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Zehnkampf: Die EM als Trostpflaster

Sport - Zehnkampf: Die EM als Trostpflaster

Die erste Disziplin der Zehnkämpfer bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam: der 100-Meter-Sprint - mit starker deutscher Beteiligung. Es kommentiert Wolf-Dieter Poschmann.

Beitragslänge:
20 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.07.2017, 08:00

Mehrkämpfer Mathias Brugger, Hallen-WM-Dritter, konnte in Götzis verletzungsbedingt keinen Angriff auf die Olympianorm starten. Jetzt will er bei der EM in Amsterdam zeigen, was in ihm steckt.

Trostpflaster EM: Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) schickt mit Brugger,  Tim Nowak sowie René Stauß seine zweite Garde im Zehnkampf ins Rennen um den EM-Medaillen im Amsterdamer Olymiastadion von 1928.

DLV-Trio nach Rio

Zu den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (die Leichtathletik-Wettbewerbe finden vom 12. bis 22. August statt) sollen dann Arthur Abele - mit 8605 Punkten aus Ratingen hinter Weltrekordler Ashton Eaton (USA) Zweiter der Weltjahresbestenliste - sowie Kai Kazmirek(8323 Punkte) und Rico Freimuth reisen: Der WM-Dritte hat in diesem Jahr allerdings noch keinen Zehnkampf beendet.

Vor vier Jahren durften die deutschen Mehrkämpfer noch frei entscheiden, ob sie sich einen Doppelstart bei der EM in Helsinki und den Olympischen Spielen in London zutrauten. Pascal Behrenbruch tat das - und wurde Europameister. Bei Olympia kam er allerdings nur noch auf Rang zehn. Ähnliches wollen die DLV-Verantwortlichen mit dem Doppelstart-Verbot für die Mehrkämpfer in diesem Jahr vermeiden.

Ärger bei Brugger

Mathias Brugger ärgert das. "Warum kann die EM nicht noch zur Olympia-Quali herangezogen werden? Fünf Wochen reichen zur Erholung und oft ist der zweite Zehnkampf im Jahr der bessere", sagt der 23-Jährige. Zwar war die EM zu Beginn der Saison noch Buggers großes Ziel. Doch inzwischen hat er das Gefühl, dass mehr drin wäre. Weil er sich fit und bärenstark fühlt, zudem motiviert von der herausragenden Leistung seines Trainingskollegen Arthur Abele in Ratingen. Das gibt ihm die Gewissheit, dass die Maßnahmen des Ulmer Trainers Christopher Hallmann fruchten.

Zum anderen, weil Rico Freimuth in diesem Jahr bislang etwas schwächelt. In Götzis stieg er nach drei Fehlversuchen im Weitsprung nach dem ersten Tag aus. In Ratingen zog er die Vorsichts-Reißleine, um seinen etwas angeschlagenen Körper vor Olympia nicht ganz ins Aus zu manövrieren. Da Freimuth die Olympianorm im vergangenen Jahr aber locker überboten hat, bekommt er das Rio-Ticket dennoch - vorbehaltlich eines Leistungsnachweises in einzelnen Disziplinen. Sollte Brugger bei der EM die Olympianorm überbieten, könnte er das natürlich als ungerecht empfinden.

Wettkampf-Rückstand

Christopher Hallmann, selbst ehemaliger Zehnkämpfer und mit 33 Jahren kaum älter als Abele, sein Bester, trainiert die Ulmer Mehrkämpfer jetzt im dritten Jahr. Über Bruggers EM-Start in Amsterdam sagt Hallmann: "Er kann da richtig abgehen."

Von olympischen Ged

ankenspielen hält er allerdings nichts. Zum einen, weil Brugger zwar mit Bronze bei der Hallen-EM in diesem Jahr positiv überraschen konnte, nach seiner verletzungsbedingten Absage für Götzis aber noch keinen Zehnkampf absolviert hat.

Dass er seine Bestleistung von 8009 Punkten pulverisieren wird, ist bisher also nichts weiter als eine Annahme auf Grund guter Trainingsleistungen. Viel Rederei, das sei Fußballmentalität, sagt Hallmann. "Wer ist unser Finalgegner, dabei ist das Halbfinale noch gar nicht gespielt, so etwas machen wir nicht."

"Phantastischer Wettkampf"

Zum anderen habe Brugger entschieden, das vom DLV angebotene EM-Ticket zu nehmen und nicht in Ratingen anzutreten und um einen Olympiastartplatz zu kämpfen. Beides ging nicht, weil die Wettkämpfe zu eng beieinander liegen.

"Es ist schade, dass Mathias den Sprung nach Rio nicht mehr schaffen kann", sagt Hallmann, "aber das wussten wir in dem Moment, als wir uns für die EM entschieden haben".  Und die EM sei ja nun immerhin auch eine EM. "Das ist ein phantastischer Wettkampf." An dem im Zehnkampf zwar keine Olympiafavoriten, aus anderen Nationen aber auch nicht nur Athleten der zweiten Garde teilnähmen.

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