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Deutschlands Langläufer in der Krise

Ausblick auf die Nordische Ski-WM in Lahti - ab 23. Februar im ZDF

Die Langläufer sind die Sorgenkinder im Deutschen Skiverband. In Lahti droht die dritte medaillenlose WM nacheinander. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Langläufer in der Loipe
Erste Entscheidungen in Lahti am 23. Februar - live im ZDF
Quelle: dpa

Die Biathleten haben uns verwöhnt: Sieben von elf möglichen Titeln haben die deutschen Skijäger bei der gerade zu Ende gegangenen WM in Hochfilzen abgeräumt. Wenn am Donnerstag die nordische "Verwandtschaft“, die ohne Waffe auf dem Rücken, ihre Titelkämpfe eröffnet, muss sich der deutsche TV-Zuschauer daran gewöhnen, dass bereits Platzierungen zwischen 10 und 20 als "hervorragend“ eingestuft werden.


Deutliche Defizite

Die Maßstäbe sind hier völlig andere geworden, das medaillenträchtige Zeitalter der Generation Angerer, Teichmann, Sachenbacher und Künzel (Nystad) ist spätestens seit 2011 vorbei. Die Generalprobe am letzten Wochenende in Otepää/Estland zeigte die Defizite deutlich auf. Keiner aus dem ohnehin schon handverlesenen Häuflein deutscher Sprinter überstand die Qualifikation. Die Frauen brachten mit Hanna Kolb und Sandra Ringwald wenigstens zwei in die Viertelfinals, dann jedoch war Endstation. In den Klassikrennen am folgenden Tag waren die Ränge 18 und 21 durch Stefanie Böhler und Jonas Dobler die besten Platzierungen.



Positiv zu bewerten ist die Rückkehr von Dobler ins Weltcup-Geschehen, dessen Saison bisher durch Infekte extrem beeinträchtigt war, so dass eine WM ohne den besten Deutschen der Vorsaison drohte. Dabei brauchen sie einen wie ihn dringend im arg dezimierten Kader. Noch sind nämlich Hannes Dotzler und Andreas Katz nicht soweit, an alte Leistungen anknüpfen zu können. Immerhin: Dotzler, der beste Deutsche der Jahre 2013 und 2014, wird nicht mehr geplagt von den Folgen des Pfeifferschen Drüsenfiebers, das ihn zwei Winter komplett außer Gefecht gesetzt hatte. Und Katz kann jetzt endlich wieder seinen Schultergürtel voll belasten, in dem nach einem Mountain Bike-Unfall eine Sehne gerissen war. Tim Tscharnke, noch so ein Hochbegabter wie Dotzler, hat sich immerhin mühevoll wieder herangekämpft an die erweiterte Weltspitze. Dennoch: die gelichteten Reihen der deutschen Langläufer werden wohl höchstens gemeinsam in Teamsprint und Staffel in Reichweite einer Medaille kommen. Und das auch nur, wenn alles perfekt läuft.

Nordeuropäische Übermacht

Die Frauen sind in diesem Winter das eindeutig stärkere Geschlecht. Dennoch haben Böhler, Ringwald, Fessel & Co. einen schweren Stand gegen die nordeuropäische Übermacht. Da sind die überragenden Norwegerinnen mit Galionsfigur Marit Björgen (die Dopingsperre für Therese Johaug haben sie kompensiert), das ist Schweden mit einer wiedererstarkten Charlotte Kalla und der Sprint-Queen Stina Nilsson, aber da wären auch die Gastgeberinnen, bei denen Krista Parmakoski auf fast allen Strecken nach einer Medaille greift. Wenn man aus jedem dieser Länder zwei bis drei Läuferinnen nimmt, die sich vor den Deutschen platzieren und dann noch um die ein oder andere starke US-Amerikanerin wie Jessica Diggins ergänzt, dann wäre ein Top Ten-Platz beinahe unerreichbar.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen außergwöhnlichen Tag, wie ihn etwa die junge Victoria Carl vor zwei Jahren hatte, als sie in Lahti, mit 19 Jahren Platz sieben belegte. Oder die Erfahrung einer Stefanie Böhler kommt zum Tragen, die 2015 bei der WM in Falun über 30 Kilometer hervorragende Sechste wurde. In Reichweite der Medaillen können die Damen gleichwohl nur gemeinsam kommen. Doch selbst dann müßten sie über sich hinauswachsen wie im Januar beim Weltcup in Ulricehamn mit dem zweiten Platz. Höher eingeschätzte Teams müssten zudem schwächeln.

Schwierige äußere Bedingungen

Lahti, neben Oslo das Mekka des Nordischen Skisports, empfängt die Langlauf-Familie nach Tagen des Tauwetters derweil mit einer Rückkehr des Winters, allerdings einem Winter der eher feucht-kalten Sorte. Überfrierender Schnee und Neuschneefälle auf dem vorhandenen Kunstschnee werden vor allem den Serviceleuten Kopfzerbrechen bereiten. Eine sibirische Kältewelle wie bei der letzten WM 2001 droht jedoch nicht. Damals schmückten Eiszapfen die Gesichter der Läufer im 50 km-Rennen. Damals, vor inzwischen 16 Jahren, begann die Blüte des deutschen Langlaufs mit der Silbermedaille für René Sommerfeldt und mit Bronze in der Männer-Staffel. 2017 in Lahti scheint vorerst keine neue Blütezeit in Sicht.

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