Ernstfall Supercup

Borussia Dortmund - FC Bayern München (ZDF ab 20.15 Uhr)

Anders als in den Vorjahren kommt dem Supercup diesmal eine besondere Bedeutung zu. Beide Teams suchen noch nach ihrer Form und nach Konstanz. Anstoß der Partie Borussia Dortmund - Bayern München ist um 20.30 Uhr (ZDF ab 20.15 Uhr).

Carlo Ancelotti
Carlo Ancelotti Quelle: imago

Normalerweise lief das in den vergangenen Jahren beim Supercup so: Der FC Bayern und Borussia Dortmund trafen aufeinander, jeder wollte gewinnen, es ging schließlich ums Prestige im Vergleich der beiden besten deutschen Mannschaften. Aber als ein Arbeitstag von höchster Bedeutung wurde das erste Pflichtspiel der Saison jeweils nicht eingestuft. Zweimal gewann der FC Bayern, zweimal die Borussia. Nur einmal in den vergangenen fünf Jahren, 2015, funkte der VfL Wolfsburg dazwischen und unterbrach die turnusmäßige Verabredung von FCB und BVB.

Andere Vorzeichen

Die Niederlage der Münchner gegen die Niedersachsen vor zwei Jahren? Nicht angenehm für den erfolgsverwöhnten Rekordmeister, aber, "ja mei", auch nicht dramatisch. Genauso wie in den Jahren 2013 und 2014, als die Borussia gewann. Und die Siege der Münchner 2012 und im Vorjahr beim 2:0 in Westfalen unter dem damals neuen Trainer Carlo Ancelotti? Ein schöner Auftakt, mehr nicht.

Bei der aktuellen Auflage sieht das heute ein bisschen anders aus, für beide Mannschaften. Ziemlich unrund lief die Vorbereitung für den Pokalsieger BVB unter dem neuen Trainer Peter Bosz. Vor allem aber beim Meister FC Bayern wäre eine weitere Niederlage nach zuletzt deren vier und 14 Gegentoren in den vergangenen sechs Testspielen dazu angetan, die ohnehin schon aufgeworfenen grundsätzlichen Fragen zu vertiefen.

FC Bayern sucht nach seiner Normalform

"Der FC Bayern hat sein altes System verloren. Und er hat kein neues", diagnostizierte die "Süddeutsche Zeitung", die nicht im Verdacht steht, die Dinge gezielt zu überhöhen. Das vom ehemaligen Trainer Pep Guardiola in seinen drei Amtsjahren von 2013 bis 2016 angelegte und identitätsstiftende Netz des Ballbesitzfußballs sei schon in Ancelottis erster Saison fadenscheinig geworden, "nun ist es gerissen".

Die Mannschaft habe "kein Korsett, das die Ideen bündelt. Es fehlt ein taktischer Leitstrahl", ohne den die Nachfolger der zurückgetretenen Philipp Lahm und Xabi Alonso orientierungslos die freigewordenen Stellen besetzen. Und dass Präsident Uli Hoeneß bei der Präsentation des neuen Sportdirektors Hasan Salihamidzic am Montag die auch von diesem verkörperte, alte Ellenbogenmentalität beschwor, komme einem Heldenmythos aus jenen Zeiten gleich, als der Fußball noch analog funktionierte. Gegen die "dynamisierten Kombinationsmaschinen" der internationalen Konkurrenz liefen sie beim FC Bayern aktuell "Gefahr, die Digitalisierung ihres Sports zu verpassen", kommentierte die "SZ".

Rummenigge warnt

Im Verein formulieren sie ihre Bestandsaufnahmen vorsichtshalber etwas vager. Aber die Botschaften, die dabei gesendet werden, zielen in eine ähnliche Richtung. "Wir müssen schnell die Kurve kriegen. Ich hoffe, dass der Trainer die richtigen Rezepte findet", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge nach dem jüngsten 0:3 gegen den FC Liverpool, das sich in die überwiegenden Eindrücke der Vorbereitung fügte.

Man sei nicht als Einheit aufgetreten und von Liverpool an der Nase herumgeführt worden, sagte Kapitän Thomas Müller. "Wir müssen unsere Einstellung ändern", befand Franck Ribéry. Und der ehemalige Dortmunder Mats Hummels erkannte angesichts der misslichen Lage: "Dem Supercup kommt eine große Bedeutung zu, definitiv. Manchmal ist es gut, einen vor den Bug zu kriegen, jetzt haben wir schon zwei, drei vor den Bug bekommen. Das sollte nun aber zum letzten Mal der Fall gewesen sein. Sonst wird es ein ganz schwerer August." Und sogar der sonst nach außen stets ruhige Ancelotti räumte ein: "Natürlich sind wir beunruhigt. Wir haben viele Probleme."

Nur Ergebnisse können Ruhe bringen

Umso wichtiger, auch im Vergleich zu den vorherigen Supercups, wäre es nun in Dortmund, das zu tun, was Müller fordert, nämlich "mal wieder ein Ergebnis liefern". Es geht nach den missratenen Tests gegen internationale Gegner auch um eine beruhigende Selbstvergewisserung, dass es national keiner Krisenrhetorik bedarf. Hoeneß und Rummenigge hätten gar nicht mehr betonen müssen, wie viel ernster sie den Supercup in diesem Jahr nehmen.

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