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Kriegen Vettel und Ferrari in Singapur die Kurve?

Rennbericht am Sonntag in der SPORTreportage

Singapur ist eigentlich ein Pflichtsieg für Sebastian Vettel, will er weiter im WM-Rennen bleiben. Aber gibt Ferrari seinem WM-Kandidaten diesmal volle Rückendeckung?

Sebastian Vettel im Ferrari
Quelle: imago

Wenn es so etwas wie einen Pflichtsieg in der Formel 1 gibt, dann wäre der jetzt in Singapur für Sebastian Vettel fällig. Denn will der Heppenheimer noch im Rennen um den WM-Titel 2018 bleiben, dann muss er nach der Enttäuschung von Monza und mit derzeit 30 Punkten Rückstand jetzt dort zurückschlagen, wo die Voraussetzungen am günstigsten sind. Der kurvenreiche Stadtkurs von Singapur liegt seinem Ferrari traditionsgemäß sehr gut, Mercedes hatte dort immer wieder Probleme. Wenn Vettel ein bisschen Glück hat, könnte sich sogar noch Red Bull zwischen ihn und die Silberpfeile schieben und damit WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton ein paar wichtige Punkte wegnehmen.

Vettels Wohlfühl-Kurs

Dazu kommt, dass sich Vettel in Singapur besonders wohl fühlt. So wie einst Boris Becker Wimbledon sein „Wohnzimmer“ nannte, Michael Schumacher den Kurs von Spa so sehr schätzte, so war Singapur für Vettel immer ein magischer Ort. Einer, an dem er Jahr für Jahr immer wieder ganz besondere Leitungen ablieferte. Schon zu Red-Bull-Zeiten, aber auch danach: 2015 holte er dort seinen  vierten Sieg im insgesamt achten Singapur-Grand-Prix. Und das mit beeindruckender  Dominanz über das gesamte Wochenende, an dem die sonst so überlegenen Mercedes-Silberpfeile damals überraschend schwächelten.

2016 fuhr er nach einem technischen Defekt im Qualifying, durch den er von ganz hinten starten musste, mit einer bemerkenswerten Aufholjagd noch auf Platz fünf. Den Startcrash von 2017 einmal ausgenommen, als Vettel, Verstappen und Räikkönen schon nach wenigen Metern draußen waren und Mercedes damals einen unverhofften Sieg bescherten.

Ferraris Eigentore

Schon damals glaubten einige Experten, dass der von hinten kommenden Räikkönen den Zwischenfall am ehesten hätte verhindern können, es aber wohl an entsprechenden klaren internen Absprachen bei Ferrari gefehlt habe. Dieses Risiko besteht auch diesmal. Beim Heimspiel vor knapp zwei Wochen in Monza bewies die Scuderia ja bereits, wie gut man darin ist, sich taktische Eigentore zu schießen.

Kaum einer der internationalen Fachleute verstand dort, warum Ferrari die ganze Zeit so agierte, dass man seinen WM-Kandidaten Vettel unnötig in Schwierigkeiten brachte.  „Das hätte man schon mit einer vernünftigen Taktik am Samstag vermeiden können, warum muss Vettel Räikkönen den hier so wichtigen Windschatten geben und ihn zur Pole Position ziehen“, fragten sich etwa die Sky-England-Experten wie Martin Brundle oder Damon Hill. „Dann hätte es noch einmal eine Chance gegeben, das in der Startphase gerade zu biegen. Wenn zwei Fahrer eines Teams nebeneinander auf die erste Schikane zu kommen, sollte eigentlich der WM-Kandidat Vorfahrt haben. Und wenn Vettel einmal vorn ist, ist die Sache gegessen. Schon witzig, dass Ferrari, die früher immer für ihre Stallorder bekannt waren, ob bei Schumacher, oder bei Alonso, jetzt so agiert und dadurch verliert, während Mercedes jetzt das Gegenteil praktiziert und damit gewinnt.“ Selbst der ein oder andere Ferrari-Mitarbeiter wunderte sich hinter vorgehaltener Hand, was denn da die eigene Führungsspitze so treibe.

Vettels Schulterzucken

Wir müssen aus dem dort (in Monza) Vorgefallenen etwas lernen.
Maurizio Arrivabene

Vettel bekam nach dem Rennen die Frage gestellt, die sich aufdrängte: Wie er sich denn fühle, gegen drei Autos zu kämpfen, während Hamilton maximal gegen zwei fahre. Denn Mercedes hatte Valtteri Bottas zwischenzeitlich im Rennen ganz offen als Bremsklotz gegen Kimi Räikkönen eingesetzt. Nicht verboten, aber eben eine entscheidende Hilfe für den späteren Sieg, für die sich der Brite auch nach dem Rennen ganz brav bei seinem Teamkollegen bedankte, „der da einen guten Job gemacht hat.“  Bottas gab dann auch ganz offen zu: „Wenn eine WM-Entscheidung so eng ist, dann ist es mein Job, Lewis zu helfen. Ich habe da auch kein Problem damit.“ Während Vettel auf besagte Frage nur leicht mit den Schultern zuckte und meinte: „Damit kann ich leben – ich erwarte nichts anderes. Ich habe in meinem Leben noch nie Geschenke bekommen.“ 

Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene meinte zuletzt etwas kryptisch: „Wir können nach Monza nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, wir müssen aus dem dort Vorgefallenen etwas lernen.“ Und er erwähnte, dass er Mercedes manchmal um deren Kaltschnäuzigkeit beneide: „Die fehlt bei uns.“ Ob das nun heißen soll, dass sich Vettel in Zukunft auf bessere Rückendeckung durch sein Team verlassen kann? Fakt ist aber auch: Räikkönen, inzwischen ja offiziell von Ferrari zugunsten von Youngster Charles Leclerc für 2019 vor die Tür gesetzt und zu Sauber abgeschoben, wird sich nun erst recht nicht mehr bemüßigt fühlen, „team-dienlich“ zu agieren.

Mit Red Bulls Unterstützung?

Ein bisschen Unterstützung kommt dafür von anderer Seite:  Red-Bull-Motorsport-Koordinator Helmut Marko und Teamchef Christian Horner ließen ja schon durchblicken, dass die Sympathien der Bullen im WM-Titelkampf eher Vettel als Hamilton gelten. Was wohl heißt, dass man im Zweifelsfall eher für seinen Ex-Star fahren werde. Sebastian Vettel wird’s mit Freude hören.

Pole für Hamilton, Vettel Dritter

Hamilton holt Singapur-Pole
Hamilton holt Singapur-Pole
Quelle: reuters
  • Lewis Hamilton hat die Pole Position für das Formel-1-Nachtrennen in Singapur erobert. Der britische Mercedes-Pilot setzte sich in der Qualifikation gegen den Niederländer Max Verstappen im Red Bull und seinen Titelrivalen Sebastian Vettel im Ferrari durch. Nico Hülkenberg wurde im Renault Zehnter. In der WM hat Vettel vor dem 15. von 21 Saisonrennen am Sonntag 30 Punkte Rückstand auf Titelverteidiger Hamilton. "Das ist keine ideale Ausgangsposition. Für uns war es ein chaotisches Qualifying. Das ist nicht, was ich wollte. Das ist nicht, was wir wollten", sagte ein zerknirschter Vettel.

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