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Universum reloaded

Boxen am Samstag live im ZDF

Wenn am Samstag erstmals nach neun Jahren wieder eine Box-Nacht live im ZDF übertragen wird, treffen sich alte Bekannte wieder. Der traditionsreiche Boxstall Universum ist mit neuer Führung neugegründet worden und verspricht vor allem eins: Ehrlichkeit.

Universum-Promoter Ismail Özen-Otto (Zweiter von rechts) mit den Boxern Toni Kraft, Artem Harutyunyan und Leon Bauer (von links)
Universum-Promoter Ismail Özen-Otto (Zweiter von rechts) mit den Boxern Toni Kraft, Artem Harutyunyan und Leon Bauer (von links)
Quelle: Christian Charisius/dpa

Der Geruch von eisernen Hanteln, ledernen Sandsäcken und Trainingsschweiß empfing einen jahrelang schon auf dem Vorplatz. Dazu das dumpfe Geräusch, wenn die Faust auf die Pratze klatscht, die lauten, kurzen Anfeuerungen der Trainer. Hinter der Tür zum Universum-Gym erschien dann ein Wimmelbild aus Athleten an Geräten, im Ring oder am Pausentisch. Und dann war dieses Szenario jahrelang aus der Hansestadt verschwunden – bis jetzt.

Vom Stadtrand an den Hafen

Das neue Universum ist ein paar Nummern kleiner und verfügt noch nicht über Weltmeister und Weltmeisterinnen - dafür liegt es direkt am Hafen in Kieznähe und nicht draußen am Stadtrand in Wandsbek. "Universum is back", sagte Hausherr Ismail Özen-Otto, als er Anfang der Woche erstmals wieder mit dem alten Namen für ein Event trommeln konnte, das überregionale Beachtung findet.

Der Hauptkampf der Box-Nacht am 9. November wird live vom ZDF übertragen. Das war das letzte Mal 2010 der Fall. Acht Jahre lang hatte der Sender die Karrieren der Klitschko-Brüder, von Felix Sturm, Regina Halmich, Ina Menzer und vielen anderen begleitet. "Ich habe bei Universum und mit dem ZDF meine schönsten Jahre erlebt", sagte Halmich bei der letzten Übertragung gegenüber zdfsport.de.

Langsames Wachstum und sauberes Boxen

Klaus-Peter Kohl, der Universum 1984 gegründet hatte und 2003 vom renommierten US-Magazin "The Ring" zum "Manager des Jahres" gewählt wurde, gelang es nicht, den Stall auf Weltklasse-Niveau weiterzuführen. Schließlich verkaufte er sein Lebenswerk und sein Nachfolger führte das Unternehmen 2013 in den Konkurs.

Parallel vollzog sich der Niedergang des Boxsports in Deutschland, wo es aktuell keinen einzigen Weltmeister gibt. Mit Hilfe des Traditionsnamens, dessen Nutzung ihm der Insolvenz-Verwalter gestattet, versucht Özen-Otto nun, den alten Ganz wieder aufzupolieren.

"Keine Absprachen, keine Tricks, kein Doping"

"Auch das alte Universum hat mal klein angefangen", sagte Özen-Otto, der Schwiegersohn des Verlagshaus-Chefs Michael Otto, in seinem Trainingsgym. "Unser Ziel ist es, langsam zu wachsen und etwas Neues aufzubauen." Gegen das ramponierte Image des Boxens, das oft mit unlauteren Absprachen in Verbindung gebracht wird, will er ein sauberes Boxen setzen. "Bei uns wird zumindest kein Vertreter des Boxstalls direkt am Tisch der Offiziellen sitzen und ständig die Punktzettel kontrollieren", sagt er. Sauberkeit soll auch durch die freiwilligen Dopingkontrollen demonstriert werden, denen sich alle Kämpfer im Vorfeld unterzogen haben und die den Promotor nach eigenen Angaben 45.000 Euro kosteten.

Kämpfe auf Augenhöhe

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann betont die gleichen Grundsätze des neuen Konzepts: "Wir möchten mit diesem Kampfabend an die Tradition des Profiboxens im ZDF anknüpfen und den Zuschauern authentisches Boxen zeigen. Keine Absprachen, keine Tricks, kein Doping."

Allerdings auch keine Super-Stars - dafür sportlich interessante Kämpfe "auf Augenhöhe", wie Özen-Otto sagt, die tatsächliche Spannung versprechen. Wie der Hauptkampf um den IBO-Intercontinental-Titel im Superleichtgewicht zwischen dem Deutsch-Armenier Artem Harutyunyan und dem Russen Islam Dumanov.

Der 29-jährige Harutyunyan ist Bronzemedaillengewinner der Olympischen Spiele von Rio und mit seinem Bruder Robert das erste Aushängeschild des neuen Konzepts. Die Brüder kamen als Kleinkinder mit ihren Eltern als Asylbewerber aus Armenien nach Hamburg - genau wie die ehemalige Boxweltmeisterin Susi Kentikian. "Eines Tages standen sie im Leistungszentrum Schwerin und sagten, sie wollten Boxer werden", erinnert sich Michael Timm, der den Schweriner Bundesstützpunkt leitet und die beiden dort im Amateurbereich trainierte.

Alte Bekannte als Trainer und Manager

Von Timm führt die Linie zurück ins alte Universum, wo er einst Weltmeister wie Felix Sturm und Ruslan Chagaev formte und Nachfolger der Trainerlegende Fritz Sdunek als Cheftrainer wurde.

Heute werden die Harutyunyan-Brüder vom ehemaligen Weltmeister Arthur Gegorian trainiert, wie Timm ein Sdunek-Schüler, der mit dem ehemaligen Universum-Boxer Juan Carlos das Trainerteam anführt. Als Sportdirektor konnte mit dem "Tiger" Dariusz Michalczewski ein noch prominenterer Name verpflichtet werden.

Ausverkauftes Haus und hohe Erwartungen

Den zweiten Hauptkampf der Box-Nacht zwischen dem 21-jährige Leon Bauer und dem 26 Jahre alte Toni Kraft im Supermittelgewicht können Box-Fans im Anschluss an den Hauptkampf als Aufzeichnung sehen, die weiteren Kämpfe werden ab 21.30 Uhr bei zdfsport.de. gestreamt. Für die TV-Übertragung des Hauptkampfes in der mit 2000 Zuschauern ausverkauften Veranstaltungshalle "Die Kuppel" hofft Özen-Otto, der als Kritiker des türkischen Präsidenten Erdogan gilt, auf einen zweistelligen Marktanteil. Im Februar soll es einen weiteren Kampfabend geben. Danach ist alles offen.

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