Schwimmer im Zwiespalt

Schimm-WM in Budapest

Ab Sonntag steigen bei der Schwimm-WM in Budapest die Beckenspezialisten ins Wasser. Das deutsche Team kommt mit 14 Teilnehmern ebenso bescheiden daher wie die Erwartungen des Chefbundestrainers – der im DSV gerade einen Grundsatzstreit ausfechten muss.

Henning Lambertz
Henning Lambertz Quelle: dpa

Die Margareteninsel in Budapest ist ein passender Ort für eine ordentliche Prise Nostalgie, auch für Henning Lambertz. Als Britta Steffen hier vor elf Jahren zu vier EM-Titeln und drei Weltrekorden flog, war der heutige Chefbundestrainer zwar noch Vereinscoach in Wuppertal. Die damaligen Spitzenergebnisse der schlanken Freistilspezialistin aus Berlin sind ihm aber bis heute geläufig – und seit langem ein schmerzhafter Dorn in der Trainerseele.

Heftiger Widerspruch

„Es frustriert mich schon, dass wir bei weitem noch immer keinen Ersatz haben für eine Schwimmerin wie Britta Steffen, die über 100 Meter Kraul kontinuierlich Zeiten zwischen 52 und 53 Sekunden erreicht hat“, gesteht Lambertz vor Beginn der Beckenwettbewerbe bei der Schwimm-WM im Gespräch mit zdfsport.de. Und der 46-Jährige weiß: „Es wird eine gewisse Zeit dauern, bis all die Stellschrauben, die wir anbringen, richtig sitzen.“

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Sport | ZDF SPORTextra - Schwimm-WM am 23.7.17 komplett

Die Schwimm-WM aus Budapest bei zdfsport.de mit dem ersten Tag der Beckenwettbewerbe und vier Final-Entscheidungen in voller Länge. Reporter ist Thomas Wark, Experte Christian Keller.

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Den dicksten Reformpfahl hat der gebürtige Neusser – neben dem verschärften Krafttraining – mit dem klaren Trend zur Zentralisierung in die Erde gerammt. Damit stieß er in der Branche zum Teil auf heftigen Widerspruch: Die Schwimmer würden durch die von oben angeordnete Verpflanzung ihrer sportlichen Wurzeln entrissen, klagten einige – und warfen Lambertz einen Alleingang vor.

Inselleben weiterhin möglich

Der kritisierte Coach hält mit dem Verweis auf zwei olympische Nullnummern in Folge dagegen: „‘Ein Weiter so, wird schon!‘ darf es nicht geben“, betont Lambertz. Zudem verweist er darauf, dass der eingeschlagene Weg der Zentralisierung vor allem auf den Nachwuchs und auf Athleten jenseits der 20 abziele, die im bisherigen System keine signifikanten Erfolge erzielen konnten.

Mit Edelmetall dekorierte Akteure wie der Brustschwimmer Marco Koch, der sich in der Darmstädter Abgeschiedenheit bis hin zum WM-Titel 2015 trainierte, dürfen sich weiterhin auf ihrem ganz persönlichen Inselchen für die Top-Events der Bahnenzieher trimmen. So wie es in anderen Disziplinen beispielsweise auch schon der Speerwerfer Thomas Röhler (Jena), die Biathletinnen Magdalena Neuner und Laura Dahlmeier (Garmisch-Partenkirchen) oder der Turner Fabian Hambüchen (Wetzlar) sehr erfolgreich praktizierten.

Keine Prognosen mehr

Doch auch der Zentralisierungsgedanke hat einiges für sich: In der Ära von Bundestrainer Jochen Behle fuhren die Langläufer sehr gut damit. Die deutschen Skijäger überzeugen seit vielen Jahren von ihren Basis-Lagern in Oberhof und Ruhpolding aus. Und die Münchnerin Marlene Bojer, Deutschlands beste Synchronschwimmerin, wünscht sich nichts sehnlicher als die Kolleginnen aus dem Nationalteam häufiger zu zentralen Lehrgängen in Heidelberg zu treffen.

Den mitunter pikierten Beckenschwimmern machte die neue DSV-Präsidentin Gabi Dörries kürzlich klar, warum der frische Kurs so strikt ausfällt: Man habe gar keine andere Wahl als den Vorgaben der nationalen Sportpolitik zu folgen, sollen die öffentlichen Gelder weiterhin fließen. Das Maß aller Dinge ist dabei Olympia – auch deshalb hat Henning Lambertz nun nur 14 Schwimmer mit nach Budapest genommen. „Prognosen“, sagt der leidgeprüfte Bundestrainer außerdem, „stelle ich keine mehr auf. Damit kann man nur verlieren.“

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