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Karl Geiger ist auf dem Sprung

Skispringen | Weltcup in Nischni Tagil

Karl Geiger wurde vor neun Monaten zweimal Team-Weltmeister und stand dennoch im Schatten von "Überflieger" Markus Eisenbichler. In diesem Skisprung-Winter - der am Wochenende mit dem Weltcup im russischen Nischni Tagil fortgesetzt wird - scheint sich das zu ändern.

Karl Geiger
"Mr. Zuverlässig": Karl Geiger
Quelle: Agencja Gazeta / reuters

Seinen Start als Bundestrainer hätte sich Stefan Horngacher ganz sicher anders vorgestellt. Die Olympiasieger Andreas Wellinger und Severin Freund fehlen genau wie Nachwuchstalent David Siegel wegen Verletzungen. Vorflieger Markus Eisenbichler - immerhin dreimaliger Weltmeister des vergangenen Winters - ist noch nicht in Topform und stürzte beim Weltcup im finnischen Ruka. Dass trotzdem nicht die erste Krise in der neuen Ära Horngacher ausgerufen wird, hat mit "Mr. Zuverlässig" Karl Geiger zu tun. Er fliegt als momentan einziger deutscher Skispringer in der Weltelite mit.

Eine Frage der Zeit

Er ist einfach eine Bank im Wettkampf und kann sich immer steigern.
Stefan Horngacher, Skisprung-Bundestrainer

Seine siebten Plätze bei den ersten beiden Einzel-Weltcup in Wisla/Polen und Ruka klingen auf den ersten Blick nicht besonders berauschend. Blickt man jedoch hinter die blanken Ergebnisse, wird klar, dass es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis Karl Geiger auf dem Podest ankommt. Beim Weltcup-Auftakt in Polen gewann der 26-Jährige erstmals eine Qualifikation, führte im Wettkampf nach dem ersten Sprung, ehe ihm ungünstige Windbedingungen alle Siegchancen raubten. Beim Weltcup in Finnland am vergangenen Wochenende stellte Geiger mit spektakulären 147,5 Metern in der Qualifikation sogar den Schanzenrekord ein.

Kein Wunder, dass der neue Chef Stefan Horngacher zumindest mit seinem neuen Vorflieger im Team zufrieden ist: "Karl hat gezeigt, dass er um Siege mitspringen kann. Er ist einfach eine Bank im Wettkampf und kann sich immer steigern." Jetzt sei Geduld gefragt, bis die starken Leistungen auch mit Podestplätzen belohnt werden. Karl Geiger sieht das ganz genauso: "Die Sprünge passen, der Rest wird schon kommen."

Lange im Schatten

Warten hat der Spätstarter in seiner Karriere auf die harte Tour lernen müssen. Lange stand er im Schatten von prominenten Teamkollegen wie Severin Freund oder Andreas Wellinger. Ins Rampenlicht trat Karl Geiger erstmals beim Silbergewinn des deutschen Teams bei den Olympischen Spielen 2018 in Pyeongchang. Der langersehnte Erfolg war wie eine Befreiung für den Allgäuer, der sich seitdem in der Weltspitze festgesetzt hat.

Der vergangene Winter war der bislang erfolgreichste in der Karriere von Karl Geiger. Neben den ersten beiden Einzel-Weltcup-Siegen im schweizerischen Engelberg und in Willingen glänzte der 1,83 Meter große Mann besonders bei der Nordischen Ski-WM. Neben zweimal Gold im Team gewann er Silber von der Großschanze. Trotzdem gingen in der abgelaufenen Saison nicht alle Träume in Erfüllung: Bei der Vierschanzentournee war er nach seinem Sieg bei der Generalprobe in der Schweiz als Mitfavorit angetreten, konnte dem Druck beim Auftaktspringen in seiner Heimat Oberstdorf und den restlichen drei Springen jedoch nicht standhalten.

Highlight Vierschanzentournee

Karl Geiger ist der Gegenentwurf zu den leichten Springern wie Ryoyu Kobayashi oder Kamil Stoch.
ZDF-Experte Toni Innauer

Deshalb ist der Skisprung-Grand-Slam auch das größte Highlight in diesem Winter für Karl Geiger. "Mit der Tournee habe ich definitiv eine Rechnung offen. Das soll anders laufen als im letzten Jahr." Dass er in den nächsten Monaten Großes vor hat, deutete der introvertierte Flieger schon im vergangenen Sommer an. Obwohl nach dem Abschied von Chefcoach Werner Schuster und der Verpflichtung von Stefan Horngacher vieles im Training verändert wurde, gewann Geiger als einziger deutscher Springer einen Grand-Prix-Wettkampf der Weltelite. Zudem wurde er erstmals Deutscher Meister in Einzel und zudem im Team.

All das zeigt: Karl Geiger ist auf dem Sprung nach ganz oben. "Karl Geiger ist der Gegenentwurf zu den leichten Springern wie Ryoyu Kobayashi oder Kamil Stoch und macht den großgewachseneren Springern wieder Hoffnung. Er hat eine unheimlich gute Absprungkraft, eine stabile Technik, ist ein guter Wettkampftyp und bringt die Konstanz mit, um auch so einen Wettbewerb wie die Tournee zu gewinnen", sagte ZDF-Experte Toni Innauer schon im vergangenen Winter. Zum Jahreswechsel könnte Karl Geiger diese Vorhersage bestätigen. Der erste deutsche Tournee-Gesamtsieg seit 18 Jahren würde den holprigen Start des neuen Bundestrainers Stefan Horngacher ganz sicher vergessen machen.

Wintersport in Zahlen

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