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Kampf um Titel und Tickets

Para-Leichtathletik-WM 2019 in Dubai

Für die Para-Leichtathleten geht es bei ihrer WM in Dubai vom 7. bis 15. November nicht nur um Siege, sondern auch um Fahrkarten zu den Paralympischen Spielen 2020 in Tokio. Dabei wird ein Wettbewerb von den deutschen Prothesen-Sprintern schmerzlich vermisst.

Para-Leichtathletik Rehm
Für Deutschland am Start: Weitspringer Markus Rehm
Quelle: dpa

Die deutschen Prothesen-Sprinter sind überaus erfolgsverwöhnt, nicht nur in den Einzeldisziplinen. Die 4 x 100-Meter-Staffel war bei den letzten Großereignissen ihr Highlight, das Quartett des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) wurde Weltmeister 2015, Paralympicssieger 2016, Weltmeister 2017 und Europameister 2018.

Doch bei den nun startenden Weltmeisterschaften in Dubai findet dieser Wettbewerb nicht statt, das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat ihn abgeschafft und stattdessen eine "Universalstaffel" ins Programm genommen. "Ganz klar eine Fehlentscheidung", findet der Leverkusener David Behre.

Kritik an neuem Staffel-Format

In der Universalstaffel müssen zwei Männer und zwei Frauen mit unterschiedlichen Behinderungen ein Team bilden, es startet ein sehbehinderter Athlet (mit Begleitläufer), gefolgt von einem an einer Spastik leidenden Sportler, dann ist ein Prothesenläufer dran, auf ihn folgt ein Rollstuhlfahrer. Es wird also die ganze Palette des Parasports vorgeführt. "Aber mit Leistungssport hat das nicht mehr viel zu tun", sagt Behre, "das ist ein Rückschritt in Richtung Rehasport." Der 33-Jährige, der beide Unterschenkel verlor als er mit 20 Jahren vor einen Zug geriet, gehörte 2016 in Rio der deutschen Siegerstaffel an und gewann damals bei den Paralmypics zudem Silber über 400 und Bronze über 200 Meter.

Das IPC begründe die Abschaffung der Prothesenstaffel damit, dass es nur wenige Nationen mit genug leistungsstarken Athleten in dieser Kategorie gebe. Fünf bis sechs seien aber immer zusammengekommen, betont Behre: "Das war atemberaubend, super attraktiv, bei den Zuschauern in allen Köpfen." Vor allem mit den USA und Südafrika hat sich Deutschland immer heiße Gefechte geliefert. Die neue Staffel laufe unter dem Motto: "Habt Spaß zusammen, die Leistung ist Nebensache“, sagt Behre. Und sei zudem gefährlich, da bei den Wechseln Athleten mit sehr unterschiedlichen Geschwindigkeiten aufeinander träfen.

Ein einziges "Kuddelmuddel"

Auch Felix Streng, in Rio ebenfalls Teil der Gold-Staffel, kann die Entscheidung des IPC nicht verstehen: "So ein Event zu streichen, das jeder gern gesehen und jeder gern gemacht hat, das ist nicht logisch." Die neue Universalstaffel sei ein einziges "Kuddelmuddel" und damit deutlich weniger attraktiv.

Die Deutschen hatten bei der Prothesen-Staffel den großen Vorteil, dass sich in Leverkusen eine Hochburg für Sprinter und Springer mit amputierten Beinen entwickelt hat. Nahezu alle Staffelmitglieder der letzten Jahre starten für den TSV Bayer 04 und hatten somit beste Bedingungen, gemeinsam zu trainieren.

DBS mit 29 Athleten und zwei Guides am Start

Nun müssen sich alle ganz besonders auf ihre Einzelleistungen konzentrieren. Denn bei der WM, die bis zum 15. November läuft, geht es nicht nur um Titel, sondern auch um Startplätze für die Paralympics 2020 in Tokio. Der Deutsche Behindertensport-Verband (DBS) wird mit 29 Athleten und zwei Guides am Start sein. Wer es unter die Top vier schafft, sichert einen Quotenplatz für seine Nation. Weitere Tickets werden bis April 2020 über die Weltrangliste vergeben. Zur individuellen Normerfüllung haben die Athleten bis Anfang Juli 2020 Zeit.

Beste Medaillenchancen haben aus deutscher Sicht Prothesen-Läufer Johannes Floors, Dreifach-Weltmeister von London 2017, und der Weitsprung-Weltrekordhalter Markus Rehm, der zuletzt immer auch Teil der siegreichen Staffel war. Auch von den Kugelstoßern Sebastian Dietz, Niko Kappel und Birgit Kober wird viel erwartet, alle drei sind bereits Paralympics-Sieger. Léon Schäfer und Irmgard Bensusan haben im Weitsprung und im Sprint in dieser Saison schon die Weltrekorde in ihren Startklassen verbessert und zählen damit ebenfalls zu den Goldanwärtern. Insgesamt starten in Dubai 1400 Athletinnen und Athleten aus über 120 Nationen in 178 Medaillenentscheidungen.

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