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Schneller, jünger, verrückter

Das deutsche Wasserball-Team vor der WM in Korea

Die Olympia-Qualifikation bezeichnet Wasserball-Bundestrainer Hagen Stamm als "Herkulesaufgabe". Bei der WM in Gwangju will sich sein Team eine gute Ausganglage für das große Ziel verschaffen. Erster Gegner ist am Montag (live bei zdfsport.de) Japan.

Hagen Stamm Trainer der deutschen Nationalmannschaft Deutschland
Bundestrainer Hagen Stamm will sein Team zu Olympia führen.
Quelle: imago 40883354

Am Frühstückstisch des Ehepaars Stamm in Berlin gibt es einen Running Gag. "Wenn Schwimmer anfangen zu denken, werden sie Wasserballer", zitiert Hagen Stamm, Schöpfer und eifriger Nutzer des Spruchs, sich selbst. Dann schiebt er im Gespräch mit zdfsport.de vorsichtshalber hinterher: "Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint."

Kein Spaß ist dagegen die Botschaft, die der 59-Jährige mit dem kleinen Dauerbrenner aus dem Familienleben transportieren will: Der Wasserballsport wird immer schneller – und könnte deswegen für Schwimmer, die es in ihrer Branche absehbar nicht ganz nach oben schaffen, in Zukunft eine passable Alternative sein.

Verschärfte Regeln

"Wir haben eine Situation im Wasserball, wo wir eine Schwimmausbildung brauchen. Ohne die hat ein Wasserballer heutzutage keine Chance mehr", betont Bundestrainer Stamm und verweist auf die vielen, gerade frisch in Kraft getretenen Regeln in seinem Sport. Etwa die Verkürzung der Angriffszeit von 30 auf 20 Sekunden beim zweiten Angriffsversuch.

Top Acht als Traumergebnis

Mit 13 besonders zackigen Vertretern der Zunft bekommen es Deutschlands Wassermänner im ersten WM-Gruppenspiel am Montag (ab 13.20 Uhr live bei zdfsport.de) zu tun. Gegner Japan, Olympiateilnehmer von Rio, ist laut Stamm der entscheidende Kontrahent bei seinem Plan, hinter Gruppenfavorit Italien Zweiter zu werden – und so mit dem mutmaßlichen Qualifikationsrundengegner Neuseeland eine dankbare Aufgabe auf dem Weg unter die Top acht der Welt zu erwischen.

"Das wäre für uns das Traumergebnis“, sagt Stamm, der seine Akteure zum Auftakt vor allem auf die "komische" Spielweise der Asiaten einstellen muss. "Sie gehen über vier Viertel hoch und runter wie die Verrückten, dazu decken sie sehr aggressiv von vorne. Gegen Japan muss man schon beim eigenen Angriff an deren Konterangriff denken. Das ist ihre Waffe", warnt der Chefcoach.

Stamm zum Zweiten

Mit einem guten Ergebnis in Gwangju wächst jedenfalls die Chance, Anfang nächsten Jahres bei EM und Olympia-Qualifikation die ganz harten Brocken zu umschiffen. Für Stamm, als Spieler Bronzemedaillengewinner bei den Spielen von Los Angeles 1984, wäre es die Krönung auf seiner zweiten Schleife als Bundestrainer.

Als die Not im deutschen Wasserball – für die letzten beiden Weltmeisterschaften und Olympia-Ausgaben war die Männer-Auswahl nicht qualifiziert – besonders groß war, sprang Stamm nochmals ein, zunächst nur als Interimscoach. Im Optimalfall erstreckt sich sein Engagement nun bis nach den Spielen Tokion 2020.

Versprechen an die Mitarbeiter

"Ich habe von vornherein gesagt: Tokio ist meine Deadline. Es wäre allerdings schön, wenn ich diese Deadline bei Olympia erfüllen könnte", lächelt der Chef eines Fahrradgroßhandels mit über 200 Mitarbeitern, der den Leuten dort bereits versprochen hat, "nicht noch einmal so eine verrückte Sache zu machen".

Zudem, erwähnt Stamm, sei seine "Generationsaufgabe" erfüllt – die er auch seinem Sohn Marko (30), eine der tragenden Kräfte im Nationalteam, zuliebe übernommen hat. In den letzten zweieinhalb Jahren verpasste Papa Stamm der Mannschaft dann eine Verjüngungskur, brachte Akteure wie Ben Reibel (21) oder Denis Streletzkij (21) unter die ersten Sieben in seiner Auswahl.

Mit zwölf an die Kugel

"Natürlich könnte die Situation besser sein. Aber wenn es uns weiterhin gelingt, andere Junge, die jetzt dabei sind, bei der Stange zu halten, und dazu pro Jahrgang einer für das Nationalteam herausspringt, kann man oben mitspielen", sagt Hagen Stamm.

Und womöglich kommt künftig ja tatsächlich der eine oder andere junge Schwimmer zu den Wasserballern herübergekrault. Der Nachwuchs könne vielleicht zwei, drei Jahre parallel schwimmen und Wasserball spielen. "Aber mit zwölf“, lautet Stamms Grundsatz für das immer rasantere Ballspiel, "sollte man die Kugel schon in die Hand nehmen."

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