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Trotz Hamilton: Britische Teams in der Krise

Formel 1: Grand Prix in Silverstone

Die beiden britischen Traditionsteams McLaren und Williams stecken in der Krise. Auch beim Heimrennen in Silverstone ist keine Besserung in Sicht.

Grand Prix in Frankreich
Dunkle Wolken über den britischen Formel-1-Teams.
Quelle: Zak Mauger; imago

Auf den ersten Blick scheint die britische Formel-1-Welt in Ordnung. Schließlich hat man Weltmeister Lewis Hamilton - und mit den beiden Youngstern George Russel und Lando Norris, die derzeit den Titel in der Formel 2 unter sich auszumachen scheinen, zwei äußerst hoffnungsvolle Nachwuchspiloten. Doch auf einer anderen Ebene kriselt es ganz gewaltig: Die beiden britischen Traditionsteams McLaren und Williams, über Jahrzehnte Garanten vieler WM-Titel und Grand-Prix-Siege, befinden sich seit einiger Zeit auf dem absteigenden Ast - und statt allmählich wieder nach vorne scheint es eher immer weiter nach hinten zu gehen.

Bei McLaren gab es jetzt vor dem Heim-GP in Silverstone personelle Konsequenzen. Rennleiter Eric Boullier ist weg. Der Franzose trat nach vier Jahren bei dem Traditionsrennstall zurück. McLaren-Boss Zak Brown akzeptierte den Rücktritt, mit dem Boullier möglicherweise nur einem Rauswurf zuvor kam - denn unter ihm blieb der Erfolg weitgehend aus.

Personalrochaden, schlechte Technik, "Schoko-Gate"

In der dreijährigen Ehe von McLaren mit Honda trafen die Schuldzuweisungen in erster Linie die Japaner. Doch auch jetzt mit dem neuen Motorenpartner Renault geht nichts voran - auch wenn Fernando Alonso zuletzt in Österreich dank zahlreicher Ausfälle und eigener guter fahrerischer Leistung mal wieder in die Punkte kam. Das Auto ist einfach zu langsam, in Frankreich schieden beide McLaren sogar im Q1 aus. Dass Red Bull mit dem gleichen Motor gleichzeitig Siege einfährt, macht die Chassis-Defizite des McLaren nur noch deutlicher.

Es hakt an vielen Stellen: Am Zusammenspiel der verschiedenen technischen Abteilungen zum Beispiel, und wohl auch am Betriebsklima und der internen Motivation. Vor Kurzem wurde ein "Aufstand der Mitarbeiter" kolportiert, weil angeblich zahlreiche Überstunden nur mit Schokoriegeln belohnt wurden - die sogenannte Freddo-Affäre oder "Schoko-Gate". Mehrfache Management-Wechsel nach dem unfreiwilligen Abgang von Urgestein Ron Dennis, den die Aktionäre Ende 2016 aus dem Team drängten, trugen auch nicht zur Verbesserung der Situation bei.

Jetzt wurde mit dem Boullier-Abgang wieder einmal umstrukturiert. Simon Roberts, COO von McLaren Racing, übernimmt die Abteilungen Produktion, das Engineering und die Logistik. Andrea Stella, einst schon Renningenieur von Fernando Alonso bei Ferrari, ist ab sofort Performance Director und ist für die Aktivitäten an der Rennstrecke verantwortlich. Gil de Ferran übernimmt die neue Rolle des Sportdirektors. Auch de Ferran, der Alonso 2017 bei seinem Indy-Debüt coachte, gehört zum engeren Umfeld des Spaniers. Mehr ein Versuch also, den zweimaligen Weltmeister, der eigentlich keine Lust mehr auf die Formel 1 hat, für 2019 doch noch im Team zu halten, als eine tatsächliche Verbesserung der technischen Situation?

Wenig Geld, Paydriver und ein schlechtes Auto

Die Probleme bei Williams, wo man inzwischen trotz Mercedes-Motor ganz ans Ende des Feldes gerutscht ist, sind ebenfalls vielschichtig - allerdings steht wohl im Hintergrund vor allem der chronische Geldmangel. Der führte dazu, dass man in diesem Jahr mit zwei Paydrivern unterwegs ist. Neben Lance Stroll, dessen Vater Lawrence mit seinen Textil-Millionen das Team schon seit einiger Zeit am Leben hält, nun auch noch Sergei Sirotkin, ein Russe, für den Oligarch und Putin-Freund Boris Rotenberg ca. 15 Millionen im Jahr zahlt. Keine absolute Niete, aber eben auch niemand, der wirklich etwas weiter bringen könnte.

Das Auto ist eigentlich unfahrbar.
Robert Kubica, Williams-Testfahrer

Was allerdings auch nicht einfach ist - das 2018er-Auto von Williams scheint eine absolute "Fehlgeburt" zu sein, eigentlich erstaunlich unter einem technischen Direktor Paddy Lowe, der einst bei Mercedes gute Arbeit leistete. Aber auch der erfahrene Robert Kubica, der als Testfahrer jetzt schon zweimal bei Freitagstrainings im Williams saß, kommt immer nur zu dem Schluss: "Das Auto ist eigentlich unfahrbar."

Keine großen Sprünge mehr möglich

Ein komplett neues Auto, eine B-Version, die andere Teams schon einmal während der Saison bringen, wenn sie überhaupt nicht mehr weiter kommen, ist angesichts der finanziellen Lage nicht drin. Früher einmal, in den alten Zeiten von Frank Williams und Bernie Ecclestone, da ließ der damalige Formel-1-Boss schon mal aus alter Verbundenheit unter der Hand eine größere Summe "rüber wachsen", wenn es bei Williams zu sehr klemmte.

Doch die Zeiten sind, mit Claire Williams an der Teamspitze aus der einen und Liberty Media auf der anderen Seite, lange vorbei. Und zum Saisonende 2018 wird sich auch noch Hauptsponsor Martini verabschieden. Besserung ist also nicht wirklich in Sicht.

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