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Der Silberstreif wird größer

Deutsche Wasserballer mit erhobenem Haupt aus dem Medaillenrennen

Deutschlands Wasserballer verpassen mit dem 8:10 gegen Weltmeister Kroatien das Halbfinale und spielen bei der WM nun um die Plätze fünf bis acht. Die Zuversicht für Olympia 2020 ist bei dem Turnier in Südkorea allerdings schon etwas gewachsen.

Die deutschen Wasserballer bei der WM in Südkorea.
Die deutschen Wasserballer bei der WM in Südkorea.
Quelle: dpa

Deutschlands Wasserballer sind kontaktfreudige Menschen, entsprechend gut informiert sind sie daher meist über die Lage bei den anderen Nationalteams. Von den Niederländerinnen, die im Gegensatz zu ihren männlichen Kollegen bei der WM in Südkorea dabei sind, wissen sie zum Beispiel, dass diese bereits sechs Tage vor Turnierbeginn angereist sind. Und dass sie das mittlerweile bereuen.

Den Weltmeister genervt

"Sie haben mir gesagt, sie halten es nicht mehr aus", erzählt Hagen Stamm im Gespräch mit zdfsport.de. Dann berichtet der Bundestrainer von den eigenen Erfahrungen im Athletendorf, wo er sich in Sachen Umweltschutz "in die Steinzeit zurückversetzt" fühlt: Dort gebe es zu den Mahlzeiten kein Stück Porzellan, nur Plastikbesteck. Und keine Messer. "Beim Frühstück", erwähnt Stamm, "streichen wir unsere Brötchen mit Löffeln und Gabeln".

Generell sei die Verpflegung bei den Titelkämpfen "nichts für kulinarische Spezialisten" - aber seine Mannschaft sei ja bekanntlich leidensfähig. Das bewiesen die WM-Rückkehrer nach sechs Jahren Abstinenz auch am Dienstag wieder, als sie Weltmeister Kroatien beim 8:10 gehörig auf die Nerven gingen.

Glück und Können

Zwar verpasste die DSV-Auswahl damit wie erwartet das Halbfinale und spielt nun am Donnerstag gegen Serbien (7 Uhr MESZ, im ZDF-Livestream) und Samstag um die Plätze fünf bis acht. Doch die Zuversicht, im nächsten Jahr erstmals seit 2008 wieder bei Olympia dabei zu sein, ist in Gwangju gewachsen.

"Auf unserem Weg ins Viertelfinale war ein bisschen Glück dabei, aber auch Können", betont Stamm. Die entscheidenden Stationen für das Ticket nach Tokio sind die EM im Januar in Budapest und ein Qualifikationsturnier Ende März in Rotterdam. "Es zu den Spielen zu schaffen, ist noch immer eine Herkulesaufgabe für uns", sagt der Chefcoach: "Aber der Silberstreif am Horizont ist größer geworden."

Stamms Seufzer

Frisch eingetrübt ist dagegen die Hoffnung des 59-Jährigen, dass einige der jüngeren Nationalspieler in der nächsten Bundesligasaison bei Vizemeister Waspo Hannover die notwendigen Einsatzzeiten bekommen. Für den 13er-Kader für die WM musste er mit Fynn Schütze und Reiko Zech, der wegen einer langwierigen Thrombose im Bein zuletzt über ein halbes Jahr pausierte, bereits zwei Akteure streichen, weil sie bei Hannover international zu wenig Spielpraxis bekommen hatten.

"Leider kriegen die ausländischen Spieler dort immer noch den Vorzug. Aber das soll im nächsten Jahr besser werden", erklärte Stamm am Tag vor seinem Abflug zur WM. Sechs Tage später verpflichtete Waspo den russischen Weltklassespieler Ivan Nagaev (25). "Hannovers Trainer Karsten Seehafer hat mir persönlich zugesichert, die deutschen Spieler stärker zu berücksichtigen. Und dann holt er den Nagaev", seufzt der Bundestrainer nun in Südkorea.

Hemd schlägt Jacke

Am Tag, nachdem die prominente Personalie bekannt worden war, verpflichtete allerdings auch Meister Spandau 04 mit dem 27-jährigen Dmitri Cholod einen russischen Nationalspieler. Stamm, Präsident des Berliner Klubs, kündigt deshalb verteidigend an: "Wir werden damit sorgfältig umgehen. Ich bin Präsident und Bundestrainer, aber da ist mir das Hemd näher als die Jacke - und der Präsident wird in diesem Fall in den Hintergrund treten."

Die Rivalität zwischen Spandau und Hannover strahlt jedenfalls weiterhin auch in die Nationalmannschaft hinein. Wie schon im Zusammenhang mit dem Doppelstartrecht, das im deutschen Wasserball inzwischen gilt. Dieses ermöglicht speziell jungen Spielern, mit den Besten zu trainieren - und bei einem anderen Verein zugleich in die Rolle eines Leistungsträgers zu kommen.

Zum Glück gezwungen

"Das ist eine tolle Chance und sinnvolle Sache - gegen die Waspo Hannover am Anfang ja auch geschimpft hat. Bis der DOSB und der DSV sie gezwungen haben, das Zweitstartrecht mit den White Sharks in Hannover einzuführen", erwähnt Hagen Stamm. "So wie wir es in Berlin mit dem OSC Potsdam machen. Und plötzlich ist das Zweitstartrecht toll." Erkenntnis: "Manchmal muss man eben zu seinem Glück gezwungen werden."

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