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Zwanziger, Zielperson der Aktion "Riverbed"

Der Katar-Kritiker spricht über Bespitzelung

von Julia Friedrichs und Jochen Breyer

Theo Zwanziger ist wegen seiner Kritik an der WM-Vergabe jahrelang bespitzelt worden: Eine von Katar aus gesteuerte Aktion mit Ex-CIA-Agenten, um den Ex-DFB-Chef zu manipulieren.

Videolänge:
4 min
Datum:
06.11.2022
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.11.2023

Katar ist mit der WM 2022 schier Unvorstellbares gelungen: Ein Turnier in einem Land, das fast vollständig aus Sand besteht. Wie konnte Katar dieser Coup gelingen, die WM hierher zu holen und trotz aller Kritik auch zu behalten? Wir haben mehr als drei Monate recherchiert.

Katars Angst, die WM zu verlieren

Immer wieder hören wir: Die Jahre nach der Vergabe waren für Katar die schwierigsten. Das Land stand unter Druck: Korruptionsvorwürfe. Zu heiß für eine WM im Sommer. Ausbeutung von Arbeitskräften.

Katar musste befürchten, die WM wieder zu verlieren. Und kämpfte. Offenkundig mit allen Mitteln.

Ex-CIA-Mitarbeiter als Spione

Einer der härtesten Kritiker aus Deutschland war Theo Zwanziger, damals Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Er sagte über die Entscheidung für Katar: "Das ist einer der größten Fehler, die es jemals im Sport gegeben hat."

Anfang 2022 meldet die Nachrichtenagentur AP: Katar habe die Firma eines Ex-CIA-Mitarbeiters angeheuert, um Zwanziger auszuspionieren. Womöglich mundtot zu machen.

10,5 Millionen Dollar teure Aktion

Uns wird der Projektbericht der Firma zugespielt. Darin lesen wir Ungeheuerliches. Unter dem Namen "Riverbed" habe es eine dreijährige Undercover-Aktion gegen Zwanziger gegeben. Kosten: 10,5 Millionen Dollar.

Das Ziel der Aktion: Zwanzigers Kritik an Katar zu neutralisieren. Ihn zu manipulieren. Dafür habe man sein privates Umfeld unterwandert. Kollegen. Aber auch seine Familie.

Zwanziger über die Aktion "Riverbed"

Reichte also der lange Arm Katars wirklich bis hierher? Nach Altendiez in Rheinland-Pfalz. 2000 Einwohner. Zwanzigers Heimat.

Nach langem Zögern ist der Ex-DFB-Chef bereit, mit uns über die Aktion "Riverbed" zu sprechen.

Uns liegt der Bericht der Spionagefirma vor. Sie als Zielperson, Ex-Cia-Agenten, die sie bespitzeln, eine verdeckte Aktion, um sie im Auftrag eines WM-Gastgebers mundtot zu machen: Das klingt doch wie ein Agenten-Thriller, oder?

Zwanziger: "Was macht das privat mit Dir?"

Theo Zwanziger: Ja. Ich habe so etwas zum ersten Mal erlebt. Ich bin ja in einem freiheitlichen Land aufgewachsen, nicht in der DDR. Dann denkt man natürlich in zwei Richtungen: Die erste ist: Was macht das privat mit dir? Spitzeln heißt, dass es Spitzel gegeben haben muss. Es sollen ja Familienmitglieder, Freunde, Familie gewesen sein (…). Aber soll ich jetzt anfangen, die alle zu verdächtigen? (…) Da würde ich mich nur selbst schädigen. Kann ich nicht.

Waren Sie überrascht über den Aufwand, der da offenbar betrieben wurde? In diesem Report steht ja auch, dass ein Projektmanager der Firma extra nach Deutschland gezogen ist, um in Ihrer Nähe zu sein. Und das Ganze hat dieser Firma Kosten in Höhe von 10,5 Millionen Dollar eingebracht.

Zwanziger: Tja. Im ersten Moment war ich überrascht. Im zweiten Moment, mit etwas Nachdenken, nicht mehr. Wenn man sich in die Situation von Katar versetzt: Das oberste Ziel war: Wir müssen diese WM jetzt behalten. Was muss man dann tun? Die Kritik ist da. Also mussten sich die Kataris darauf vorbereiten. Und darauf vorbereiten kann man sich am besten, in dem man dort auch möglicherweise Geld einsetzt, um Menschen zu gewinnen, die Fürsprecher von Katar werden. Und man muss natürlich gucken, dass man die großen, in den Medien beachteten Kritiker mehr oder weniger relativieren kann.

ZDFzeit - Geheimsache Katar 

Eine WM in der Wüste. Im Winter. Aller Kritik zum Trotz: Sportjournalist Jochen Breyer und Autorin Julia Friedrichs gehen der Frage nach, wie Katar dieser Coup gelingen konnte.

Videolänge

Das klingt nach einer geradezu klassischen Strategie. Zuckerbrot und Peitsche. Nach dem Treffen in Altendiez ist klar: Katars Angst, die WM zu verlieren, war damals Anfang der 2010er Jahre so groß, dass man Millionen Dollar investierte, um Kritiker wie Theo Zwanziger auszuspionieren. Das war die Peitsche.

Doku am Dienstag

Und was war das Zuckerbrot? Um dem nachzugehen, sind wir nach Katar gereist. Eines vorweg: Wir haben Erstaunliches herausgefunden. Die ganze Geschichte zeigen wir am 8. November, 20.15 Uhr, in der Doku "Geheimsache Katar".

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