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Klimke: "Mein Herz schlägt für die Vielseitigkeit"

Weltreiterspiele in USA

Das deutsche Vielseitigkeitsteam um Ingrid Klimke ist Titelverteidiger bei den Weltreiterspielen in Tryon im US-Bundesstaat North Carolina. Der Sport, der einst von der Kavallerie entwickelt wurde, hieß früher Military. Inzwischen wird der Dreikampf der Reiter in Deutschland Vielseitigkeit genannt.

Ingrid Klimke auf Hale Bob
Ingrid Klimke auf Hale Bob
Quelle: dpa

In England heißt er Eventing. Die neuen Namen klingen zwar weniger martialisch als das alte Military, dennoch bleibt der Pferde-Triathlon gefährlich.

Seit 1912 olympisch

Diese Reitsport-Diszpilin hat eine lange Tradition. Bereits seit 1912 ist die Vielseitigkeit olympisch. Zudem ist sie fester Bestandteil der seit 1990 bestehenden Weltreiterspiele, die gerade in Tryon im US-Bundesstaat North Carolina ausgetragen werden. Am Donnerstag und Freitag geht es mit der Dressur los, am Samstag folgt die Königsdisziplin, der Geländeritt.

Programm wegen Wirbelsturm geändert

  • Wegen des Sturms "Florence" ist das Programm der Reitsport-WM am Sonntag abgesagt worden. Das bestätigte ein Sprecher des Veranstalters in Tryon. Geplant waren die Dressur-Einzelentscheidung in der Kür und das abschließende Springen der Vielseitigkeit. Von Samstagabend an werden in North Carolina heftige Regenfälle erwartet. Der Geländeritt, die zweite Teilprüfung der Vielseitigkeit, soll im Laufe des Samstags aber noch wie geplant stattfinden. Wann genau die beiden Medaillen-Prüfungen ausgetragen werden, ist derzeit nicht sicher. (dpa)


Das deutsche Team ist Titelverteidiger, muss allerdings ohne seinen Star Michael Jung antreten, dessen Stute Rocana verletzt ist. Dafür nominierte Bundestrainer Hans Melzer Sandra Auffarth mit ihrem Nachwuchspferd Viamant als Einzelstarterin. Angeführt wird das deutsche Quartett von Ingrid Klimke mit Hale Bob. Ihre Teamkollegen sind Julia Krajewski mit Chipmunk, Kai Rüder mit Colani Sunrise und Andreas Dibowski mit Corrida.

Aus "Military" wird "Vielseitigkeit"

Pferde sind Bewegungstiere und galoppieren von Natur aus gern.
Ingrid Klimkle

Die Reiter lieben ihren rasanten Sport, in dem es weitaus weniger Geld zu verdienen gibt als etwa im Springreiten, der aber ungleich gefährlicher ist. Die Disziplin wurde zwar in den vergangenen 20 Jahren nicht nur mit einem neuen Namen versehen, sondern auch deutlich entschärft. Seit Olympia 2004 in Athen sind die zwei Wegstrecken und Rennbahnphase weggefallen. Damit gehen die Pferde frisch auf den Gelände-Parcours, der zudem kürzer ist als früher. Gefährliche Hindernisse sind inzwischen flexibel und geben bei Druck durch die Pferdebeine nach, um Stürze zu vermeiden – ähnlich wie im Springreiten. Zudem sind die Leistungskriterien für die Teilnahme an schweren Wettkämpfen angehoben worden.

Die deutschen Teilnehmer bei der Reit-WM

Es ist viel geschehen, dennoch verunglücken immer wieder Jahr Reiter und Pferde. Und manchmal enden die Unfälle sogar tödlich. Rund 60 Vielseitigkeitsreiter/-innen sind zwischen 1993 und 2016 weltweit ums Leben gekommen, das ermittelte die australische Wissenschaftlerin Denzil O’Brien. Die meisten Todesfälle passieren laut der Studie nach sogenannten „rotational falls“, also nach Stürzen, bei denen sich Pferd und Reiter überschlagen.

Tödliche Unfälle

Das Restrisiko besteht auch, wenn ich mich in ein Auto setzte oder in den Flieger.
Ingrid Klimke

Auf hohem Niveau ereignen sich zwar deutlich weniger Unfälle als bei kleineren Turnieren –  vor allem in Ländern, in denen die Ausbildung der Reiter nicht gut ist. 2014 starb jedoch im niedersächsischen Luhmühlen der talentierte deutsche Nachwuchsreiter Benjamin Winter nach einem Sturz. 2016 verunglückte in Australien die 17-jährige Olivia Inglis tödlich, ihr Pferd Coriolanus wurde eingeschläfert.

Im Juni 2018 erwischte es in Luhmühlen den Wallach Axel der Belgierin Reiterin Chloé Raty, der nach einem Sturz eingeschläfert wurde. Immerhin profitierte Raty von ihrer fortschrittlichen Ausrüstung. Die Reiterin trug eine Airbag-Weste und blieb fast unverletzt, obwohl sie kurzzeitig unter dem Pferd gelegen hatte.

Risiko reitet mit

In Tryon ist die Geländestrecke 5700 Meter lang. Geritten werden muss sie in zehn Minuten. Am Ende geht es nur bergauf, die Pferde brauchen also gute Kondition. An die Unfallgefahr denken die Reiter nicht, wenn sie im Gelände unterwegs sind. Denn Angst wäre ein schlechter Begleiter im Sattel. „Wenn mich das Risiko belasten würde, würde ich nicht reiten“, sagt Ingrid Klimke, die als eine der besten Reiterinnen der Welt gilt. „Das würde mich beeinflussen und sich negativ auf das Pferd übertragen.“ Und: „Das Restrisiko besteht auch, wenn ich mich in ein Auto setzte oder in den Flieger - oder bei anderen Dingen des Alltags.“

Die Gründe, warum sie den Sport so gern ausübt, erklärt die 50-jährige Mutter von zwei Töchtern so: „Mein Herz schlägt für die Vielseitigkeit, weil ich sehr gern im Gelände reite und die Abwechslung mag. Pferde sind Bewegungstiere und galoppieren von Natur aus gern.“ Klimke ergänzt: „Man muss immer aufpassen, dass man konzentriert bleibt.“ Denn das Risiko reitet immer mit.

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