Sieger Bottas - für Mercedes ein Problem?

Formel 1 - GP von Spanien in Barcelona

Ist der Sieg von Valtteri Bottas in Russland eher Fluch als Segen? Das Thema Stallorder scheint damit jedenfalls erst einmal vom Tisch zu sein, da sonst am Ende Sebastian Vettel der lachende Dritte sein könnte. Für den GP in Barcelona (Sonntag, 14 Uhr) jedenfalls soll es keine Stallorder geben.

Grand Prix von Russland - Bottas vor Vettel
Erfolge von Valtteri Bottas bringen die Mercedes-Ordnung durcheinander. Quelle: Valdrin Xhemaj

Vor dem Sieg von Valtteri Bottas in Sotschi hatte man bei Mercedes schon offen über Stallorder nachgedacht. Zugunsten von Lewis Hamilton natürlich, um der Gefahr, die in diesem Jahr für die Silberpfeile durch Ferrari und Sebastian Vettel ausgeht, besser begegnen zu können. Doch nach dem Sieg des Finnen und einem schwachen Wochenende für Hamilton zuletzt in Russland trennen die beiden beim "echten“ Europaauftakt der Formel 1 in Barcelona nur noch zehn Punkte. Und für Mercedes-Sportchef Toto Wolff ist das Thema damit erst einmal vom Tisch, "wir lassen beide frei fahren, so wie wir das in der Vergangenheit auch immer getan haben."

Mit nicht besonders großer Begeisterung wahrscheinlich. Denn auch wenn es ja nicht gleich so schlimm kommen muss wie im letzten Jahr, als sich hier Lewis Hamilton und Nico Rosberg gleich in der ersten Runde nach drei Kurven gegenseitig von der Strecke räumten: Ein gewisses Risiko ist es für Mercedes schon, die beiden frei fahren und sich gegebenenfalls gegenseitig Punkte wegnehmen zu lassen. Denn auch wenn Bottas in Sotschi alles richtig machte, auf die Dauer hält sich nicht nur Hamilton selbst für den eigentlich doch deutlich Stärkeren.

Hamilton auf die Dauer stärker eingeschätzt

Der Brite scheint sich recht sicher zu sein, dass eher die ersten drei Saisonrennen, in denen er seinen Teamkollegen zumindest über die Distanz immer im Griff hatte, das wahre Kräfteverhältnis widerzuspiegeln. Teamchef Wolff scheint zumindest ähnlich zu denken. Gefragt, ob er denn damit rechne, dass es denn jetzt über längere Zeit ein gewisses "Hin und Her“ in der Leistung zwischen den beiden Teamkollegen geben könne, und damit eine ähnliche teaminterne Situation wie in den vergangenen Jahren zwischen Hamilton und Rosberg, wiegelte der Österreich in Sotschi ab. Erstens einmal habe Hamilton diesmal eben ungewöhnliche Probleme gehabt - und zweitens sei das Verhältnis zwischen den beiden ja doch ganz anders, er glaube nicht, dass es da Ärger geben werde.

Ganz anders? Weil man eben doch weiß, das ein Bottas zwar hin und wieder ein Highlight setzen kann, der WM-Titel am Ende aber eben wohl doch zwischen Hamilton und Vettel entschieden werden wird? Auch wenn Bottas selbst von "einem Vierkampf bis mindestens Mitte der Saison“ spricht - und dabei auch noch Vettels Ferrari-Teamkollegen Kimi Räikkönen mit einbezieht? Aus diesem Blickwinkel könnte Bottas für Mercedes in Russland tatsächlich quasi der "falsche Sieger“ gewesen sein, weil man jetzt deswegen das Thema Stallorder eben erst einmal wieder vergessen muss.

Vettel am Ende der lachende Dritte?

Formel 1: Sebastian Vettel
Profitiert Sebastian Vettel vom Mercedes-Konkurrenzkampf? Quelle: epa

Warum das an sich so ungeliebte Wort überhaupt schon so relativ früh in der Saison offen auf den Mercedes-Tisch kam, zumindest als Gedankenspiel, ist auch klar. Weil bei den dortigen Verantwortlichen natürlich die Angst im Kopf herumspukt, dass genau das passieren könnte, was es 2007 bei McLaren-Mercedes schon einmal gab. Da nahmen sich Hamilton und Alonso, die damals allerdings tatsächlich fast gleichwertig waren, immer wieder gegenseitig die Punkte weg - und am Ende holte sich Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen den WM-Titel.

Sebastian Vettel, der diesmal am ehesten von einer solchen erneuten Silber-Konstellation profitieren könnte, will sich allerdings noch nicht darauf festlegen, dass er mit dem Bottas-Mercedes vor sich besser leben könne als mit dem von Hamilton: "Am besten keiner von beiden“, lachte er zuletzt in Russland. "Ich weiß natürlich, wohin die Frage zielt - aber da muss man noch eine ganze Weile warten, um zu sehen, wie sich das dann auswirkt.“ Wobei: Dass auch für ihn eher Hamilton der wahre Gegner ist, merkt man schon hin und wieder. Auch, wenn er Bottas immer besondere Komplimente macht, für die Pole Position in Bahrain, den Sieg in Sotschi. Oder vielleicht gerade deshalb. Nach dem Motto: "Gut gemacht, ab und zu darfst du schon auch mal.“

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.