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Kobayashi - oder doch ein Außenseiter?

Skispringen | Die Favoriten der Vierschanzentournee

Die großen Favoriten für die Vierschanzentournee kommen wieder aus dem Ausland. Gesamtweltcup-Spitzenreiter Ryoyu Kobayashi (Japan) und Titelverteidiger Kamil Stoch (Polen) sind die heißesten Kandidaten. Los geht's am Samstag in Oberstdorf mit der Qualifikation und am Sonntag mit dem Springen (16.30 Uhr/beides ZDF).

Ryoyu Kobayashi - Gewinner des Skispringens in Engelberg am 16.12.2018
Ryoyu Kobayashi - Gewinner des Skispringens in Engelberg am 16.12.2018
Quelle: imago/Eibner

Größter Hoffnungsträger für die deutschen Flieger ist überraschend der Team-Olympiazweite Karl Geiger, der bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg den ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere gefeiert hat. Die Favoriten sind aber:

Ryoyu Kobayashi (Japan/Siegwahrscheinlichkeit 30 Prozent)

Der 22-Jährige ist mit vier Siegen und zwei weiteren Podestplätzen in bislang sieben Saisonspringen zweifellos der Dominator. Der raketenartige Aufstieg des ehemaligen Nordischen Kombinierers kommt überraschend, schließlich war vor dieser Saison ein sechster Platz seine beste Weltcup-Platzierung.

Ryoyu Kobayashi jubelt nach seinem Sprung in der zweiten Runde
Ryoyu Kobayashi
Quelle: reuters

Sein Erfolgsgeheimnis: Nach dem Absprung "die Ski im Flug irrsinnig schnell aufzunehmen" (Bundestrainer Werner Schuster) und wie "ein Blatt Papier durch die Luft zu fliegen" (Olympiasieger Andreas Wellinger).

Genau wie für fast alle Springer und Trainer ist Kobayashi auch für ZDF-Experte Toni Innauer der große Favorit: "Er kann unheimlich aggressiv springen ohne größere Probleme in der Luftfahrt."

Aber hält Ryoyu Kobayashi dem Druck stand? Schuster: "In den letzten beiden Jahren gab es mit Domen Prevc und Richard Freitag auch solche Topflieger vor der Tournee - und beide haben es dann nicht geschafft."

Kamil Stoch (Polen/25 Prozent)

Spätestens seit letztem Winter weiß jeder, was für ein Ausnahmespringer Kamil Stoch ist. In Pyeongchang holt er seinen dritten Einzel-Olympiasieg, nachdem er zuvor bei der Vierschanzentournee als zweiter Springer nach Sven Hannawald (2001/2002) alle vier Springen gewonnen hatte.

Auch bei dieser Tournee könnte Stoch wieder Geschichte schreiben: Mit Gesamtsieg Nummer drei in Serie würde er die historische Bestmarke des Norwegers Björn Wirkola (1967 bis 1969) einstellen.

Mit bislang drei Podestplätzen und Gesamtweltcup-Position drei hat der 31-Jährige Routinier seine Topform schon nachgewiesen. "Und er wird noch stärker werden. Er ist ein Springer, der bei den besonderen Springen oft Besonderes leisten kann", sagt Innauer.

Im skisprungverrückten Polen hat Stoch eine eigene Bekleidungslinie und ist so bekannt wie Fußballstar Robert Lewandowski. Tausende Fans aus der Heimat werden den zweimaligen Weltmeister, der im Vorwinter auch noch Silber und Bronze bei der Skiflug-WM gewann und zum zweiten Mal den Gesamtweltcup für sich entschied, anfeuern.

Piotr Zyla (Polen/10 Prozent)

Der 31-Jährige hat erst in diesem Winter den Durchbruch in die absolute Weltspitze geschafft. Von bislang neun Weltcup-Einzelpodestplätzen seiner Karriere stammen gleich fünf aus den vergangenen Wochen.

Piotr Zyla gewinnt 2017 WM-Bronze
WM-Dritter 2017: Piotr Zyla
Quelle: epa

In den bislang sieben Weltcupspringen dieser Saison war er nie schlechter als Sechster - genau diese Ausgeglichenheit prädestiniert den aktuellen Gesamtweltcup-Zweiten geradezu für die Vierschanzentournee.

Allerdings müsste Zyla dazu endlich aus dem Schatten seines übermächtigen Wegbegleiters Kamil Stoch treten. Mit dem gleichaltrigen polnischen Nationalhelden war er schon auf der Sportschule in einer Klasse. Mit der Cousine eines anderen Skisprung-Nationalhelden - Adam Malysz - hat Zyla zwei Kinder. Und ist seit kurzem von ihr geschieden. Innauer: "Zyla ist sicher ein Kandidat. Aber dazu muss er auch mal ein Springen gewinnen."

Karl Geiger (Deutschland/10 Prozent)

Statt der großen Namen wie Andreas Wellinger, Richard Freitag oder Severin Freund ist diesmal ein Nobody die größte deutsche Sieghoffnung bei der Tournee. Der 25 Jahre alte Karl Geiger ist in der Form seines Lebens, was sein erster Weltcup-Sieg bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg bewiesen hat. Das Auftaktspringen der Tournee in seiner Heimat Oberstdorf statt - dann wird sich zeigen, ob das eher ein Vorteil oder eine Bürde ist

Bundestrainer Werner Schuster traut Geiger "selbstverständlich" den ersten deutschen Tournee-Gesamtsieg seit 17 Jahren zu: "Karl hat noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht - sportlich, genauso wie im Kopf und in der Entwicklung seiner Persönlichkeit.

ZDF-Experte Toni Innauer lobt besonders die Absprungkraft des großgewachsenen Deutschen: "Er ist der Gegenentwurf zu den leichten Springern wie Kobayashi oder Stoch und ist ein konstanter Wettkampftyp."

Johann Andre Forfang (Norwegen/10 Prozent)

Für viele Experten gehört der 23 Jahre alte Flieger spätestens seit seinem Sieg und einem weiteren zweiten Platz beim Weltcup im russischen Nischni Tagil zu den Geheimfavoriten. Der Stern des begnadeten Fliegers ging bei den Olympischen Spielen von Pyeongchang so richtig auf: Nach Einzel-Silber holte Forfang mit seinem starken Norge-Team den Olympiasieg im Mannschaftswettbewerb.

Was für Forfang spricht: Er ist ein absoluter Deutschland-Spezialist: Zwei seiner bislang drei Weltcup-Siege feierte der Mann aus Tromsö hierzulande: in Titisee-Neustadt/2016 und Willingen/2018.

Zum Problem könnte seine bislang noch nicht vorhandene Konstanz werden, die bei den vier Tourneespringen besonders wichtig ist. Bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg zum Beispiel landete Forfang nach Platz vier am ersten Tag im zweiten Springen nur auf Position 15.

Ein Außenseiter (15 Prozent)

Bei dieser Tournee gibt es viele chancenreiche Außenseiter mit großen Namen wie selten zuvor. Österreichs Doppel-Weltmeister Stefan Kraft liegt nach den Plätzen acht und zwölf beim letzten Tournee-Test in der Schweiz in der Lauerposition. Der Skiflug-Weltrekordler weiß seit 2015, wie man den Skisprung-Grand-Slam gewinnt.

Genau wie der Slowene Peter Prevc, der ein Jahr später ganz oben stand. Prevc meldete sich nach einer Sprunggelenksoperation mit einem 16. Platz in Engelberg wieder in der Weltspitze zurück.

Auch sein jüngerer Bruder Domen Prevc, der vor zwei Jahren schon mal Gesamtspitzenreiter zur Tournee gereist war, gehört zu den chancenreichen Außenseitern.

In diesem Winter schon einmal auf dem Podest stand Andreas Wellinger. Der deutsche Weltmeister und Olympiasieger ist der Mann für die großen Momente - und nach Gesamtplatz zwei bei der Tournee im Vorwinter fehlt nur noch eine Stufe zum obersten Podest.

Wie es sich da oben anfühlt, hat in diesem Winter auch der Russe Jewgeni Klimow erstmals im Weltcup erfahren. Der Überraschungs-Gesamtsieger des Sommer-Grand-Prix gehört ebenfalls zu den Geheimfavoriten.

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