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Mick Schumacher und der nächste Schritt

Zwischen Formel-2-Debüt und Formel-1-Testfahrten

Erst die Premiere am Wochenende in der Formel 2, dann am Dienstag und Mittwoch die ersten zwei Testtage in der Formel 1: Auf Mick Schumacher warten große Aufgaben - aber wie schnell kann es für den 20-Jährigen wirklich nach ganz oben gehen?

Mick Schumacher
Mick Schumacher
Quelle: Reuters

Sehr freundlich, höflich, wohlerzogen - so präsentiert sich Mick Schumacher bei seinem ersten offiziellen Medienauftritt im Formel-1-Umfeld in Bahrain. Er bringt sogar eigenhändig einige Flaschen Wasser für die wartenden Journalisten aus der Garage seines Prema-Formel-2-Teams mit, beantwortet Fragen mit einem Lächeln. Manche beantwortet er allerdings praktisch gar nicht: Nämlich all die Nachfragen, die sich auf seine beiden Formel-1-Testtage in der kommenden Woche beziehen. "Ich freue mich sehr auf meine Formel-2-Premiere und konzentriere mich erst einmal ganz darauf", wiederholt er stattdessen gebetsmühlenartig. So, dass der Eindruck entsteht, dass es eben in Wahrheit doch nicht so einfach ist, die beiden Dinge voneinander zu trennen, wie er es im eigenen Interesse gern tun möchte.

Karriere soll langsam aufgebaut werden - eigentlich

Ich freue mich sehr auf meine Formel-2-Premiere und konzentriere mich erst einmal ganz darauf.
Mick Schumacher

Wenn es eines gab, das für alle galt, die Mick Schumachers Karriere aus nächster Nähe begleiteten, dann war es immer die Maxime: "Ein Schritt nach dem anderen, nichts überstürzen." Der erfolgreiche Manager Nicolas Todt, Sohn des Fia-Präsidenten Jean Todt, der sich seit diesem Jahr auch mit um den Schumi-Sohn kümmert, sagt:  "Bei Mick heißt es nicht - jetzt oder nie! Er weiß, dass er noch viel lernen muss. Er ist jung. Das Ziel besteht nicht darin, möglichst schnell in einem GP-Renner zu sitzen. Das Ziel muss sein, in der Formel 1 zu bleiben. Ich halte es für sehr wichtig, gut vorbereitet in den Grand-Prix-Sport zu kommen. Du musst in den Nachwuchsklassen beweisen, dass du regelmäßig gewinnen oder gar dominieren kannst. Dann ist es Zeit für den nächsten Schritt. Die meisten Fahrer überstürzen alles, und das stellt sich später als Fehler heraus."

An diesem Wochenende stellt man den 20-Jährigen freilich vor eine gewaltige Aufgabe: Erst seine Premiere in der Formel 2, dann am Dienstag und Mittwoch die ersten Formel-1-Tests in gleich zwei verschiedenen Autos, dem Ferrari und dem Alfa Romeo. Was unter anderem bedeutet, auch noch zwei verschiedene Lenkräder mit all ihren Knöpfen und Funktionen lernen zu müssen - auch wenn er als Mitglied der Ferrari Driver Academy doch schon einige Runden im Formel-1-Simulator abgespult hat. 

Teamchef warnt vor zu großen Erwartungen

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto will die Tests dann auch in erster Linie als Chance für Mick sehen, Formel-1-Erfahrungskilometer zu sammeln: "Ich glaube, dass es sehr nützlich für ihn ist, zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere in einem offiziellen Rahmen wie den Testfahrten in Bahrain im SF90 Gas geben zu dürfen." Damit will er wohl Druck rausnehmen - auch wenn Mick Schumacher versucht, ganz cool festzustellen, er könne ja mit Druck gut umgehen. Was er gerade an diesem Wochenende in der Praxis wird beweisen müssen.

Ich glaube, dass es sehr nützlich für ihn ist, zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere in einem offiziellen Rahmen wie den Testfahrten in Bahrain im SF90 Gas geben zu dürfen.
Ferrari-Teamchef Mattia Binotto

Grundsätzlich schien er immer eher zwei statt nur ein Jahr zu brauchen, um in einer neuen Kategorie wirklich an der Spitze mitzumischen. Rene Rosin, sein Teamchef bei Prema, wo er auch seinen Formel-3-EM-Titel gewann und jetzt auch in der Formel 2 antritt, warnt wohl auch deshalb vor zu großen Erwartungen: "Mick weiß - nur wegen seines Namens steht ihm überhaupt nichts zu. Er hat gute Formel-2-Tests gefahren, aber ob er aus diesen erfreulichen Ansätzen auch eine gute Saison machen kann, das muss sich nun zeigen. Er fährt teilweise gegen Piloten, die schon Jahre in dieser Kategorie sind. Das wird es ihm im ersten Teil der Saison nicht einfach machen."

Soll jetzt doch alles ganz schnell gehen?

Trotzdem glaubt er an eine Formel-1-Zukunft für Mick:  "Was mich bei ihm am meisten beeindruckt, das ist seine Entschlossenheit. Er hat sehr früh verstanden, dass der Weg in die Formel 1 sehr arbeitsreich ist. Er ist in den vergangenen Jahren stets gewachsen. Er ist ein harter Arbeiter, der sich unfassbar reinhängt, er nimmt alle Erfahrungen wie ein Schwamm auf und geht überaus konstruktiv vor."

Die Frage ist nur, wann der Schritt erfolgen soll. Eigentlich dachten auch viele Experten, wie etwa Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost, der als sehr guter Nachwuchsförderer bekannt ist, dass man dem Youngster auch zwei Vorbereitungsjahre in der Formel 2 gönnen würde und sollte. Jetzt entsteht aber doch der Eindruck, dass Schumacher Junior wenn irgendwie möglich schon 2020 in einem Ferrari-Kundenteam, am ehesten bei Alfa Romeo, im Auto sitzen soll. Sollte er das tatsächlich schaffen und dann auch dort überzeugen, wäre das unter den gegebenen Umständen eine gewaltige Leistung.

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