Raelert: Ein neuer Rekord ist möglich

Triathlet Andreas Raelert im ZDF-Interview

Fünfmal stand Andreas Raelert beim Ironman Hawaii schon auf dem Podium, 2015 wurde er hinter Jan Frodeno Zweiter. In diesem Jahr muss der Triathlet verletzungsbedingt verzichten. Dafür steht er dem ZDF als Co-Kommentator zur Verfügung.

Triathlet Andreas Raelert
Andreas Raelert Quelle: ZDF

ZDFSport: Jan Frodeno könnte der dritte Athlet sein, dem der Titelhattrick auf Hawaii gelingt. Welche Bedeutung hätte dies für die Szene?

Andreas Raelert: Jan könnte deshalb der Titelhattrick gelingen, da er sich im Vergleich zu den anderen Jahren ausschließlich auf dieses Rennen konzentriert hat. Es ist ihm gelungen, eine für sich boomende Sportart, noch einmal auf ein neues Level zu heben und ihr ein Gesicht zu verleihen - nicht nur national, sondern weltweit. Das ist vor ihm noch keinem Athleten in dieser Form gelungen.

Kann man in diesem Jahr mit einer Zeit unter acht Stunden spekulieren? Was braucht es dazu?

Raelert:
Das hängt natürlich von äußeren Bedingungen wie dem Wind und der Hitze ab. Wenn wir milde Bedingungen haben und einen aggressiven Rennverlauf erleben, bei dem vom ersten Meter an nicht gepokert wird, dann könnte der Rekord in diesem Jahr fallen.

Ist Sebastian Kienle nach wie vor Frodenos größter Konkurrent?

Raelert:
Kienle weiß, was er benötigt um sich im Grenzbereich durchzusetzen. Neben seinen herausragenden physischen Leistungen hat er sich nicht nur auf dem Rad, sondern auch im läuferischen Bereich stark verbessert. Sebastian verfügt über die alles entscheidende Willensstärke und Leidensbereitschaft, um sich gegen jeden Athleten durchsetzen zu können.

Es wird sicherlich einige Athleten geben, die alles aufs Spiel setzen und versuchen werden eine "Anti-Frodeno-Taktik" zu laufen – wie könnte das aussehen?

Raelert: Sebastian hat dieses Rennen schon gewonnen und hat mit seinem beeindruckenden Sieg beim Ironman Frankfurt in diesem Jahr gezeigt, dass ihn seine gewohnte Radstärke gepaart mit einer stark verbesserten Laufform zum heißesten Anwärter auf den Sieg macht. Sebastian hat selbst angekündigt, nicht zu taktieren und ist bereit, auch über sein Limit zu gehen. Genau diese Bereitschaft benötigt es, um auf Hawaii zu gewinnen. Genau wie bei Lionel Sanders, der ähnliche Eigenschaften mit sich bringt, wird es darauf ankommen, den zu erwartenden Rückstand im Schwimmen zu begrenzen und auf der ersten Radhälfte nicht zu überziehen. Mit unserem Vorjahresdritten Patrick Lange, verhält es sich etwas anders. Wenn er es schafft, den Erwartungsdruck zu kompensieren und hoffentlich in positive Energie um zu wandeln, dann sollte Patrick in der hektischen Anfangsphase nicht zu viel Energie verschwenden um seiner absoluten Waffe, dem Marathon, die nötige Schärfe zu verleihen.

2014 hat Kienle in Kona gewonnen, dann kam Frodeno. Wie richtungsweisend ist das Rennen für seine Karriere, um nicht im Schatten Frodenos zu bleiben?

Raelert: Sebastian wird unabhängig von seinem Ergebnis auf Hawaii immer für sich scheinen, ohne dass sich ein Schatten auf ihn wirft. Man muss nicht nur gewinnen, um zu scheinen. Sebastians Strahlkraft geht weit über den Triathlon hinaus.

Wo kann Kienle Frodeno knacken?

Raelert: Wenn er sich auf der ersten Marathonhälfte etwas zurück nimmt, dann ist er auch in der Lage an die 2:40 Stunden heranzulaufen. Wenn Sebastian das Ego bis zum EnergyLab (zweiter Wendepunkt und entscheidende Stelle beim Marathon. Anm. d. Redaktion) bändigen kann, dann hat er alle Trümpfe - auch im Laufen - in der Hand.

Patrick Lange wurde bei seinem Hawaii Debüt 2016 starker Dritter. Lange hat wohl den geringsten Druck – ist das der große Vorteil?

Raelert: Patrick ist 2016 auf Hawaii mit dem Titel „Nordamerikanischer Gewinner“ angereist, und wusste, dass er unter ähnlichen Bedingungen zu außergewöhnlichen Leistungen fähig ist. Er ist daher schon auf Hawaii mit einer sehr großen eigenen Erwartungshaltung gestartet und hat diese erfüllt. Patrick kann also mit Druck umgehen.

Wie schwierig ist die Folgesaison für einen „Rookie“ auf Hawaii?

Raelert: Nach den verletzungsbedingten Problemen im Frühjahr sehe ich sein Abschneiden bei seinem Heimrennen, dem Ironman Frankfurt, als große Hilfe für ihn. Dort musste Patrick etwas Lehrgeld zahlen und die Kehrseite eines Ironmans kennenlernen. Diese harte Erfahrung hat ihm geholfen, dass es niemals ein Spaziergang sein wird, sich mit der Weltspitze zu messen.

In wiefern wird seine Laufstärke die Taktik der Konkurrenz in diesem Jahr beeinflussen?

Raelert: Ich glaube, dass der Hauptfokus auf Jan liegen wird, was Patrick etwas Raum verschafft, seine Karten lange zu verbergen. Neben Patrick gibt es noch eine Handvoll Athleten, die läuferisch in ähnliche Dimensionen vorrücken können. Für Spannung ist bis zum Schluss definitiv gesorgt.

Der Triathlon-Sport in Deutschland hat in letzten zehn Jahren einen echten Aufschwung erlebt. Sponsoren klopfen an und Triathlon wird nun auch regelmäßig im Fernsehen übertragen. Geht es dem Triathlon-Sport so gut wie nie?

Raelert: Neben dem anhaltenden Boom in der Sportart, dem stetig steigenden öffentlichen Interesse und der weiteren Professionalisierung empfinde ich es als sehr angenehm, dass die Grundtugenden, die diese Sportart auszeichnen, weiter erhalten geblieben sind. Deshalb geht es dem Triathlon so gut wie nie.

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