Kenias Doping-Szene

Sport | ZDF SPORTreportage - Kenias Doping-Szene

Seit 2012 sind mehr als 40 kenianische Athleten des Dopings überführt worden. Die Läuferszene - so scheint es - ist bestimmt von einem korrupten Netzwerk aus Managern, Funktionären, Ärzten, Trainern und Dopingjägern, die wegschauen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.07.2018, 17:10

WADA ermittelt nach ZDF-Doping-Vorwürfen gegen Kenia -
angeblich Testlabors an Korruptions-Netzwerk beteiligt

Kenianische Sportler berichten von umfangreichen Manipulationen mit dem Blut-Dopingmittel EPO. Sie erheben schwere Vorwürfe gegen die italienische Sport-Agentur Rosa Associati, die den Einsatz leistungsfördernder Substanzen bei ihren kenianischen Sportlern aktiv gefördert oder zumindest toleriert haben soll. Ein Mitarbeiter der kenianischen Anti-Doping-Agentur ADAK behauptet, dass gegen Geldzahlungen positive Dopingproben verschleiert wurden.

Diese Recherchen sendete die ZDF-SPORTreportage am 30. Juli 2017 (siehe oben) -  und der Beitrag kurz vor Beginn der Leichtathletik-WM in London sorgte nicht nur in Kenia für große Unruhe. Schon am folgenden Tag erschienen in Kenia erste Zeitungsartikel, die sich mit dem ZDF-Beitrag beschäftigten und die Veröffentlichung kurz vor der WM kritisierten. Auf die Vorwürfe selbst wird jedoch nicht eingegangen. Nun behaupten Informanten gegenüber dem ZDF, dass sogar Mitarbeiter von Testlabors an dem Doping-Kartell beteiligt sein könnten.

"Ungenau und fehlerhaft"

Noch am Montag nach der ZDF-Sendung hatte die kenianische Anti-Doping-Agentur ADAK eine Pressemeldung veröffentlicht, in der sie die ZDF-Recherchen als "ungenau und in der Präsentation der Fakten fehlerhaft" bezeichnete. Man halte sich strikt an die Vorgaben der WADA bei der Sammlung und Dokumentation von Doping-Proben, schreibt ADAK-Vorstand Japhter Rugut. Diese Proben würden in von der WADA zertifizierten Labors analysiert.

Alle Schritte, so führt die ADAK-Stellungnahme weiter aus, würden penibel dokumentiert. Die Testlabors "analysieren und berichten danach die Ergebnisse im Anti-Doping-Verwaltungs-und-Management-System ADAMS". Dabei handele es sich um eine hochgradig sichere Datenbank, die den angeschlossenen Verbänden und der WADA Zugang zu allen Daten gewähre. "Es liegt nicht in der Macht von ADAK positive Proben zu verschleiern", schreibt Rugut.

Unter misstrauischen Augen internationaler Beobachter

In der Tat werden Testergebnisse von den Labors in die ADAMS-Datenbank eingepflegt und auch von den WADA-Ermittlern regelmäßig überprüft. Auch kenianische Proben sind dabei von großem Interesse. Nur unter Vorbehalt hatten Kenias Athleten 2016 die Starterlaubnis für die Olympischen Spiele in Rio erhalten, nachdem es zahlreiche Doping-Fälle und Korruptionsvorwürfe gegeben hatte. Auf Druck der WADA und des IAAF hatte Kenias Staatspräsident die nationale Anti-Doping-Agentur ins Leben gerufen. Seitdem dürfen kenianische Athleten weiterhin starten - allerdings unter den misstrauischen Augen internationaler Beobachter.

Dem ZDF liegen nun Informationen vor, die darauf hindeuten, dass die Verschleierung positiver Tests durch interne Absprachen und Geldzahlungen noch vor der Eingabe der Testergebnisse in das ADAMS-Meldesysem erfolgt. "Es gibt einen Mitarbeiter in dem Labor, der uns im Falle eines positiven Tests anruft und informiert", behauptet eine anonyme Quelle gegenüber dem ZDF. Daraufhin führe man Gespräche mit Trainern oder Managern über Geldzahlungen. Werde man sich einig, dann werde das Ergebnis als "negativ" im ADAMS-Meldesystem deklariert.

WADA alarmiert

Sollte diese Schilderung zutreffen, dann wäre es den nicht am Verschleierungs-System Beteiligten in der ADAK tatsächlich unmöglich, eine Manipulation zu erkennen. Ebenso den Beobachtern der Welt-Anti-Doping-Agentur in Montreal. "Wenn das wirklich so abläuft", sagt ein WADA-Mitarbeiter gegenüber dem ZDF, "dann haben wir allerdings ein großes Problem."

(Artikel von Jörg Brase, 09.08.2017)

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