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Wer schafft es durch die "Höttinger Hölle"?

Radsport-WM - Eliterennen Männer im ZDF-Livestream

Schon als Innsbruck den Zuschlag für die Straßenrad-WM 2018 bekam, musste jedem klar sein, wie die Kurse aussehen würden. Das Elite-Männer der Männer am Sonntag (14:30 Uhr im Livestream auf zdfsport.de) ist seit langem mal wieder ein Kurs für die Bergfahrer.

Radsport vor spektakulärer Bergkulisse: U23-Rennen bei der WM in Innsbruck
Radsport vor spektakulärer Bergkulisse: Die WM 2018 ist ganz nach dem Geschmack der Kletterspezialisten. Quelle: dpa

Bei einer Streckendistanz von knapp 260 Kilometern lässt man die Männer-Elite auch in Innsbruck traditionell lange im Sattel schwitzen, bestimmt sechs, vielleicht sogar an die sieben Stunden lang. Hinzu kommt aber auch noch eine Gesamt-Höhendifferenz von sagenhaften 4.600 Höhenmetern. Und wenn nicht schon vorher genug ausgesiebt wurde, dann tut es spätestens der Scharfrichter des Kurses: Nach 250 Kilometern folgt ein Steilstück, das mit einer kurzen Rampe von 28 Prozent so manchen an den Rand des Absteigens bringen dürfte. Bezeichnenderweise trägt dieser Streckenabschnitt den Namen "Höttinger Hölle".

Deutsche Stars gar nicht erst am Start

Schon vor einem Jahr, als der finale Kurs in Bergen/Norwegen bei der letzten WM vorgestellt wurde, stöhnten die Verantwortlichen des Bundes Deutscher Radfahrer. Nicht von ungefähr, denn mit überdurchschnittlichen Bergfahrern sind sie hierzulande nicht gerade gesegnet. Kein Kurs also für Sprinter wie Marcel Kittel und André Greipel, keiner für Klassikerfahrer wie John Degenkolb und auch keiner für Zeitfahrer, was Tony Martin spätestens am Mittwoch noch einmal eindrücklich zu spüren bekam. Der vierfache Weltmeister gegen die Uhr verlor die Medaille am einzigen längeren Anstieg des Zeitfahrens. Sie alle werden im Straßenrennen fehlen - aus guten Gründen.

Angeführt wird das deutsche Aufgebot stattdessen von Emanuel Buchmann und Maximilian Schachmann. Letzterer hat sich erst seit Ende des vergangenen Jahres in den Blickpunkt geschoben. Seine Bergfahrqualitäten konnte er in der ablaufenden Saison mehrfach unter Beweis stellen - zum Beispiel an der steilen Mauer von Huy in Belgien oder auf dem Weg nach Prato Nevoso in den ligurischen Alpen, als er eine Giro-Etappe gewann. Ob der Elfte des Zeitfahrens vom Mittwoch auch bei einem Rennen dieses Kalibers in die Spitze fahren kann, scheint allerdings fraglich.

Nur sechs Fahrer im Team

Buchmann wiederum stand schon lange auf der Liste für die WM. Der stille Oberschwabe hat sich ohne Zweifel weiterentwickelt. Bei der Spanien-Rundfahrt fuhr er anfangs mit den Stärksten mit. Dann folgte ein Sturz, danach ein kontinuierlicher Leistungsabfall. Den angepeilten Top Ten-Platz als Kapitän des Bora-hansgrohe-Teams konnte er nicht ganz halten und wurde am Ende Zwölfter. Es ist fraglich, ob bei Buchmann die Form der Vuelta-Startphase in den letzten zwei Wochen zurückgekommen ist. Die deutsche Mannschaft muß zudem erstmals seit langem mit nur sechs Starten zurechtkommen. Den großen Teams werden acht Plätze gestattet. So wird es dann wohl doch nicht reichen zum ersten WM-Titel im Straßenrennen für einen deutschen Profi seit mittlerweile 52 Jahren. Damals siegte der inzwischen verstorbene Rudi Altig auf dem Nürburgring.

Trotzdem will Teamchef Andreas Klier von seiner kleinen Mannschaft Angriffsgeist sehen, eine offensive Renngestaltung, wohl wissend, dass am Ende dann doch die Kräfte nicht reichen könnten. Denn um so viel stärker scheinen die Franzosen mit allein drei möglichen Siegkandidaten: Julian Alaphilippe, Romain Bardet und Thibaut Pinot. Oder die Spanier mit dem 38 Jahre alten Evergreen Alejandro Valverde und dem jungen Enric Mas, der zuletzt bei der Vuelta überzeugen konnte. Die Briten bieten Simon und Adam Yates auf, das berggängige Zwillingspärchen mit dem aktuellen Vuelta-Gewinner. Damit können sie sogar locker die Absagen von Chris Froome und Geraint Thomas verkraften, den Siegern von Giro und Tour dieses Jahres.

Die (Mit-)favoritenliste ist lang

Achten sollte man auch auf die kolumbianischen Bergziegen Nairo Quintana und Miguel Angel Lopez, auf Polens Ex-Weltmeister Michal Kwiatkowksi, vielleicht auch auf den Slowenen Primoz Roglic - und selbst dann sind längst noch nicht alle (Mit-)favoriten genannt. Für den Weltmeister der letzten drei Jahre, Peter Sagan, scheint der Kurs allerdings zu schwierig - er könnte alleine davon profitieren, dass sich die Bergfahrer an der "Höttinger Hölle" gegenseitig beäugen. Mit seinen überragenden Abfahrtsqualitäten wäre dann auf den acht Kilometern hinunter in das Herz Innsbrucks vielleicht etwas möglich.

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