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Formel 1 uneins über neues Regelwerk

Das Grand-Prix-Wochenende in Österreich hätte eigentlich der Stichtag für die Entscheidung übers Formel-1-Reglement ab 2021 sein sollen. Zuletzt wurde die Verabschiedung jedoch bis Oktober verschoben. Vor allem in Sachen technisches Reglement herrschen noch erhebliche Differenzen.

Formel 1: Vor dem Großen Preis von Österreich in Spielberg
In Spielberg startet am Sonntag das neunte Saisonrennen
Quelle: dpa

 

Weil jetzt viele Ingenieure gerade der großen Teams glauben, dass viele der bereits seit 18 Monaten diskutierten Änderungen, die vor allem aus Kostengründen in einigen Bereichen Standardteile vorsehen,  zu sehr in Richtung Einheitsauto gehen würden. Davon ganz abgesehen, dass immer deutlicher zu werden scheint, dass sich angesichts der Beibehaltung der Hybrid-Motoren an der Mercedes-Dominanz wohl nichts ändern wird. Aber dieser Punkt ist trotzdem bereits in Stein gemeißelt – ein Zurück in die von vielen Fans und auch Fahrern wie Sebastian Vettel erträumte Steinzeit mit V12-Saugmotoren ist heute einfach gesellschaftlich nicht mehr möglich.

Weniger Gewicht – mehr Fahrspaß?

Mit über 740 Kilo sind die Autos einfach zu schwerfällig. Das vermindert für uns den Fahrspaß – und für die Zuschauer die Attraktivität.
Lewis Hamilton

Weltmeister Lewis Hamilton, der ja die derzeitige Langeweile in der Formel 1 vor allem auf „viele falsche Entscheidungen der Regel-Macher in den letzten Jahren“ schiebt, wünscht sich im Namen der Fahrer vor allem eines: „Leichtere Autos, so wie vor 15, 20 Jahren – als man noch deutlich unter 600 Kilo lag. Jetzt, mit über 740 Kilo, sind sie einfach zu schwerfällig. Das vermindert für uns den Fahrspaß – und für die Zuschauer die Attraktivität.“ Außerdem brauche es endlich ein Aerodynamik-Reglement, „das das nahe Heranfahren an den Vordermann und damit mehr Überholen“ ermöglicht. Wobei er da die entsprechende Technik-Kommission rund um F1-Sportchef Ross Brawn auf dem richtigen Weg sieht. Die Aero-Gurus der Teams sind allerdings nicht so optimistisch, dass das Problem wirklich in den Griff zu bekommen ist.

Aber auch über eigentlich schon beschlossenen Dingen wie der Budgetobergrenze von 175 Millionen Dollar  mit sehr vielen Ausnahmen wie Fahrergehältern und Reisekosten, die bedeuten würden, dass die großen Rennställe immer noch um die 250 Millionen ausgeben dürften, stehen Fragezeichen nach Sinn oder Unsinn. Die kleineren Teams, selbst solche wie Renault - immerhin ja auch ein Werksteam, verfügen nicht über solche Budgets, sehen also keine wirkliche Chance, so aufschließen zu können. Und bei den Schwergewichten hat man auch Bedenken: „Am Ende wird das dann eine Buchhalter-WM und man wird zwei Monate nach Saisonende disqualifiziert, weil die Wirtschaftsprüfer feststellen, dass man irgendwo das Budget überschritten hat“, lästerte kürzlich Red-Bull-Motorsportkoordinator Helmut Marko.

Umstrittene Verkürzung der Rennwochenenden

Am Ende wird das dann eine Buchhalter-WM und man wird zwei Monate nach Saisonende disqualifiziert, weil die Wirtschaftsprüfer feststellen, dass man irgendwo das Budget überschritten hat“
Helmut Marko

Ebenfalls umstritten:  Die  geplante Verkürzung der Rennwochenenden von vier auf drei Tage, um den Wunsch von Liberty Media nach bis zu 25 Rennen im Jahr zu ermöglichen - und die starken Einschränkungen der technischen Umbau-Möglichkeiten der Autos im Laufe des Wochenendes. „Der eine Tag weniger bringt den Teams nicht viel, weder in Sachen Kosten noch im Bezug auf die Reise- und Arbeitsbelastung für die Mitarbeiter“, findet  Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost.  Dazu kommt: Diese Regelung wäre  wieder ein Vorteil für die Großen mit ihren ausgefeilteren Simulationsmethoden.

Was zumindest bis zum Kanada-Rennen und dem Ärger über die umstrittene Strafe für Sebastian Vettel kaum diskutiert wurde: Möglichkeiten, das echte harte Racing auf der Strecke wieder zu ermöglichen - ohne dass die Fahrer ständig an mögliche Strafen denken müssen. Dazu gehören Veränderungen im Regelbuch, „die es ermöglichen würden, das Versprechen, den Fahrern wieder mehr Freiheiten zu geben, auch umzusetzen“, wie der Chef der Fahrergewerkschaft GPDA, der Österreicher Alexander Wurz, meint. Oder eben auch Strecken, deren Begrenzungen nicht nur aus Asphaltflächen und  aufgemalten Linien bestehen, sondern aus Kiesbetten oder auch mal Mauern – so dass sich die leidigen Diskussionen von selbst erübrigen.

Immerhin scheint man aber bei der FIA nach dem Kanada-Ärger doch gemerkt zu haben, dass da etwas komplett schiefläuft. So ganz beiläufig, in einem Nebensatz, erwähnte FIA-Rennleiter Michael Masi zuletzt beim Frankreich-Grand-Prix, wenn die Teams das so wollten, dann könne man die Regel über das „gefährliche Zurückkommen auf die Strecke“ ab 2020 ja ändern und neu definieren.

Leclerc holt Pole Position

  • Ferrari-Jungstar Charles Leclerc hat in Spielberg die Pole Position geholt. Hinter dem Monegassen, der zum zweiten Mal in seiner Karriere auf Startplatz eins steht, folgt Weltmeister und WM- Spitzenreiter Lewis Hamilton (Großbritannien) im Mercedes vor Max Verstappen (Niederlande) im Red Bull. Sebastian Vettel konnte in Q3 überhaupt nicht mehr eingreifen, da offenbar der Unterboden seines Ferrari beschädigt war. Vettel steht beim Start am Sonntag (15:10 Uhr) auf Position zehn.

Großer Preis von Österreich im ZDF

  • Bericht vom Qualifying am Samstag ab 23 Uhr im aktuellen sportstudio, eine Zusammenfassung des Rennens gibt's am Sonntag ab 17:10 Uhr in der SPORTreportage

Formel 1 in Zahlen

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