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Steckt die FIA hinter dem rätselhaften Ferrari-Leistungsverlust?

GPS-Daten des Ferrari-Konkurrenten Renault zeigen: Seit dem Singapur-GP haben die Roten ihren Power-Vorteil verloren. Musste das Vettel-Team auf Anweisung der FIA etwas ändern?

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel
Quelle: dpa

Vor sechs Wochen in Spa, da zog Sebastian Vettel in der ersten Runde auf der langen Geraden locker an Lewis Hamilton vorbei. Zuletzt in Sotschi hatte er auf der sehr langen Anfahrt zur ersten Kurve keine Chance, die Mercedes wirklich in Gefahr zu bringen. Und als Hamilton, nach dem Boxenstopp hinter den Ferrari zurückgefallen, attackierte, hatte Vettel keine echte Möglichkeit zur Gegenwehr.

Power verschwunden

Szenen, die belegen, dass das, was Konkurrent Renault aus den eigenen GPS-Daten herausliest, offenbar stimmt: Es gibt einen rätselhaften Power-Verlust bei Ferrari. Die wundersame Leistungsexplosion in dem Moment, in dem der Vortrieb nicht mehr durch die Traktion, sondern rein von der Motorleistung bestimmt wird, im Beschleunigungsbereich etwa zwischen 180 und 260 km/h, die zeitweise drei bis fünf Zehntel pro Runde brachte, ist seit dem GP Singapur verschwunden.

Offiziell will niemand etwas wissen. Sebastian Vettel stellt sich, auf das Thema angesprochen, eher dumm: "Das wäre mir neu", behauptete er in Sotschi, jetzt in Japan meinte er: "Wir haben in Russland doch in den Kurven mehr Zeit verloren als auf den Geraden." Was zwar rein zahlenmäßig richtig ist - aber auch relativ einfach zu erklären: Bei weniger Power hätte Ferrari mit weniger Abtrieb fahren müssen, um auf den Geraden überhaupt noch eine Chance zu haben - und darunter leidet dann natürlich das Fahrverhalten in den langsamen Kurven.

Hat die FIA Ferrari "eingebremst"?

Die Frage ist - was steckt dahinter? Hat Ferrari selbst erkannt, dass man vielleicht doch die Motoren überlastet, Schäden riskiert, nicht mit dem dritten und letzten erlaubten Triebwerk bis zum Saisonende käme.

Oder stimmt das, was offiziell alle Beteiligten dementieren, was aber Insider mit jahrzehntelanger Formel-1-Erfahrung und guten Kontakten zu FIA und Co. durchaus für möglich halten, ohne es offen auszusprechen: Dass es trotz aller öffentlichen Beteuerungen, am Ferrari sei alles legal, eine interne Warnung an die Roten gab, etwas zu ändern, bevor es richtig Ärger gebe.

Zwei Batterien

Kimi Räikkönen
Kimi Räikkönen
Quelle: zdf

Was man aus FIA-Kreisen hört: Dass seit "einiger Zeit" - auf ein genaues Datum will sich niemand festlegen - bei allen Autos mit Ferrari-Antrieb ein zweiter, zusätzlicher Sensor eingebaut wurde, der den Energiefluss misst. Weil Ferrari ja als einziges Team nicht nur eine, sondern zwei Batterien als Energiespeicher einsetzt.

In Spa waren gerade aus Mercedes-Kreisen die Andeutungen, man habe das Gefühl, dass da bei Ferrari etwas nicht mit rechten Dingen zuginge, doch deutlich hörbar, auch wenn auf direktes Nachfragen immer wieder zurück gerudert wurde. Da hatte die FIA noch einmal erklärt, bei den Roten sei alles legal, die maximal erlaubten Energiemengen aus den Elektro-Speichern würden nicht überschritten - an dem Punkt hatten ja die Zweifel seit längerem angesetzt.

Gezielte "Warnungen" - nichts Neues

Bei Renault weiß man, dass die Konkurrenz die FIA schon "angeschoben" habe, etwas zu dem Thema zu unternehmen. Man habe nachweisen können, dass mit der alten Methode der Energiefluss nicht zweifelsfrei zu messen war.

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu stehen, musste das Messverfahren verfeinert werden. Der Einfluss gerade von Mercedes bei der obersten Sportbehörde ist hoch, das zeigte sich in den letzten Jahren immer wieder.

In der Grauzone?

Und sollte Ferrari tatsächlich in einer dunklen "Grauzone" des Reglements operiert haben und man dem von Seiten der Kontrolleure vorher nicht auf die Schliche gekommen sein, dann wäre ein solches "wir unternehmen nichts, aber ihr lasst das bitte in Zukunft" ein Weg für alle, das Gesicht zu wahren - auch wenn es dem WM-Titelkampf nicht wirklich gut tut.

Es wäre nicht das erste Mal in der Formel-1-Geschichte, dass in einer laufenden Saison durch offene oder auch verdeckte Warnungen Teams dazu gebracht wurden, nachträglich als "nicht legal" deklarierte Vorteile oder auch ganz klare Unsauberkeiten abzustellen. Der berühmte "Staubsauger-Brabham" aus dem Jahr 1978 fällt unter die erste Kategorie, auch wenn Bernie Ecclestone, damals Brabham-Teamchef, heute noch behauptet, man habe das Auto damals "freiwillig" eingemottet, "damit die anderen nicht so viel Geld ausgeben müssen".

Verbotene Halbautomatik

1994 entdeckte man in Suzuka, im vorletzten Saisonrennen, eine verbotene Halbautomatik im Benetton von Michael Schumacher. Es gab keine Disqualifikation, aber Benetton musste bis zum Finale in Australien das Getriebe ändern. Die Geschichte kam erst viel später heraus, erklärte aber nachträglich, warum Schumacher und Benetton damals in Adelaide so viele Probleme hatten, ihrer Favoritenrolle gegen Damon Hill und Williams gerecht zu werden und die WM schließlich per Crash entschieden wurde.

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