Durchatmen erlaubt

EM der Rennsport-Kanuten in Plovdiv

Die deutschen Rennsport-Kanuten waren in der vergangenen Saison bei Olympia so erfolgreich, wie man es von ihnen kennt. Daher lassen sie es im Jahr danach ruhiger angehen. Bei der EM im bulgarischen Plovdiv sind Siege nicht das oberste Ziel.

Viererkajak Frauen
Viererkajak Frauen Quelle: reuters

Sieben Medaillen in zwölf Disziplinen, das war im vergangenen Jahr die Ausbeute der Rennkanuten des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) bei den Olympischen Spielen in Rio. Vier Mal Gold, zwei Mal Silber und ein Mal Bronze hatten sie auf der Lagoa Rodrigo de Freitas gewonnen, mehr als jede andere Nation. Der damalige Cheftrainer Reiner Kießler jubilierte: „Das ist eine Wahnsinnstruppe, ich bin so stolz auf die. Da war eine Harmonie drin, ein Miteinander, das war einfach nur dufte.“

"Olympia war einfach nur dufte"

Aber das war auch viel Arbeit. Auf die Frage, wie die das machen mit den Erfolgen, die Kanuten, sagte der nach den Spielen in den Ruhestand gewechselte Kießler: „Wir trainieren.“ Ach so. Und wie? „Wir machen nicht viele komplizierte Sachen. Die sind sehr fleißig, die stehen sehr zeitig auf, die gehen sehr pünktlich ins Bett, die trainieren viel und die machen das, was die Trainer sagen.“ Ganz einfach. Aber nach Rio haben die Trainer gesagt: Durchatmen. Pause machen. Andere Dinge tun. Familie, Freunde und Beruf pflegen zum Beispiel. Damit der Körper Kraft tanken kann für neue Großtaten.

Entsprechend verhalten hat das Jahr für die deutschen Kanuten begonnen. Bei den Weltcups in Szeged und Belgrad lief noch nicht alles rund, aber zumindest war eine Steigerung vom ersten zum zweiten Wettkampf zu erkennen. Die EM von Freitag bis Sonntag im bulgarischen Plovdiv wird das Team nun aus dem vollen Training heraus bestreiten. Siege sind nicht das oberste Ziel, sondern eine konsequente Vorbereitung auf die Weltmeisterschaften Ende August im tschechischen Racice.

Hitze von Plovdiv ein Problem

„Im Vorfeld der EM haben wir einen harten Grundlagenblock gemacht“, sagte etwa Tom Liebscher (Dresden), Rio-Olympiasieger im 1000-Meter-Vierer der Männer. „Hoffentlich sind wir bei der EM gut, aber selbst wenn wir es nicht sind, werden wir es bei der WM besser machen.“ Bei der EM wird Liebscher den 1000-Meter-Einer fahren und gemeinsam mit Max Rendschmidt (Essen), Ronald Rauhe (Potsdam) und Max Lemke (Mannheim/Sandhofen) im 500-Meter-Vierer sitzen. Der 1000-Meter-Vierer, mit dem die Deutschen in Rio noch einen fulminanten Sieg feierten, wird es bei den nächsten Spielen 2020 in Tokio nicht mehr geben. Künftig ist der 500-Meter-Vierer olympisch.

Max Hoff
Max Hoff - bei der EM nur im Zweier Quelle: imago

1000-Meter-Spezialist Max Hoff (Essen), der in Rio im Vierer seine lang ersehnte Goldmedaille holte, sitzt daher in dieser Saison mit Marcus Groß (Berlin) im Zweier. Dessen ehemaliger Partner Rendschmidt, mit dem er in Rio Gold im Zweier gewann, fährt dafür den 500-Meter Vierer. „Ich brauche in diesem Jahr mal eine Pause vom Einer, und dann blieb da ja nicht so viel, wo ich rein konnte“, sagte Hoff. In Plovdiv machten der Mannschaft im Moment Temperaturen von bis zu 40 Grad die meistern Probleme, so der ehemalige Wildwasser-Weltmeister. „Wir müssen jetzt erst mal mit der Hitze umgehen, und dann wollen wir natürlich vorn mitfahren.“

Hoff braucht Pause vom Einer

Der namhaft besetzte 500-Meter-Vierer hat zuletzt aber nicht viel am Zusammenspiel im Boot gefeilt. „Die individuelle Leistungssteigerung stand im Vordergrund“, erklärte Ronald Rauhe, der in Rio zum fünften Mal bei Olympischen Spielen dabei war und im 200-Meter-Einer mit Platz drei seine vierte Medaille holte. Vor der EM wollte man sich aber noch einmal gemeinsam ins Boot setzen. „Damit wir wieder wissen, wie der Vordermann von hinten aussieht“, scherzte Rauhe.

Die Frauen aus dem Silber-Vierer von Rio wurden zuletzt von Verletzungen und Krankheiten geplagt, waren im Trainingslager vor der EM aber wieder guter Dinge. Lediglich Steffi Kriegerstein verzichtet krankheitsbedingt auf einen EM-Start, stattdessen werden Sabrina Hering (Hannover), Franziska Weber (Potsdam), und Tina Dietze (Leipzig) von der ehemaligen Junioren-Weltmeisterin Katharina Köther (Essen) unterstützt. Weber, die ohne Malaisen durch die Saisonvorbereitung gekommen war, meinte fröhlich: „Ich bringe meine Invaliden schon wieder auf Kurs.“

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