Alonso: Flucht in den "Nudeltopf"

McLaren-Pilot startet in Indianapolis - nicht in Monaco

Statt beim Formel-1-Highlight des Jahres in Monaco startet der zweimalige Weltmeister Fernando Alsonso am Sonntag beim US-Motorsportklassiker schlechthin, den 500 Meilen von Indianapolis.

Fernando Alonso
Fernando Alonso versucht sich beim Klassiker in Indianapolis. Quelle: ap

Den prestigeträchtigsten Grand Prix des Jahres auslassen, dafür einen Start auf ungewohntem Terrain im "Nudeltopf“ von Indianapolis riskieren - und das mit voller Rückendeckung des eigenen Teams: Ungewöhnlich ist es schon, was Fernando Alonso da an diesem Wochenende macht. Aber bei McLaren-Honda ist man überzeugt: "Es tut ihm gut, als Ausgleich dazu, dass in der Formel 1 im Moment bei uns noch nicht viel möglich ist.“ Vor allem deshalb natürlich, weil die Japaner ihren Motor bis jetzt immer noch nicht zum Laufen bekommen haben. Und für das Team, das anstelle von Alonso für dieses eine Rennen Jenson Button aus dem Ruhestand zurückholt, bringt die Aktion ja auch PR: Schließlich läuft der Indy-Start des Spaniers auch unter der Marke "McLaren-Honda“, selbst wenn er eigentlich im Andretti-Team stattfindet.

Siegerpokal beim Indy Car 500
Es gibt durchaus kleinere Pokale als die Borg-Warner-Trophy. Quelle: imago

Den Siegerpokal von Indianapolis, die berühmte Borg-Warner-Trophy, hat sich der Spanier gleich zu Beginn seines USA-Ausflugs schon einmal angeschaut: "Der ist richtig schön groß, ganz toll. Den hätte ich gerne in meiner Sammlung.“ Im letzten Jahr gewann ja mit Alexander Rossi auch ein Rookie die 500 Meilen. Inspiration und Mutmacher für Alonso? "Man kann das nicht so einfach sagen. Nur weil das da geklappt hat, muss es nicht auch für mich klappen.“

Siegchancen durchaus vorhanden

Sein Ziel müsse es sein, "den notwendigen Speed zu finden, konkurrenzfähig zu sein, "um dann im entscheidenden Moment die Umstände ausnützen zu können. Es muss alles passen, um dieses Rennen zu gewinnen.“ Zumindest im Qualifying, das am letzten Sonntag stattfand, bewies er diesen Speed aus Anhieb schon einmal. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von sage und schreibe 372,241 km/h über vier Runden landete er auf Platz fünf von 33 Startern. Ohne ein kleines technisches Probleme wäre sogar die erste Startreihe sehr wahrscheinlich gewesen.

Natürlich wolle er den Erfolg, "aber gleichzeitig möchte ich die ganze Erfahrung auch genießen. Indy ist einzigartig und magisch, mit keinem anderen Rennen zu vergleichen. Darauf freue mich mich wahnsinnig.“ Kleine Spitzen in Richtung seiner gegenwärtigen Formel-1-Saison kann er sich freilich nicht verkneifen: "Die Chance, die Indy 500 zu gewinnen, ist für mich auf jeden Fall größer als in diesem Jahr mit McLaren noch einen Grand Prix zu gewinnen." Die Statistik spricht nicht unbedingt gegen ihn: Schon sieben Mal in der Indy-Geschichte startete der spätere Sieger von Platz fünf.

Höheres Risiko in Indianapolis

Dafür nimmt er auch erhöhtes Risiko in Kauf. "Hoffentlich tut er sich dort nicht weh“, fürchtet der Schweizer Ex-GP-Pilot und TV-Experte Marc Surer. "Vor allem, wenn er dann mit ein bisschen Gewalt noch das letzte bisschen herausholen will - ohne die Erfahrung zu haben.“ Nelson Piquet etwa bezahlte in den Neunziger Jahren einen Ausflug nach Indianapolis einmal mir schweren Beinbrüchen. Auch heute sind die Gefahren auf den Ovalen generell immer noch deutlich größer als in der Formel 1, der Sicherheitsstandard eher geringer. Sébastien Bourdais, 2008 bei Toro Rosso Teamkollege von Sebastian Vettel, erlitt letzten Samstag bei einem Crash Hüft- und Beckenbrüche.

Aber man merkte Alonso im Vorfeld trotzdem in jedem Moment, bei jedem Wort, an: Das Eintauchen in eine neue Welt bringt ihm eine Menge Spaß - gerade als Flucht aus der derzeit erfolglosen und frustrierenden Routine der Formel 1. Dass seine Entscheidung, nach Indianapolis zu gehen, in den USA einen gewaltigen Effekt hatte, macht ihn sichtlich auch ein bisschen stolz. Als er im April in Alabama zur Einstimmung ein IndyCar-Rennen besuchte, bekam er zwar "nur etwa die Hälfte des Rennens mit. Die andere Hälfte der Zeit musste ich Interviews geben. Aber die TV-Einschaltquoten waren 50 Prozent höher als normal.“ Die Zeiten, in denen er in den USA anonym und unerkannt Urlaub machen konnte, sind freilich auch vorbei. "Früher konnte ich mich überall frei bewegen, keiner hat mich gekannt. Diesmal hatte ich das Gefühl, ich bin in Spanien. Auf den Flughäfen hat mir jeder die Hand geschüttelt, um ein Autogramm gefragt und mir viel Glück gewünscht.“

Die Zukunft des Autos, das er in Indianapolis fahren wird, ist auch schon verplant: "Das kommt in mein Museum - wie alle Autos, die ich seit 2004 gefahren bin. Das habe ich immer in meinen Verträgen stehen.“ Der 2017er-McLaren dürfte ihm dort später einmal weniger Freude bereiten.

Der Große Preis von Monaco

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