Der ganz normale Zirkus um den Super Bowl

Verkleidete Journalisten, Radioreporter als Attraktion beim Shopping und eine Flut von Presserunden: Der Super Bowl - das größte Sportereignis der USA - treibt medial die wildesten Blüten. In der Nacht zum Montag (MEZ) wird das Finale der American-Football-Profiliga NFL ausgespielt.

Carson Wentz im Medienrummel
Carson Wentz, verletzter Quarterback der Eagles Quelle: usa today sports

Dr. Chuck Ells sieht ein wenig irre aus, und das ist so geplant. Als selbst ernannter Chefarzt am Lach-Institut Minneapolis soll der Reporter für den Lokal-Sender 45TV witzige Videos eintreiben. Videos von der so genannten Opening Night, mit der im US-Bundesstaat Minnesota die wilde Woche vor Super Bowl 52 eingeläutet wird.

Komische Kostüme

Blöd nur, dass er nicht als einziger verkleidet zur Show erscheint. Neben ihm gehen ins Rennen: ein Reporter im verrutschten Hai-Kostüm, ein Mann mit Hunde-Maske, Cheerleader, ein Team-Maskottchen, ein Pseudo-Footballer aus Österreich. Guillermo, der radebrechende mexikanische Parkplatzwächter aus der populären ABC-Show "Jimmy-Kimmel-Live!" und einige mehr.

Der ganz normale Wahnsinn eben. Media frenzy, sagt der Amerikaner. Media Day hieß es offiziell bis vor drei Jahren, als die National Football League NFL auf die Idee kam, diese jedes Jahr weiter ausartende Riesen-Pressekonferenz mit allen 106 Spielern beider Finalteilnehmer plus Trainerstäbe auf die Primetime zu verlegen. Für die TV-Quote, klar.

Etliche freie Plätze

Satte 32 Dollar kostet das Fan-Ticket für diesen Auftakt im Xcel Energy Center, der Eishockey-Arena in der Nachbarstadt Saint Paul. Im Gegensatz zu den Vorjahren blieben diesmal etliche Plätze frei. Die Titelverteidiger New England Patriots sind ob ihres Dauererfolges nicht sonderlich beliebt jenseits von Boston. Und Außenseiter Philadelphia Eagles hat mit dem Finaleinzug das Heimendspiel der Minnesota Vikings verhindert. Kein Wunder also, dass sie hier kühler empfangen werden als es die Minusgrade ohnehin hergeben.

Während die meisten Fans der Finalteams erst seit Donnerstag allmählich im schroffen Norden des mittleren Westens eingetrudelt sind, haben die Medien Minneapolis schon seit sieben Tagen im Griff. Deutlich über 5000 akkreditierte Reporter, Fotografen, Kameraleute und Techniker füllen die Stadt.

Presse-Stress

Seitdem reiht sich Pressekonferenz an Pressekonferenz. Spieler und Trainer stehen fast täglich Rede und Antwort. Es ist bewundernswert, wie diszipliniert die Akteure das durchziehen. Bei Superstar Tom Brady etwa drängeln sich auch bei der x-ten Fragestunde Hundertschaften, obwohl längst alles abschließend behandelt sein müsste. Nur die eine Frage wird nicht gestellt: Wird auch irgendwann mal trainiert?

Sponsoren werben in offiziellen Pressekonferenzen. NFL-Chef Roger Goodell wird vor 500 Reportern zur Lage der Nation, äh, Liga gefragt, zu neuen Spielen in Mexiko und sogar zu seinem Verhältnis zu US-Präsident Donald Trump. Popsänger Justin Timberlake hält Hof, um Spannung für die Halbzeit-Show aufzubauen, Pink für ihre Darbietung der US-Hymne. Die NFL-Hinweise zu den unzähligen Veranstaltungen fluten täglich die Mailpostfächer.

Arktische Kälte

Die Fernsehsender mischen sich für gute Bilder traditionell unters Volk, in Minneapolis finden auch sie Platz in den Passagen der Mall. Aber ebenso in der City, wo die NFL wieder eine Fan-Meile eingerichtet hat und trotz arktischer Kälte auf herzerwärmende Bilder hofft. Das Liga-eigene NFL-Network und ESPN übertragen gefühlt rund um die Uhr.

Spätestens am Matchday wird es auf allen Sendern nur das eine Thema geben, ehe NBC in der Nacht auf Montag ab 0.30 Uhr deutscher Zeit zum 19. Mal das Privileg hat, den Super Bowl exklusiv zu übertragen. Im hypermodernen U.S. Bank Stadium gilt es für NBC, den nächsten Medien-Wahnsinn anzupeilen: Im Vorjahr trieb der erste Overtime-Krimi der Super-Bowl-Geschichte die TV-Quote auf 172 Millionen Zuschauer. US-Rekord, natürlich.

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