Kleines Team mit großen Namen

IPC-Leichtathletik-WM in London

Die deutschen Behindertensportler sind bei der Leichtathletik-WM in London mit einem im Vergleich zu den Paralympics stark dezimierten Team am Start. Hoffnungen auf einige Erfolge dürfen sie sich dennoch machen.

Weitspringer Markus Rehm
Weitspringer Markus Rehm Quelle: dpa

Als vor fünf Jahren in London die Paralympischen Spiele stattfanden, war Niko Kappel 17 Jahre alt und Teilnehmer am Jugendlager. Er verfolgte die Eröffnungs- und die Schlussfeier im Stadion in Stratford als Zuschauer. "Ich saß mit ein paar Jugendlichen auf der Tribüne und sagte: Bei den nächsten Paralympics müssen wir unbedingt da unten mit dabei sein", so erzählte es Kappel kürzlich dem Berliner "Tagesspiegel". Wenn am Freitag die Leichtathletik-WM der Behindertensportler in London startet, ist Niko Kappel 22 Jahre alt - und einer der Stars im deutschen Team.

Nur 21 deutsche Starter

39 deutsche Leichtathleten starteten bei den Paralympics 2016, in London werden bis zum 23. Juli nur 21 deutsche Sportler antreten. Das liege zum einen an einem "generellen Aderlass" nach den Paralympics, erklärt Bundestrainer Willi Gernemann.

So hat etwa Sprint- und Weitsprungstar Vanessa Low einen Wechsel nach Australien, in das Heimatland ihres Lebensgefährten vollzogen. Andere Leistungsträger wie Werferin Marianne Buggenhagen, Kugelstoßerin und Weitspringerin Franziska Liebhardt oder Sprinterin Claudia Nicoleitzik haben ihre Karrieren beendet.

Kurze Pause

Zum anderen mache den Para-Leichtathleten die kurze Pause zwischen den Paralympics in Rio de Janeiro bis Mitte September 2016 und den Weltmeisterschaften, die nun schon Mitte Juli stattfinden, zu schaffen.

Dadurch sei es schwierig gewesen, den dringend nötigen Urlaub, die neue Saisonvorbereitung und die WM-Qualifikation zeitlich organisiert zu bekommen, sagt Gernemann.

Erfolgsvorgaben will der Coach der Mannschaft daher nicht machen: "Wir befinden uns im Umbruch und es ist unsere Aufgabe, uns Richtung Tokio 2020 neu aufzustellen."

Kappel und Dietz hochmotiviert

Aber ganz hoffnungslos sind die Aussichten der Mannschaft des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) natürlich nicht. Schließlich ist da Niko Kappel, der kleinwüchsige Kugelstoßer aus Sindelfingen, Paralympicssieger von Rio und ein lustiger Typ.

Gerade noch hat er bei einem Meeting in Biberach mit 13,81 Metern seinen eigenen Weltrekord um drei Zentimeter verbessert - was allerdings nicht in die Rekordbücher eingehen wird, da der Wettkampf international nicht angemeldet war.

Motivationsschub

Damit dürfte Kappels Motivation einen ähnlichen, zusätzlichen Schub bekommen haben wie die seines halbseitig gelähmten Disziplinkollegen Sebastian Dietz aus Bad Oeynhausen. Auch er ist Paralympicssieger von Rio, und auch er schaffte in diesem Jahr schon einen Weltrekord.

Im Juni steigerte er seine eigene Bestleistung aus Rio um 60 Zentimeter auf 15,47 Meter - bei einem nicht ordnungsgemäß angemeldeten Wettkampf.

Rehm Topfavorit

Nicht zu vergessen Markus Rehm, der Superstar der deutschen Paralympioniken. Der einseitig unterschenkelamputierter Weitspringer und Sprinter aus Leverkusen holte sich gerade bei den Deutschen Meisterschaften der nichtbehinderten Leichtathleten eine Portion Selbstbewusstsein: Der dreimalige Paralympicssieger flog auf 8,19 Meter, weiter als jeder andere Athlet im Wettkampf. In London kann der 28 Jahre alte Orthopädiemechaniker zum vierten Mal in Folge Paraweltmeister im Weitsprung werden.

Aber im Olympiastadion von 2012 wird es für die Behindertensportler nicht nur um Medaillen gehen, sondern auch ums Genießen. Die Spiele von London waren eine Sternstunde für die paralympische Bewegung.

Nach überaus stimmungsvollen Olympischen Spielen brachten die Zuschauer auch den Paralympics eine nie dagewesene Begeisterung entgegen, auf die man nun auch bei der WM hofft.

In Großbritannien stünden paralympische Athleten viel mehr in der Öffentlichkeit als hierzulande, sagt Niko Kappel und findet: "Deshalb müssen wir erst mal auf uns selbst schauen, was wir tun können, um in Deutschland besser dazustehen."

Inklusion selbstverständlich

Er selbst tut, was er kann. Als Sportler und als Mensch. Bei Kappel ist Inklusion kein krampfiges Thema, sondern so selbstverständlich wie sein Umgang mit seiner Behinderung. Im "Tagesspiegel" machte er sich lustig über die These, kleinwüchsige Kinder könnten nicht am Sportunterreicht teilnehmen. Er sagte: "Natürlich, beim Bockspringen hole ich keine Eins." Dafür habe er beim Bodenturnen immer gewisse Vorteile gehabt. "Meine kurzen Füße habe ich ja fast in die Hand nehmen können."

Das Team der Deutschen

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