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"Geht nicht gibt’s nicht" - McLaren im Aufwind

Formel 1 | GP von England

McLaren ist das Überraschungsteam der Stunde in der Formel 1. Nach Jahren der Enttäuschung geht es wieder deutlich bergauf. Ganz vorne in der Verantwortung: der neue deutsche Teamchef Andreas Seidl.

McLaren-Teamchef Andreas Seidl
Seit Mai bei McLaren in der Verantwortung: Teamchef Andreas Seidl.
Quelle: imago

Er kennt die Formel 1 seit seinen BMW-Zeiten bei Williams, er führte dann später Porsche zu drei LeMans-Siegen und zu WM-Titeln in der WEC - jetzt ist Andreas Seidl zurück in der Königsklasse: Seit Anfang Mai steht er 43-Jährige, der wöchentlich zwischen seiner bayerischen Heimat und England pendelt, als Teamchef an der Spitze des Traditionsteams McLaren. Jenes Teams, das bereits ganze Epochen in der Formel 1 prägte, speziell Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre mit Ayrton Senna und Alain Prost, dann auch Ende der 90er mit Mika Häkkinen - den letzten WM-Titel für McLaren holte 2008 Lewis Hamilton.

Danach, spätestens nach der Trennung von Mercedes Ende 2014, begann eine lange Durststrecke, McLaren fuhr immer weiter hinterher. Platz neun in der Konstrukteurs-WM des Jahres 2017 war der Tiefpunkt.

Nummer 1 hinter den großen Drei

Nach kleinen Fortschritten 2018 zeigt sich jetzt ein deutlicher Aufschwung. In den letzten beiden Rennen, gerade rechtzeitig vor dem Heimrennen in Silverstone, war McLaren das deutlich schnellste Team im Mittelfeld, die Nummer 1 hinter den großen Drei, Mercedes, Ferrari und Red Bull.

"Das neue Aeropaket, das wir in Barcelona gebracht haben, funktioniert jetzt. Es hat zwei, drei Rennen gedauert, bis wir wirklich alles verstanden haben, jetzt sind wir auf dem richtigen Weg", sagt Seidl, will aber vom großen "Seidl-Effekt" selbst nicht wirklich etwas wissen: "Die Basis zu diesem Auto wurde ja schon vor meiner Zeit gelegt. Ich kann jetzt auch davon profitieren, dass die Basis gut ist. Dadurch herrscht eine positive Stimmung – und das macht es einem leichter, wenn man neu wo anfängt."

Seidl: "Da geht mehr"

Zufrieden ist er mit dem Erreichten aber noch lange nicht: "Aus den Voraussetzungen, die wir haben, auch aus den finanziellen Möglichkeiten, holen wir noch nicht das Optimale heraus. Da geht mehr."

Schwachpunkte sieht Seidl dabei vor allem am Chassis, in der Aerodynamik. Dem Motorenpartner Renault stellt er derweil ein sehr gutes Zeugnis aus: "Da wurde im Winter sehr gute Arbeit geleistet - der Rückstand auf die Spitze deutlich reduziert." Und auch sein junges Fahrerduo mit Lando Norris (19) und Carlos Sainz jr. (24), deren Verträge gerade erst verlängert wurden, passt: "Die beiden haben alles, was man braucht – sie sind unsere Zukunft."

Budget-Grenze als Chance

Nun gehe es darum, die anderen Bereiche anzugehen. Ein erster wichtiger Schritt: "Wir werden einen neuen Windkanal bekommen - der Bau wurde kürzlich genehmigt." Weil der eigene Windtunnel nicht mehr den neuesten Ansprüchen genügt, war man zuletzt auf die Zusammenarbeit mit Toyota in Köln angewiesen, "und obwohl die Anlagen dort top sind, ist das natürlich keine optimale Konstellation", sagt Seidl.

Wobei für ihn eines klar ist: Bei allen möglichen Verbesserungen - der ganz große Sprung an die absolute Spitze dürfte erst unter dem neuen Reglement ab 2021 möglich sein. "Vor allem ist es wichtig, dass dann die Budget-Obergrenze wirklich konsequent durchgezogen wird, um einigermaßen gleiche Bedingungen zu schaffen. Im Moment agieren die drei Top-Teams ja in einer ganz anderen Welt", moniert Seidl.

Deutlich über 350 Millionen Dollar haben die Top-Drei-Teams im Jahr zur Verfügung, im Moment sind 175 Millionen als Limit geplant, allerdings mit zahlreichen Ausnahmen etwa für die Fahrergehälter. "Aber das wäre schon mal ein ganz wichtiger Schritt, überhaupt wieder eine Chance zu bekommen", sagt McLaren-Teamchef Seidl. Eine Chance, das Motto umzusetzen, das er aus seiner Zeit bei Williams-BMW mitgenommen hat und das für ihn genau die richtige Herangehensweise im Rennsport ist: "Geht nicht gibt’s nicht!"

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