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Tokios langer Schatten

Schwimm-WM | Beckenschwimmen

Sieben Monate nach dem Rücktrittsbeben im DSV hat sich die Stimmung wieder beruhigt. Das liegt auch an der weicheren, freieren Personalstrategie des neuen Teamchefs Bernd Berkhahn – der auf eine Medaillenprognose für die WM-Rennen im Becken verzichtet.

Sarah Köhler
Sarah Köhler
Quelle: dpa

Der lange Schatten von Tokio reichte im vergangenen September bis nach Magdeburg. Langstreckenschwimmerin Sarah Köhler war damals gerade vom Olympiastützpunkt Heidelberg in die Hauptstadt von Sachsen-Anhalt gewechselt. „Zwei Jahre vor den Olympischen Spielen wollte ich noch mal einen neuen Trainingsreiz setzen. Das war definitiv der Hauptgrund“, betont die 25-Jährige im Gespräch mit zdfsport.de.

Schöner Nebeneffekt

Dass ihr Freund Florian Wellbrock damals bereits seit vier Jahren in Magdeburg lebte – damit habe ihr Wechsel „weniger“ zu tun gehabt. „Das ist ein schöner Nebeneffekt. Aber mehr auch nicht“, sagt die gebürtige Hanauerin. Deshalb lebt das Schwimmerpaar nun zwar in derselben Stadt, aber in getrennten Wohnungen. Aus Vorsicht – und wegen Tokio.

„Von 500 Kilometer Entfernung direkt auf einen Haushalt zu switchen – und wenn es dann doch schiefgeht… Man weiß ja nie, was vor Olympia 2020 passiert. Im Zweifelsfall müsste man einen gemeinsamen Haushalt auflösen, und das wollte eigentlich keiner von uns beiden“, erklärt Köhler und erwähnt: „So hat jeder noch seinen Freiraum, das haben wir beide gerne. Deswegen ist eigentlich alles gut. Und es kommt selten vor, dass wir die Abende getrennt verbringen.“

Gold im Teamwettbewerb

Gemeinsam haben die beiden Dauerkrauler auch ihr Programm bei der WM in Südkorea: Nach jeweils einem Start im Freiwasser – bei dem Wellbrock auf der olympischen Zehn-Kilometer-Strecke triumphierte, während Köhler am Donnerstag mit Gold im Teamwettbewerb überraschend nachzog – geht es nun von der Küstenstadt Yeosu ins Landesinnere. Zu den Wettkämpfen der Beckenschwimmer in Gwangju – wo die beiden jeweils über 800 und 1500 Meter Freistil starten.

Freiwasser-Weltmeister Wellbrock, im Vorjahr Europameister über 1500 Meter mit der viertschnellsten je geschwommenen Zeit und Dritter über 800 Meter, tritt dabei als der DSV-Kandidat mit den größten Medaillenchancen an. Am Edelmetall kratzen oder womöglich auch danach greifen dürften neben der Lebensgefährtin des 21-Jährigen am ehesten Philip Heintz (200 Meter Lagen), Franziska Hentke (200 Meter Schmetterling) und Marco Koch (200 Meter Brust).

Berkhahns Doppelrolle

Die acht WM-Tage im Pool erstmals als Abteilungsleiter überwacht Bernd Berkhahn. Als Teamchef und zugleich Heimtrainer von Topschwimmern wie Wellbrock, Hentke und Köhler agiert der 48-Jährige in einer Doppelrolle. Aus dem Werk seines Vorgängers, dem vor sieben Monaten zurückgetretenen Chefbundestrainer Henning Lambertz, kassierte er als erstes die strengen Normen ein. Zudem räumte er den Heimtrainern mehr Freiheiten ein.

Lambertz monierte zuletzt, momentan dürfe im nationalen Schwimmsport jeder trainieren wie er wolle und warnte: „Insellösungen sind Zufallsprodukte.“ Im Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ platzierte Thomas Kurschilgen, Leistungsportdirektor im DSV, einen scharfen Konter: Er bemängelte, unter Lambertz habe es „eine extreme Polarisierung im Trainerteam“ gegeben – und „eine gnadenlose Konzeptdoktrin, an der sich nur wenige orientieren wollten“.

Koch nutzt Freiheiten

Nun soll es im deutschen Schwimmsport wieder gnädiger zugehen. Medaillenprognosen für die WM gibt Teamchef Berkhahn keine ab. Lieber erwähnt er, dass Deutschland im internationalen Vergleich – etwa mit den USA – trotz gemilderter Normen weiterhin eine höhere Messlatte anlege. Und nennt als positives Beispiel Brustschwimmer Marco Koch.

„Er konnte in diesem Jahr sehr früh die WM-Norm unterbieten. Damit hatten er und seine Trainerin Shila Sheth in Frankfurt die Möglichkeit, eine langfristige Vorbereitung für die Weltmeisterschaft zu gestalten – auch eine Art von Freiheit“, argumentiert Berkhahn. Ganz im Sinne seiner Magdeburger Schülerin Sarah Köhler.

Auf einem guten Weg

Nach den kurz aufeinander folgenden Rücktritten von Präsidentin Gabi Dörries und Chefcoach Lambertz, habe es „natürlich erst mal ein bisschen Unruhe“ unter den Sportlern gegeben. „Viele Athleten“, erzählt Köhler, „fragten sich: Wie geht es jetzt weiter?“ Mittlerweile sei aber wieder Ruhe eingekehrt, erwähnt die EM-Zweite über 1500 Meter Freistil von 2018 und betont: „Ich glaube, mit den jetzigen Maßnahmen sind wir auf einem guten Weg.“

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