medaille aus dem WM-Pool gefischt. Aber anstatt ordentlich zu feiern, ging Köhler ganz unspektakulär vor: "Ich war noch essen - und dann bin ich direkt ins Bett."

Stressige Zeiten

Der Job rief da schon wieder, schließlich will die Freiwasser-Staffel-Weltmeisterin die Titelkämpfe in Südkorea mit einem dritten Edelmetall abrunden - über 800 Meter Freistil.

Am Freitag sind die Vorläufe, am Samstag kurz vor 15 Uhr (MESZ) das Finale. Und Köhler schmunzelt: "Ich freue mich darauf, ein bisschen was Kürzeres mal."

Dabei gab es Zeiten im Leben der 25-Jährigen, da konnte sie gar nicht lang genug im Wasser sein. "Um 2012, 2013, 2014, vielleicht auch noch ein paar Jahre danach, hatte ich stressige Zeiten. Wenn ich nicht im Wasser war, war dieser Stress da. Und wenn ich dann ins Wasser gegangen bin, war das für mich - das klingt vielleicht ein bisschen poetisch - schon befreiend", offenbart sie im Gespräch mit zdfsport.de.

Konsequentes Schweigen

Den inneren Stress verspürte sie wegen familiärer Probleme, mit ihrer Mutter. "Mit ihr habe ich heute auch keinen Kontakt. Wir verstehen uns einfach nicht. Mit meinem Vater komme ich dafür klar, er fährt auch ganz oft mit zu Wettkämpfen", erzählt Köhler, der erst im Nachhinein, lange nachdem sie mit dem professionellen Dauerkraulen angefangen hatte, bewusst wurde, was das Schwimmen für sie bedeutet. "Dass ich", sagt sie, "dabei wirklich auch mal abschalten kann".

Im Ab- oder Auf-Durchzug-Schalten wird die Jura-Studentin seitdem immer besser. Zum völlig unerwarteten Vorlauf-Aus ihres Partners Florian Wellbrock über 800 Meter Freistil etwa, zehn Stunden vor ihrem eigenen Silber-Rennen, schwieg sie konsequent. Der Leistungseinbruch ihres Freundes war eine Sache, ihr Medaillenglück eine ganz andere.

Drama in Rio

„Sarah ist sehr professionell in der Hinsicht, so was stärkt sie auch ein bisschen“, kommentiert ihr Heimtrainer Bernd Berkhahn, seit Februar zudem Teamchef der deutschen Schwimmer, die Verhältnisse. Zu dieser Grundhaltung passt auch, was Köhler über einen der dramatischsten Momente in ihrer Karriere sagt.

Bei den Spielen in Rio erlebte sie vor Ihrem Endlauf über 800 Meter Freistil mit, wie der französische Physiotherapeut Patrick Bordier im Olympischen Dorf zusammenbrach. Köhler suchte vergeblich nach einem Defibrillator, wenig später starb der Mann.

Wechsel nach Magdeburg

Professionelle Hilfe, um das Erlebnis zu verarbeiten, habe sie keine gebraucht.

"Solche Dinge passieren leider, auch da bin ich rational. Mancher mag vielleicht sagen, ich sei ein bisschen kalt", erklärt Köhler, ehe sie erwähnt: "So weit ich erfahren habe, hatte der Mann vorher schon Herzprobleme, ist aber nicht zum Arzt gegangen. Und dann kann man leider auch nichts mehr tun. So ist leider der Lauf des Lebens."

Ihr eigenes Leben ist aktuell voll auf die Tokio-Spiele im nächsten Sommer ausgerichtet. Um einen neuen Trainingsreiz zu setzen, wechselte sie im letzten Herbst von Heidelberg zu Bernd Berkhahn nach Magdeburg.

Sie sei meinungsstark, könne aber auch politisch korrekt und diplomatisch sein, sagt Köhler über sich selbst.

Diplomatie beiseite

Alle Diplomatie beiseite wischt sie bei der Frage, wem sie eine Medaille bei Olympia mehr gönnen würde - ihrem Lebensgefährten Florian Wellbrock oder sich selbst.

"Ich arbeite sehr hart dafür, der Sport ist mein Beruf, und ich habe nicht so ein Leben wie beispielsweise andere Studenten", erwähnt die Frau, die in Gwangju über 1500 Meter gleich zwei Mal den deutschen Rekord verbesserte. "Deshalb würde ich, wenn ich mich entscheiden müsste, die Medaille natürlich selber nehmen."

Sarah Köhler weiß eben genau, was sie will.

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