Gnabry - mehr als ein Granätchen?

U21-EM, Gruppe C, 2. Spieltag: Deutschland - Dänemark

Für den U21-Star Serge Gnabry geht es bei der EM auch darum, bei seinem neuen Klub zu punkten. Der Auftakt des künftigen Münchners war spektakulär, gegen Dänemark (Mi., 20:45 Uhr live im ZDF) gilt es nachzulegen.

Serge Gnabry
Serge Gnabry Quelle: dpa

Er umdribbelt Fragesteller wie lästige Außenverteidiger. „Wir müssen abhauen, die warten doch alle auf mich“, grinste Serge Gnabry nach dem gelungenen EM-Auftakt in Polen und zischte mit stylischer Mütze durch die Mixed Zone des Stadions Miejski in Tychy. Dem mit Abstand besten Akteur beim 2:0 der DFB-Junioren über Tschechien war es recht, dass er spät dran war und keine Fragen mehr beantworten musste. Über das Spiel, aber vor allem über seine Zukunft.

Dickes Lob von Kuntz

Denn die ist immer noch nicht ganz geklärt, obwohl er jüngst beim FC Bayern unterschrieben hat. Münchner Medien spotteten angesichts erster Transfers schon von „Granätchen“ statt der von Präsident Uli Hoeneß versprochenen Granaten. So scheint es weiter möglich, dass der für acht Millionen Euro von Werder Bremen geholte Gnabry weitergereicht wird, um sich anderswo für die Bühne Bayern zu bewähren. Über eine Hoffenheimer Ausleihe wurde spekuliert, dort könne er womöglich auch Champions League üben für München.

In der U21 dagegen hat der Tempodribbler seinen Platz gefunden. „Serge hat unter Beweis gestellt, dass er Akzente setzen kann“, sagte Trainer Stefan Kuntz nach dem ersten Spiel und schob ein dickes Lob hinterher: „Er nimmt die Führungsrolle an und füllt sie auch aus.“ Vom leichten Hang zum Bling-Bling, der ihm in Bremen „Gucci“-Hänseleien einbrachte, ist bei der DFB-Auswahl nichts zu merken - außer mal in der Mixed-Zone. Kuntz hat in ihm einen Leader gefunden, der „die richtige Mischung findet zwischen Spaß und Räson“.

Der wahre „Man of the Match“

Seine sportlichen Qualitäten sind in der U21 offensichtlich. „Er ist schwer auszurechnen, fintenreich und hat ein tolles Gespür, wo der Ball hingeht“, schwärmt Kuntz. Beide Seiten sind froh, dass Gnabry nicht zum Confed-Cup musste, obwohl er schon auf A-Länderspiele und drei Treffer für das Team von Bundestrainer Joachim Löw kommt. „Hier nehme ich eine ganz andere Rolle ein“, sagt Gnabry zufrieden.

Gegen Tschechien war das augenfällig. Mit vier Torschussvorlagen war der Linksaußen bester Akteur auf dem Platz. Den ersten Treffer von Max Meyer bereitete Deutschlands Nummer 11 vor. Den zweiten erzielte er selbst. Immer wieder entwischte der flinke 1,73-Meter-Mann seinem Gegenspieler Michal Sacek im Spurt oder mit einem Dribbling. Der künftige Münchner hätte sein Torkonto noch erhöhen können. Ein Schuss krachte an den Pfosten. Statt Meyer wäre Gnabry die bessere Wahl zum „Man of the Match“ gewesen.

Lange unterm Radar

Nur der Arjen-Robben-Move klappte noch nicht. Mit einem Haken nach Innen ziehen und unhaltbar vollenden: bei einem solchen Versuch landete er gegen die Tschechen auf dem Hintern. Aber das kann er vielleicht bald an der Säbener Straße lernen, unter Anleitung des Maestros höchstselbst. Mit seinen anderen Fähigkeiten scheint der 21-Jährige schon jetzt als Bereicherung für die Bayern zu taugen, die auf den Flügeln etwas Frische vertragen. Schließlich steht neben Robben auch Frank Ribéry im Karriere-Herbst. Kingsley Coman hat nicht voll überzeugt und Douglas Costa wird wohl an Juventus Turin abgegeben.

Für Gnabry scheint es eminent wichtig, Konstanz in die Achterbahn-Laufbahn zu bekommen, die noch bis zum Bayern-Transfer fast komplett unterm Radar der Öffentlichkeit stattfand. Der Schwabe mit ivorischen Wurzeln war früh vom VfB Stuttgart zum FC Arsenal gewechselte. Doch obwohl er zum zweitjüngsten Torschützen der Gunners-Geschichte aufstieg, setzte sich das „German Wunderkind“ nicht durch. Erst bei Olympia 2016 in Rio gelang der Durchbruch. Als Torschützenkönig war er die Stütze des Teams, das erst im Finale unglücklich an Brasilien scheiterte. Das bereitete den Weg zurück nach Deutschland, wo er bei Werder Bremen stark begann, in der zweiten Saisonhälfte aber seinen Stammplatz verlor. Trotzdem können sich elf Saisontore in 27 Spielen sehen lassen.

Die neue Heimat schaut zu

Ein bisschen Zeit für weitere Werbung in eigener Sache hat Gnabry noch, bevor am Tag nach dem EM-Finale in Krakau offiziell der Vertrag mit dem FC Bayern startet. Schon im zweiten Spiel gegen Dänemark gilt es nun nachzulegen, um den Einzug ins Halbfinale auf den Weg zu bringen und persönlich die Prämisse des U21-Trainers zu beherzigen, der alle seine Spieler „auf dem Präsentierteller“ sieht. Positive Nachrichten aus Polen sind in München willkommen. Vielleicht mausert sich das vermeintliche Granätchen zwischenzeitlich zur echten Granate und alle Zukunftsfragen lösen sich ganz von alleine in Luft auf.

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