Die Achse hat noch Unwucht

Vor dem EM-Viertelfinale gegen Dänemark

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Defensiv passabel, offensiv ausbaufähig: Diesen Eindruck gibt die deutsche Frauen-Nationalmannschaft vor dem Viertelfinale gegen Dänemark in Rotterdam (Samstag 20.45 Uhr/ab 20.15 Uhr ZDF) ab. Das hat mit den vier Führungsspielerinnen zu tun.

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1 min
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Video verfügbar bis 31.12.2017, 19:58

So ausführlich wie am Vortag musste Steffi Jones nicht reden: Als die Bundestrainerin am Freitagabend im Het Kaastel von Rotterdam, der Heimstätte von Sparta Rotterdam, die obligatorische Pressekonferenz abhielt, dauerte die Prozedur nicht allzu lange. Die meisten Fragen hatte die 44-Jährige vor dem Viertelfinale ja schon am Vortag im deutschen Teamquartier beantwortet.

"Kompaktes Team"

Eines stellte Jones in dem nur knapp 11.000 Zuschauer fassenden Stadion im Stadtteil Spangen noch heraus: "Dänemark hat sich als Einheit präsentiert, es ist ein kompaktes Team. Sie harmonieren gut, ihr Spiel sieht sehr abgestimmt aus."

Ein Fakt, den die Soutingabteilung nur stützen kann. Zuletzt hatten Assistenztrainer Markus Högner und die Ex-Nationalspielerin Kim Kulig den Gegner im letzten Gruppenspiel gegen Norwegen in Augenschein genommen.

Keine Experimente mehr

Bei der deutschen Frauen-Nationalmannschaft ist die Einheit im Spiel mitunter noch nicht so offensichtlich. Weil bislang alle 20 Feldspielerinnen zum Einsatz kamen, fehlen Automatismen - auch wenn sich Jones gegen diesen Zusammenhang wehrt. Mit der K.o.-Runde ist die Rotation abgeschafft, mehr denn je muss das Grundgerüst funktioniere, das gleichzeitig dem von der Trainerin ernannten Mannschaftsrat entspricht.

Ihre ersten Vertrauten sind die vier Führungsspielerinnen, die dieses Gremium bilden: Torhüterin Almuth Schult (45 Länderspiele), Abwehrchefin Babett Peter (110), Kapitänin Dzsenifer Marozsan (77) und Youngster Sara Däbritz (45). Ansonsten haben nur noch die Mittelfeldspielerin Kristin Demann (13) und Stürmerin Anja Mittag (157) in jeder Partie in der Startelf gestanden.

Almuth Schult der Rückhalt

Die durchwachsenen Auftritte der deutschen Fußballerinnen haben damit zu tun, dass diese Achse noch nicht trägt, weil sie eine gewisse Unwucht aufweist. Verlass ist auf sie ganz hinten: Torhüterin Almuth Schult (VfL Wolfsburg) spielt bislang ein fehlerloses Turnier. Die 26-Jährige war immer zur Stelle, wenn sie gebraucht wurde. Ihre Parade gegen Italien bei einem tückischen Freistoß in der Schlussphase war eine Rettungstat, die als eine der besten EM-Paraden gilt.

Sie strahlt viel Selbstbewusstsein aus. Auch abseits des Platzes. Kein Zufall, dass sie am Freitagabend zur Pressekonferenz entsandt wurde und vor allem vor der dänischen Topstürmerin Pernille Harder, ihrer Vereinskollegin, warnte: "Es gibt eigentlich nichts, was sie nicht kann, sie kann auch immer gefährlich sein. Ich weiß, dass ich besonders aufpassen muss."

Babett Peter eine Stütze

Selbiges gilt auch für Babett Peter. Noch eine, die aus dem Alltag im Werksklub Wolfsburg genau weiß, wie Dänemarks Topstar agiert. Als Abwehrchefin ist die 29-Jährige gesetzt, schnappte sich zweimal den Ball, um Elfmeter gegen Italien (2:1) und Russland (2:0) zu verwandeln. Über die Abschlussschwäche ihrer Vorderleute sagt sie: "Gegen Dänemark bekommen wir nicht so viele Chancen, aber irgendwann wird es wieder klappen."

Ähnliches sagt sich auch Dzsenifer Marozsan. Wieder einmal scheiden sich an der hochveranlagten Technikerin, gerade erst zu Deutschlands Fußballerin des Jahres gekürt, die Geister. Gegen Russland kam sie mit sechs Schüssen und fünf Vorlagen auf elf Torschussbeteiligungen.

Dzsenifer Marozsan unzufrieden

Zudem hatte die Nummer zehn 116 Ballaktionen, spielte 89 Pässe - jeweils Bestwert auf dem Platz - und gewann zudem 92 Prozent ihrer Duelle. Und doch war sie selbst nicht zufrieden. Marozsan meinte: "Ich hatte sehr viele Ballkontakte, da kann auch ein Fehler passieren - aber das war einfach zu häufig."

Sie war nach eigenem Bekunden sogar "müde". Die lange Saison mit Olympique Lyon, veredelt mit drei Titeln, hat Spuren hinterlassen. Jones stärkt ihr bedingungslos den Rücken. "Sie hat einen hohen Anspruch und will etwas Besonderes machen."

Sara Däbritz kann es besser

Mitunter einfacher müsste auch Sara Däbritz spielen. Beim Titelgewinn bei der EM 2013 war sie mit 18 Jahren eine der Entdeckungen - jetzt trägt sie mehr Verantwortung, ist erste Repräsentantin der damals in den Fokus rückenden Generation.

Jones schätzt die Flexibilität an der Mittelfeldspielerin. Aber: Bislang sucht die 22-Jährige vom FC Bayern nach ihrer Rolle in der Raute. Vielleicht würde ihr die Rückversetzung auf die Sechs helfen, dort hat sich indes Demann festgespielt. Auf der Halbposition in der Raute sind ihre Impulse an den Fingern einer Hand abzuzählen.

Immerhin weiß Däbritz, auf was es heute ankommt - sie sagte im ZDF: "Ich schätze die Däninnen sehr stark ein. Sie haben klasse Einzelspielerinnen, schnelle Spitzen und ein gutes Angriffsspiel. Es wird ein schwieriges Spiel, aber wir sind schon heiß drauf."

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