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HSV: Aufbruch in die 2. Liga

Liga-Dino richtet sich personell auf den Abstieg ein

Der HSV stellt sich schon für die 2. Liga auf - Vorstandsboss Heribert Bruchhagen und Sportchef Jens Todt müssen gehen, der neue Präsident Bernd Hoffmann leitet den Aufsichtsrat und ist der neue starke Mann. Die SPORTreportage befasst sich am Sonntag mit dem Thema.

Die Bundesliga-Uhr beim Liga-Dino HSV läuft wohl ab
Die Bundesliga-Uhr beim Liga-Dino HSV läuft wohl ab Quelle: dpa

Neben zwölf Trainern hat der HSV in den letzten neun Jahren neun Aufsichtsrats-Vorsitzende, fünf Vorstands-Chefs und sechs sportliche Leiter beschäftigt. Aber die drei Top-Positionen im Management auf einen Schlag umzubesetzen, wie es von Mittwochabend bis Donnerstag früh geschehen ist, das ist selbst für den HSV ein Spitzenwert.

Das schreckt auch HSV-Urgesteine wie Felix Magath ab, der gerne einspringen würde. "Aber ich sehe da keine Möglichkeit mit den Personen, die momentan beim HSV sind", sagte der Ex-Trainer und -Spieler bei "Sky": "Außer Trainer und Manager auszuwechseln, ist den Verantwortlichen leider nicht viel eingefallen."

Plan oder Chaos?

Frank Wettstein (links) und Bernd Hoffmann
Die neuen Führungsfiguren beim HSV: Bernd Hoffmann (rechts) und Frank Wettstein Quelle: dpa

Die Frage ist, ob der radikale Schnitt vom Donnerstag in der größten sportlichen Krise seiner Geschichte den lang beschworenen Neustart in bessere Zeiten einleitet. Oder ob er das Management-Chaos der letzten Jahre in neue Dimensionen treibt.

Am Mittwochabend hatte der vor drei Wochen mit 25 Stimmen Vorsprung neu gewählte HSV-Präsident Bernd Hoffmann den Aufsichtsrat, in dem er nach den AG-Statuten als Vereinsvorsitzender lediglich einen Platz von sechsen einnimmt, dazu gebracht, ihn zum Chef des Kontrollgremiums zu machen. Und den erst vor fünf Wochen auf diesen Posten gewählten Michael Krall wieder ins Glied zurückzuschicken.

Interne Lösungen

"In Anbetracht meiner Erfahrung im Profifußball hat der Aufsichtsrat mich - ebenfalls einstimmig - gebeten, die Neuausrichtung des HSV maßgeblich mit voranzutreiben“, sagte Hoffmann. Als erste Amtshandlung entließ Hoffmann den Vorstandvorsitzenden Heribert Bruchhagen, dessen Vertrag erst im Dezember verlängert worden war, sowie den sportlichen Leiter Jens Todt. Die operative Führung der HSV Fußball AG übernimmt bis auf weiteres der bisherige Finanzvorstand Frank Wettstein.

Zusätzlich sucht Hoffmann, wie er Donnerstagnachmittag mitteilte, einen neuen Sportchef, der im Vorstand verankert werden soll. Möglicherweise kommt auch hier eine interne Lösung zum Tragen - Nachwuchschef Bernhard Peters hat als einzige Führungskraft neben Wettstein die Personalrochaden der letzten Jahre überstanden und ist nun für die Kaderplanung unersetzbar.

Was macht Kühne?

Hauptinvestor Klaus-Michael Kühne, dem ein enges Verhältnis zum neuen Vorstands-Chef Wettstein nachgesagt wird, soll nicht in die Vorgänge eingeweiht gewesen sein. Egal, ob das stimmt - die Freistellung von Bruchhagen, der im Gegensatz zu seinen Vorgängern versucht hatte, den HSV aus der Abhängigkeit von ihm zu lösen, dürfte den Hauptinvestor gnädig stimmen.

Das könnte sich im Hinblick auf die Erteilung der Lizenz für die kommende Saison als überlebensnotwendig erweisen - unabhängig davon, für welche Liga diese benötigt wird. Hoffmanns Verweis auf die Personalpolitik des VFB Stuttgart, der sofort wieder aufgestiegen war, deutet darauf hin, dass der Aufsichtsrat wie fast das gesamte Umfeld sich mit dem Abstieg abgefunden hat und für die 2.Liga plant. Falls noch einmal ein neuer Impuls für den Klassenerhalt gesucht worden wäre, wäre wohl auch der immer noch sieglose Trainer Bernd Hollerbach schon jetzt der eisernen Hand Hoffmanns zum Opfer gefallen.

Erst Spitzenklub, dann Dino, und nun?

Hoffmann und Wettstein präsentieren sich als durchsetzungsstarke und anpackende Krisenmanager. Doch neben Neustarts-Rhetorik und Entlassungen hat bisher niemand ein Konzept durchblicken lassen, mit dem er den HSV in eine bessere Zukunft geführt werden soll.

Unter der ersten Präsidentschaft von Hoffmann von 2003 bis 2011 hat der HSV lange so getan und gewirtschaftet, als stünde die Rückkehr in die europäische Spitze kurz bevor. In den letzten Jahren hielt er sich dann daran fest, der unabsteigbare Dino zu sein. Nachdem auch dieser Traum geplatzt ist, wird Krisenmanagement nicht reichen, um die Auflösungserscheinungen zu stoppen. Die 2. Liga ist nicht automatisch ein Gesundbrunnen. Das mussten schon andere Traditionsvereine bitter erfahren.

Sendung SPORTreportage

Sport | SPORTreportage - Das Bundesliga-Nachspiel mit Thema HSV

Außerdem: Premier League, eine Reportage über Eintracht Frankfurts Trainer Niko Kovač, Champions League, Paralympics und Biathlon-Weltcup.

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