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Martin Nörl vor dem großen Wurf

Snowboard-Weltcup in Veysonnaz

Einen deutschen Gesamtweltcupsieger im Snowboardcross hat es seit der Einführung dieser Wertung 1996 noch nie gegeben. Am Samstag (ab 14:05 Uhr im ZDF-Livestream) könnte sich das dank Martin Nörl ändern.

Snowboarder Martin Nörl
Könnte Snowboard-Geschichte schreiben: Martin Nörl
Quelle: Matic Klansek / imago/GEPA pictures

Die Olympischen Spiele vor rund einem Jahr hätten das große Highlight in der Karriere von Martin Nörl werden können. Das Achtelfinale und das Viertelfinale gewann der Snowboardcrosser souverän, doch im Halbfinale stürzten fünf von sechs Fahrern. Nörl war einer von ihnen, er verpasste das Finale und wurde am Ende "nur" Achter. "Das war echt wild", erinnert sich der Wahl-Allgäuer, der sich trotzdem freuen konnte, weil sein olympischer Siegeszug zuvor so überraschend war.

Für mich ist es überraschend, dass ich immer noch das gelbe Trikot trage.
Martin Nörl

Ähnlich unvorhersehbar war die Rolle, die er vor dem abschließenden Weltcup am Samstag in Veysonnaz (Schweiz) einnimmt. Nörl führt die Gesamtwertung vor dem Österreicher Alessandro Hämmerle (1640 Punkte), dem Italiener Omar Visintin (1535 Punkte) und dem Australier Alex Pullin (1440) an. "Für mich ist es überraschend, dass ich immer noch das gelbe Trikot trage", sagt das Snowboard-Ass. Die Gedanken an den möglichen Triumph "versuche ich wegzuschieben". Entschieden ist in der Tat noch nichts. Der Sieger eines Rennens - bei den bisherigen vier Weltcups gab es vier unterschiedliche Gewinner - bekommt 1000 Punkte. Der Zweite 800, der Dritte 600, selbst der Zwölfte noch 220.

Gelassenheit bei Nörl

Am Montag, einen Tag vor seiner Abreise, spielte all das noch keine Rolle. Nörl verbrachte die letzten Stunden zu Hause mit seiner neun Monate alten Tochter. Das Vater-Sein hat den Athleten verändert. Er stehe lockerer am Start, sagt Nörl. "Es ist nicht so, dass mir die Platzierungen gleichgültig wären, aber ich denke während der Weltcuptage nicht mehr nur an den Sport, das entspannt." In Veysonnaz schaffte Nörl in den vergangenen Jahren unter anderem einen fünften und sechsten Platz. Nur hat das für Samstag nichts zu bedeuten, weil der Kurs an einem neuen Ort aufgebaut wird. "Deswegen lasse ich das alles auf mich zukommen, ich will mir keinen Druck machen", so Nörl.

Finanziell wird der gebürtige Landshuter keine Sprünge machen. So oder so. Für einen Weltcupsieg bekommen Snowboarder knapp 10.000 Euro, vor Abzug der Steuern, versteht sich. Durch kleinere Sponsoren steht ihm pro Monat zudem ein sehr niedriger dreistelliger Betrag zur Verfügung. "Ich bin von der Bundeswehr abhängig", sagt Nörl. Ohne seine Anstellung bei der Sportfördergruppe wäre seine Karriere nicht möglich, auch weil die mediale Präsenz fehlt. Den Zeigefinger will der 25-Jährige deshalb aber nicht heben. "Wir sind eine Randsportart, das ist klar. Aber es gibt Sportarten, die noch schlechter wegkommen wie wir."

"Ich muss schauen, wie es weitergeht"

Nörl ist ein ruhiger Zeitgenosse, keiner der polarisiert und aufbraust. Diese Beständigkeit spiegelt sich auch in seinem Material wieder. Seit fünf Jahren fährt er die gleiche Snowboard-Bindung. Dass er sie nach diesem Winter wechseln muss, weil sie nicht mehr hergestellt wird, passt ihm nicht, ist aber alternativlos. Für diese Saison hat er noch Restbestände der Kollegen eingesammelt, nach dem letzten Rennen wird er die europäischen Gletscher für die nötigen Tests aufsuchen.

"Ich muss schauen, wie es weitergeht", sagt Nörl, der noch nicht weißt, wohin seine Karriere noch führt. Die Olympischen Spiele 2022 in Peking hat er im Blick. Theoretisch hat er mit diesem Event ja noch eine kleine Rechnung offen. Wesentlich dringender ist der Gedanke an seine Wohnsituation. Die Familie wird demnächst in eine größere Wohnung umziehen, ein Kind braucht Platz. Vielleicht braucht auch Nörl dort einen speziellen Platz - für die Trophäe des Gesamtweltcupsiegs.

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