Vieles auf dem Prüfstand

Die Schweizer Fußballfrauen müssen gegen Island umbedingt punkten

Einige Experten hatten die Schweiz schon als Geheimfavorit der Frauen-EM auf der Rechnung. Auf einmal geht es für die Eidgenossen im zweiten Gruppenspiel gegen Island (Samstag ab 17.45 Uhr live ZDF) schon um Alles oder Nichts.

Martina Voss-Tecklenburg
Martina Voss-Tecklenburg Quelle: imago

Wenn Einsicht der erste Weg zur Besserung ist, dann befindet sich die Schweizer Frauen-Nationalmannschaft auf dem richtigen Weg. „Wir alle wissen, dass wir ein größeres Potenzial haben. Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir gewinnen müssen, erklärte Ramona Bachmann, die Topstürmerin vom FC Chelsea. „Wir wollen beweisen, dass wir viel besser“, ergänzte Martina Moser, die gerade von der TSG Hoffenheim zu den FC Zürich zurückgekehrte Mittelfeldspielerin.

Auch an guten Absichten fehlt es also nicht, wenn die Eidgenossen nun am Samstag (18 Uhr/ab 17.45 Uhr live ZDF) zum zweiten Gruppenspiel gegen Island antreten. Für einen der Geheimfavoriten dieser Frauen-EM geht es im Stadion De Vijverberg von Doetinchem, der Heimat von De Graafschap, auf einmal schon um Alles oder Nichts.

Auftaktniederlage ein Albtraum

„Wir müssen alle Energie in dieses Spiel legen und uns der Aufgabe stellen“, fordert Martina Voss-Tecklenburg. Auch die deutsche Nationaltrainerin, die ihr Amt mit so viel Engagement ausübt, hätte kaum gedacht, dass so früh so viel auf dem Prüfstand steht. Ab noch immer wirkt das Desaster vom Dienstag in Deventer nach: Der Schweiz hätte nicht Schlimmeres passieren zu können, als gleich gegen Österreich zu verlieren (0:1). Eine Auftaktniederlage als Albtraum, denn eigentlich wollte sich Österreich doch den Nachbarn zum Vorbild nehmen, was eine nachhaltige Entwicklung im Frauenfußball angeht.

Die Repräsentanten aus beiden Alpenländern, die sich jeweils selbst um die Ausrichtung der EM 2017 beworben hatten, sind Neulinge auf der Bühne, aber eigentlich schienen die Eidgenossen viel, viel weiter. Mehr Frauen und Mädchen, die Fußball spielen, mehr Topspielerinnen im Ausland, bessere Strukturen, professionellere Verbandsarbeit. Nutzte alles nichts im direkten Duell.

Analyse in der Nähe von Arnheim

„Wir haben auf allen Positionen nicht das gezeigt, was es gebraucht hätte, um gegen einen solchen Gegner zu bestehen“, erklärte Voss-Tecklenburg hernach und berichtete von „einer tiefen Enttäuschung.“ Während das Team Austria eine rauschende Party mit Disco-Licht im Bus feierte, steckte die Schweizer Delegation bald im Teamquartier mitten in der Natur in der Nähe von Arnheim die Köpfe zusammen. Zur Ursachenforschung. Und Seelenmassage.

Neun Spielerinnen allein werden in der Frauen-Bundesliga entlohnt – sie kennen die Anforderung, auf den Punkt Topniveau abrufen zu müssen. Oder ist die kräftezehrende Saison ein Ansatzpunkt der Malaise? Ob die Rekordnationalspielerinnen Martina Moser oder Kapitänin Caroline Abbé, Lia Wälti (Turbine Potsdam), Lara Dickenmann (VfL Wolfsburg) oder Ana-Maria Crnogorcevic (1. FFC Frankfurt) – sie alle waren nicht zu wiedererkennen. Ihr Debüt auf der EM-Bühne geriet fast zum Fiasko, so mut- und planlos war der Premierenauftritt. „Es war nicht das Gesicht, das ich von meiner Mannschaft erwartet hatte“, meinte Voss-Tecklenburg.

Eben doch kein Geheimfavorit?

Ramona Bachmann
Ramona Bachmann Quelle: imago

Zuletzt hatte die 125-fache deutsche Nationalspielerin in einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) bekannt: „Ich habe als Spielerin und Trainerin einen Prozess durchgemacht, ich habe die Verbissenheit abgelegt.“ Druck abzugeben und auf andere zu übertragen, sei kein erfolgreicher Weg. Der Aufschwung der Schweiz zu einer Nation, die Bundestrainerin Steffi Jones dem Kreis der Geheimfavoritinnen zuordnete (Voss-Tecklenburg: „Diese Rolle sehe ich noch nicht für uns“), ist eng mit ihr verknüpft.

Nachdem die gebürtige Duisburgerin ihren neuen Job im Februar 2012 antrat, machte sie sich daran, die Basis zu verbessern, die Wahrnehmung zu verändern – und vor allem dem Team ein neues Selbstbewusstsein einzuimpfen. Viele hätten sich die sich die zuvor in der Frauen-Bundesliga beim USV Jena und FCR Duisburg tätige Trainer sogar als Nachfolgerin für Silvia Neid vorstellen können, doch die durchaus streitbare Persönlichkeit war für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) nie ein Thema.

Und ging die ehemalige Chefredakteurin einer Frauenfußball-Illustrierten nicht voll in der Aufgabe für den Schweizerischen Fußballverband (SFV) auf? Der WM 2015 in Kanada, als ihr Ensemble sich im Achtelfinale beim Aus gegen den Gastgeber (0:1) mehr von der Kulisse in Vancouver als vom Gegner beeindrucken ließ, sollte mit der EM in den Niederlanden der nächste Schritt folgen. Nun allerdings kann selbst ein Sieg gegen Island nicht viel nützen. Denn im letzten Gruppenspiel geht es am kommenden Mittwoch gegen Frankreich. Einer der Topfavoriten des Turniers.

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