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Vettel jetzt schon Ferraris Nummer zwei?

Formel 1 | GP von Singapur

Nach dem zweiten Sieg von Charles Leclerc in Folge und dem erneuten Fehler von Sebastian Vettel in Monza schien für viele Experten und Medien klar: Damit ist der Youngster jetzt die Nummer 1 bei Ferrari, Vettel auf dem Abstellgleis.

Formel 1: Leclerc vor Vettel
Ein fast schon gewohntes Bild: Leclerc vor Vettel
Quelle: imago

Der Trend bei den Roten spricht tatsächlich deutlich gegen Vettel. Zuletzt zahlreiche Trainingsniederlagen gegen Leclerc, auch die beiden letzten Rennen. Aber warum bricht ein viermaliger Weltmeister ein? Das Grundproblem für Vettel scheint zu sein: Er braucht ein passendes Umfeld, um Top-Leistungen zu bringen. Wenn das nicht stimmt, passieren die wirklich unnötigen Fehler.

Letztes Jahr im Herbst, als Vettel das Gefühl haben musste, der damalige Teamchef Maurizio Arrivabene unterstütze ihn nicht wirklich voll im Titelkampf. Dieses Jahr in England, als Vettel klar wurde, dass die Entwicklung des Autos immer mehr in Richtung von Charles Leclerc vorangetrieben wird, dass andere, von ihm vorgeschlagene Wege nicht mehr berücksichtigt werden.

Fehlendes Vertrauen - zu viel Politik

Zuletzt in Monza fühlte sich Vettel alles andere als wohl in seinem Team. Am Samstag hatte er sich der Erkenntnis stellen müssen, dass er bei Ferrari offensichtlich keine Zukunft mehr hat, nicht mehr mit fairer Behandlung rechnen kann. Sein Teamkollege Charles Leclerc hatte es sich leisten können, die interne Absprache zu brechen, nachdem er im zweiten Anlauf des Q3 Vettel Windschatten geben sollte - im ersten war es umgekehrt gewesen.

Teamchef Mattia Binotto war zwar sauer, konnte aber offensichtlich nichts machen, zu stark ist die interne politische Position des Monegassen mit dem Todt-Clan im Rücken, mit Nicolas Todt, dem Sohn des FIA-Präsidenten Jean Todt, als Manager. Dass Binotto dann nach Leclercs Sieg auch noch über Funk die Absolution erteilte ("Es sei dir verziehen"), muss zusätzlich wie Hohn für Vettel gewirkt haben. "Sebastian ist ein absoluter Teamplayer, für ihn ist es unfassbar, dass andere das anders handhaben", sagt Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve. "Das hat ihn angeknockt." Denn seine Vorstellungen von Fairness sehen anders aus. Mit derartigen Formen von Politik kann er sehr schlecht umgehen oder sie kontern.

Gerhard Berger: Vettel ist zu gutgläubig

Dabei müsste er genau das, um gegen Leclerc und den Todt-Clan im Hintergrund zu bestehen. FIA-Präsident Todt lobt Leclerc jetzt schon in den Himmel. "Charles ist mental extrem stark, hat das Zeug zu einem großen Champion und die gleiche natürliche Art, ein Team zu führen, wie einst Michael Schumacher." Der Vergleich stimmt auch auf der Strecke. Da ist der 21-Jährige nicht der nette Junge von nebenan, als der er sich gern verkauft. Ist das Visier einmal unten, agiert er hart, kompromisslos und manchmal auch am Rande der Legalität. So sieht das auch Gerhard Berger - der da eine gewisse Schwäche bei Vettel ausmacht: "Er ist zu gutgläubig. Und Gutgläubigkeit hat im Spitzensport, wo es um die Weltmeisterschaft geht, nur wenig Platz."

Charles ist mental extrem stark, hat das Zeug zu einem großen Champion und die gleiche natürliche Art, ein Team zu führen, wie einst Michael Schumacher.
FIA-Präsident Jean Todt

Aber die liegt in der sehr geradlinigen Persönlichkeit des viermaligen Weltmeisters begründet - und ist deshalb schwer zu ändern. Trotzdem: "Er muss aus diesem mentalen Teufelskreis raus, mehr an sich selbst denken, Leclerc als seinen ersten Gegner sehen", sagt Villeneuve. Offiziell gibt auch Binotto Unterstützung: "Wir müssen Sebastian jetzt wieder aufbauen, kümmern uns gut um ihn. Wichtig ist, dass er spürt, dass wir und auch die Tifosi ihn lieben, ihm vertrauen und auf ihn bauen. Denn das tun wir." Ob und wie lange er das tatsächlich noch kann, steht auf einem anderen Blatt.

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