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Andrea Petkovic: Aufschlag in der SPORTreportage

Tennis-Ass wird ZDF-Moderatorin: Ab Dezember vor der Kamera

Tennisprofi, Schriftstellerin, Multitalent - und im Dezember fügt Andrea Petkovic ihrem illustren Lebenslauf noch "ZDF-Moderatorin" hinzu.

Tennisspielerin Andrea Petkovic, 11.10.19
Andrea Petkovic
Quelle: imago images/GEPA pictures

Einengen lässt sich Andrea Petkovic nicht, das klappte noch nie bei ihr. Die 32-jährige Darmstädterin ist so etwas wie der rastlose Freigeist auf der Tennistour. Es gibt keine, die so herrlich eloquent, charmant und genauso amüsant zwischen alltäglichem Blödsinn, Kulturphänomen und Weltpolitik hin- und herjonglieren kann.

Lieber "Freestyle"

Auf dem Tennisplatz muss sie nach Regeln spielen, das nimmt sie hin. Aber in ein vorgegebenes Korsett lässt sich Petkovic sonst ungern zwängen. Das merkte sie auch schnell, als sie die beiden Moderationscastings beim ZDF absolvierte. "Ich sollte vom Prompter ablesen, aber das lief nicht so", erzählte sie der "Süddeutschen Zeitung": "Irgendwann haben wir gemerkt: Ich mache es freestyle. Das klappt besser."

Weil es so gut mit dem Freestylen vor der Kamera klappte, engagierte sie das ZDF für die Moderationen der SPORTreportage. Ihre ersten beiden Sendungen sind für den 1. und 8. Dezember geplant. "Sie ist eine tolle Tennis-Spielerin, eine großartige Persönlichkeit mit viel Charme und klarer Meinung", begründete ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann die Entscheidung: "Dazu hat sie ein besonderes Talent vor der Kamera. Daher freuen wir uns sehr, sie bei uns im Team begrüßen zu können."

Von Philosophie bis Robert Habeck

Sie ist eine tolle Tennis-Spielerin, eine großartige Persönlichkeit mit viel Charme und klarer Meinung.
Thomas Fuhrmann

Mit Andrea Petkovic lässt sich über alles reden. Das haben auch die Medien längst gemerkt. Sie schart in ihren Pressekonferenzen Journalisten aus aller Welt um sich, schließlich wissen diese inzwischen genau, dass ihnen keine andere Spielerin diese virtuose Bandbreite von Trivialem zu Tiefgründigem und wieder zurück so redegewandt und offen liefern kann. Wer würde auf der glattgebügelten Tour schon Sätze sagen wie: "Ich wollte aufhören. Ich sah mich schon als Alkoholikerin in einem Wohnwagen mit zehn Kindern."

Andrea Petkovic tut es. Manchmal wird sie tatsächlich über Tennis befragt, aber meistens soll sie über philosophische Grundsätze referieren, was sie von Game of Thrones, dem Eurovision Songcontest oder Robert Habeck hält, oder wieso Oscar Wildes "Bildnis des Dorian Gray" immer noch eines ihrer Lieblingsbücher ist.

Petko-Dance

Wenn ihr danach ist, dann legt sie nach einem Sieg ein kesses Tänzchen auf dem Court hin, zeigt bei selbstkreierten "Petko-Dance" stolz ihren Sixpack. An guten Tagen philosophiert sie, an schlechten funktioniert sie. "Wir Sportler haben unsere Antworten - wie Roboter", erzählte Petkovic jüngst dem österreichischem "Standard": "Gar nicht, weil wir's wollen, aber die Fragen sind oft die gleichen. Und da hast du schon die Antworten im Kopf parat."

Die Fragerei kann monoton sein, genau wie das Leben auf der Tennistour. Seit 13 Jahren ist Petkovic bereits Profi und lange hat sie mit dieser Berufsentscheidung immer wieder gehadert. Sich gefragt, ob sie nicht doch eine der "10.000 anderen Möglichkeiten" in ihrem Leben nutzen sollte. Die Zweifel kamen in Wellen, die Tränen auch. Mal flog sie himmelhoch, am nächsten Tag war sie zu Tode betrübt.

Mit Goethe gegen das monotone Tourleben

Das scheinbar so glamouröse Tourleben ist meist eher stumpf und wenig echt. Aber Petkovic suchte nach Echtem, nach einem Sinn. Sie fühlte sich oft einsam. Jede Woche eine andere Stadt, aber stets die gleichen Flughäfen, Hotels, Tennisanlagen. Immer die gleichen Gesichter in der Players Lounge, am Buffet, vor der X-Box, im Fitnessraum. Alles ist eher oberflächlich, schließlich geht es um Konkurrenz und viel Geld.

Und dann sitzt dazwischen eine, die gerne Goethe und David Foster Wallace liest und gerade selbst einen Roman über ihr Leben verfasst, der Ende 2020 erscheint. "Sie hat den speziellen Blick der Aktiven auf das Sportgeschehen, aber auch ein breitgefächertes Interesse, ist nicht nur auf Tennis festgelegt", sagte ZDF-Sportchef Fuhrmann. Für ein Magazin mit aktuellem Sport, Porträts und Hintergründen wie die SPORTreportage ist Petkovic damit die Idealbesetzung.

Liebe zum Tennis und zum Schreiben

Aber auch mit ihrem Profidasein hat sie Frieden geschlossen, ihre Mitte gefunden. "Im nächsten Jahr spiele ich auch jeden Fall noch", betonte sie.

"Tennis ist eine große Liebe in meinem Leben." Eine andere große Liebe ist inzwischen das Schreiben geworden.

Für das "SZ-Magazin" reflektierte sie über ihren Alltag. Für ihren Essay "Tennis vs. Tennis", den sie auf Englisch für das "Racquet Magazine" verfasste, wurde Andrea Petkovic von der Jury gerade in den Sammelband "Best American Sports Writing 2019" aufgenommen. Sie hatte die Band "Tennis" auf ihrer Konzerttour in Amerika begleitet, ein bisschen auch auf der Suche nach sich selbst. Man darf gespannt sein, wie der Freigeist den Sportjournalismus aufmischen wird.

"... das es wert ist, es aufzuschreiben"

"Noch vor ein paar Tagen war ich Tennisspielerin im Urlaub in Mexiko, und jetzt bin ich Schriftstellerin auf Tournee mit einer Band, die eine Polaroidkamera mit sich herumträgt, wo immer wir hingehen, sie in ihren verletzlichsten Momenten ins Gesicht hält, in der Hoffnung, etwas zu bekommen, in der Hoffnung, etwas Echtes zu sehen, etwas Greifbares, etwas Erklärbares, etwas, das es wert ist, es aufzuschreiben."
Auszug aus dem Essay "Tennis vs. Tennis" im "Racquet Magazine"

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