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Karl Geiger: Hoffnungsträger aus der zweiten Reihe

67. Vierschanzentournee ab Samstag live im ZDF

Aus der zweiten Reihe in die Rolle des Mitfavoriten: Bei der Vierschanzentournee ruhen die größten deutschen Hoffnungen auf Karl Geiger. "Ich springe so gut wie noch nie", sagt dieser vor dem Auftakt in seinem Heimatort.

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27.12.2018

17 Jahre warten die deutschen Skispringer jetzt schon auf einen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee. Ab Samstag starten die DSV-Adler den nächsten Versuch. Und ZDF-Experte Toni Innauer hat eine Idee, wer den Bann endlich brechen könnte: Aufsteiger Karl Geiger. "Vielleicht muss ja ein Oberstdorfer her", sagt Innauer.

In Karl Geigers Heimat Oberstdorf geht am Wochenende (Qualifikation am Samstag und Springen am Sonntag live im ZDF) der so eminent wichtige Auftakt der 67. Vierschanzentournee über die Bühne.

Vom Fan zum Hoffnungsträger

Geiger war schon als Kind regelmäßig beim Auftaktspringen als Fan an der Schattenbergschanze. Lebhaft erinnert er sich an die Erfolge von Martin Schmitt, der zwischen 1998 und 2000 dreimal in Serie am Schattenberg triumphierte: "Das war schon ziemlich cool damals", sagt Geiger.

Vor dieser Tournee ist der 25-Jährige nun selbst der größte Hoffnungsträger der deutschen Skispringer. Und sein einstiges Idol Martin Schmitt traut ihm beim Skisprung-Grand-Slam einfach alles zu: "Wer bei der Generalprobe in Engelberg gewinnt, kann auch die Tournee gewinnen", sagt Schmitt.

Zeitplan und Fakten zur Tournee

Aus der zweiten Reihe

Die diesjährige Ausgangslage im deutschen Team erinnert Fachmann Schmitt "ein bisschen an die der Österreicher – die hatten bei der Tournee auch eine lange Durststrecke wie die Deutschen heute. Und dann hat nicht einer der Stars wie Thomas Morgenstern oder Gregor Schlierenzauer den Bann gebrochen, sondern mit Wolfgang Loitzl ein Mann aus der zweiten Reihe", sagt Schmitt.

Genau zehn Jahre ist das her, dass ÖSV-Adler Loitzl den ersten Austria-Tourneegesamtsieg nach einer neunjährigen Durststrecke holte. Die Deutschen warten inzwischen seit 17 Jahren auf einen neuerlichen Triumph.

Auch Schuster hofft auf Geiger

Eine verflixte Situation auch für Bundestrainer Werner Schuster, der in seiner Ära als Bundestrainer seit 2008 ansonsten alle anderen wichtigen Titel gewonnen hat.

Auch Schuster kann der Idee eines deutschen Gesamtsiegers aus der zweiten Reihe etwas abgewinnen: "Das würde ganz gut passen, wenn man so lange auf einen Tournee-Gesamtsieg wartet und dabei immer an die Namen Wellinger, Freund oder Freitag denkt. Und am Ende schafft es jemand ganz anderes", sagt Schuster - und ergänzt: "Aber sowas kann man nicht herbeireden, das muss einfach passieren."

Olympia als Knotenlöser

Passiert ist bei Karl Geiger in den letzten Monaten so allerlei Überraschendes. Im Februar gehörte der großgewachsene Allgäuer zum deutschen Team, das in Pyeongchang Olympia-Silber im Mannschaftswettbewerb gewann. Das war so etwas wie der Knotenlöser für den eher introvertierten Mann, der zuvor immer im Schatten seiner prominenten Teamkollegen stand.

Mit Platz zwei in der Gesamtwertung des Sommer-Grand-Prix deutete Geiger seine neuen Ambitionen an, ehe er sich nun im Winter endgültig in der Weltspitze etabliert hat.

Großer Schritt nach vorne

"Karl hat noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht – sportlich, genauso wie im Kopf und in der Entwicklung seiner Persönlichkeit", lobt Bundestrainer Werner Schuster.

Genau wie der zweite deutsche Aufsteiger Stephan Leyhe habe Geiger durch Olympia-Silber die Sicherheit, in der Skisprung-Karriere nicht mit leeren Händen dazustehen: "Das hat beiden einen riesigen Boost gegeben und die sportliche Hierarchie im deutschen Team auf den Kopf gestellt."

Erster Sieg bei Tournee-Generalprobe

Geiger landete in den letzten drei Weltcup-Springen vor Tournee-Beginn jeweils unter den besten Fünf und feierte bei der Tournee-Generalprobe in Engelberg seinen ersten Weltcup-Sieg.

So ist er nun statt der zuletzt formschwachen Olympiasieger Andreas Wellinger und Comeback-Mann Severin Freund sowie des körperlich angeschlagenen Richard Freitag die zarte deutsche Hoffnung auf den langersehnten Tournee-Sieg.

Gegenentwurf zu Stoch und Co.


ZDF-Experte Innauer kennt die Stärken Geigers, die ihn von den Topfavoriten unterscheiden: "Karl Geiger ist der Gegenentwurf zu den leichten Springern wie Ryoyu Kobayashi oder Kamil Stoch und macht den großgewachseneren Springern wieder Hoffnung. Er hat eine unheimlich gute Absprungkraft, eine stabile Technik, ist ein guter Wettkampftyp und bringt die Konstanz mit, um einen Wettbewerb wie die Tournee zu gewinnen", weiß Innauer.

Der Familienname Geiger ist im deutschen Skisport jedenfalls gleich in mehreren Disziplinen das Synonym für Weltklasse. Bei den Winterspielen in Südkorea gehörten auch Slalom-Spezialistin Christina Geiger und der Nordische Kombinierer Vinzenz Geiger zum deutschen Aufgebot. Letzterer wurde sogar Team-Olympiasieger. "Ich glaube, Vinzenz ist mein Groß-Groß-Groß-Cousin. Mit Christina bin ich meines Wissens nicht verwandt", berichtet Karl Geiger mit einem Grinsen.

Bodenständig und fokussiert

Seine engste Familie ist der große Rückhalt des Fliegers Geigers, der neben dem Spitzensport auch noch ein Studium der Energie- und Umwelttechnik absolviert. "Das Studium ist mein zweites Standbein und eine Absicherung für später", sagt der 25-Jährige. Klingt genauso bodenständig, wie Karl Geiger nun mal ist.

Mit dieser Einstellung geht der DSV-Adler auch in die Vierschanzentournee, obwohl er zu den Mitfavoriten zählt. "Ich kann doch entspannt in die Tournee starten, weil ich so gut wie nie zuvor springe. Außerdem haben wir viele gute Springer im Team", sagt Geiger und fügt hinzu: "Natürlich ist es ein Ziel von uns, dass wir die Tournee nach so langer Zeit mal gewinnen. Aber das Wichtigste ist, dass wir unser Zeug machen." Genau das hat auch Sven Hannawald immer gesagt. Als er sich vor 17 Jahren zum letzten deutschen Tournee-Gesamtsieger krönte.

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